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Venezuela: Ökonom sieht großen Bedarf an Auslandshilfe

Archivmeldung vom 25.01.2019

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 25.01.2019 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Andre Ott
Bild:  401(K) 2012, on Flickr CC BY-SA 2.0
Bild: 401(K) 2012, on Flickr CC BY-SA 2.0

Venezuela wird nach Ansicht des Harvard-Professors Ricardo Hausmann nach einem etwaigen Regierungswechsel milliardenschwere Hilfsleistungen aus dem Ausland benötigen. Das Land brauche humanitäre Unterstützung sowie "ein großes, vom IWF geführtes Programm", sagte Hausmann der "Welt" am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos.

Der Venezolaner Hausmann war in den 90er-Jahren Planungsminister in seinem Heimatland, heute leitet er das Center for International Development an der Harvard University. Er war nach eigenen Angaben "maßgeblich beteiligt", an dem Wirtschaftsprogramm "Der Morgen danach", mit dem die bisherige Opposition die Wirtschaft des Landes wieder in Schwung bringen will. Hilfskredite aus dem Ausland müssten Hausmann zufolge Dutzende Milliarden Dollar umfassen. "Wir reden über eine Größenordnung von 60 Milliarden Dollar", so der Harvard-Professor. Detaillierte Gespräche, unter anderem mit dem IWF und dem US-Finanzministeri um, hätten bereits stattgefunden. Das Konzept sei "sehr stark inspiriert von dem Marshall-Plan im Jahr 1948", sagte Hausmann.

Die westeuropäischen Volkswirtschaften hätten zwischen 1945 und 1948 vor allem unter einer Dollar-Knappheit gelitten. "Mit dem Marshall-Plan erholte sich die Wirtschaftsleistung dramatisch schnell, weil das Devisenproblem gelöst wurde", so der Harvard-Professor weiter. Hinter dem Vorstoß von Parlamentschef Juan Guaidó, der sich am Mittwoch zum Staatschef Venezuelas erklärt hat, stecke "ein durchdachter politischer Plan, der seit Langem vorbereitet wird", sagte Hausmann. Der Ökonom zeigte sich verhalten optimistisch, dass der Plan aufgeht.

"Ich würde sagen: Es ist eher wahrscheinlich." Als Indiz dafür sieht er die öffentliche Zurückhaltung der Militärspitze. "In Situationen wie diesen sah man in der Vergangenheit typischerweise den Verteidigungsminister und die obersten Militärs, die gemeinsam im Fernsehen erklären, dass sie den Präsidenten unterstützen. Das hätte nun längst passieren müssen, es ist aber nicht passiert. Es ist vielmehr klar, dass das Militär gespalten ist", so Hausmann. Er verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass Soldaten und Offiziere zwar Privilegien genössen, letztlich aber auch nicht von der Krise verschont blieben: "Selbst die Gehälter der allerhöchsten Generäle betragen umgerechnet weniger als 50 Dollar im Monat."

Quelle: dts Nachrichtenagentur

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