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Menschenrechtsverletzungen im Jemen: Vorwurf gegen Tochter des Hamburger Universitätsklinikums Eppendorf (UKE)

Archivmeldung vom 19.11.2013

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 19.11.2013 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Karte des Jemen
Karte des Jemen

Mitarbeitern einer Tochterfirma des Hamburger Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) wird vorgeworfen, schwere Menschenrechtsverletzungen im Jemen geduldet zu haben. Insgesamt 15 Tage soll der US-Bürger Sherif Mobley (29) vor drei Jahren in einem Krankenhaus in der jemenitischen Hauptstadt Sana'a an sein Bett gefesselt worden sein, mit verbundenen Augen, ohne Kontakt zu einem Anwalt oder der Botschaft. Das Polizeikrankenhaus hatte zu diesem Zeitpunkt Geschäftsbeziehungen nach Deutschland. Es wurde auch von Mitarbeitern der UKE Consult and Management GmbH gemanagt und medizinisch beraten, die zum Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) gehört.

Nach Informationen des NDR Politikmagazins "Panorama 3" (Sendung: Dienstag, 19. November, 21.15 Uhr, NDR Fernsehen) hielt sich Mobley im Januar 2010 mit seiner Ehefrau und seinen zwei Kindern in der jemenitischen Hauptstadt Sana'a auf. Er sei dann dort von Sicherheitskräften aufgrund eines vermeintlichen Terrorverdachtes festgenommen und bei der Verhaftung angeschossen worden, sagt Cori Crider von der britischen Menschenrechts-Organisation "Reprieve". Sie vertritt Mobley juristisch. Im "Typical Police Hospital" (TPH), dem Polizeikrankenhaus, wurde er anschließend operiert. Als Mobley am nächsten Tag erwachte, sei er fixiert gewesen. "Eine Hand an jeder Seite des Bettes war festgeschnallt und die Augen waren verbunden. Fast 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche", sagt Crider. Ein Anwalt und Kontakt zur Botschaft oder zu seiner Familie sei ihm verwehrt worden.

Mobley war während seines Aufenthaltes unter der Kontrolle der UKE-Vertreter. In einer eidesstattlichen Versicherung teilt der deutsche medizinische Direktor mit, der von dem Tochterunternehmen seinerzeit in den Jemen entsandt worden war: "Ich hatte immer freien Zutritt zum Patienten und habe kontrolliert, dass die medizinische und pflegerische Betreuung ordnungsgemäß ist." Unklar bleibt, was das genau heißt, denn das UKE führt gegenüber "Panorama 3" aus, UKE-Ärzte und -Pfleger seien an der Behandlung selbst nicht beteiligt gewesen.

Zu der konkreten Frage, ob Mobley gefesselt war und seine Augen verbunden waren, antwortet das UKE, man könne die Vorwürfe mit Verweis auf eine eidesstattliche Versicherung des medizinischen Direktors "nicht bestätigen". In der eidesstattlichen Versicherung findet sich zu dem Vorwurf allerdings keine Aussage.

In der Sendung "Panorama 3" berichtet eine ehemalige Angestellte des UKE, dass sie selbst Zeugin von Menschenrechtsverletzungen im Polizeikrankenhaus im Jemen wurde. Leonore Boscher leitete das International Office des Universitätsklinikums Eppendorf. Während einer ihrer Aufenthalte im jemenitischen Krankenhaus beobachtete sie den Fall eines anderen Patienten. Der Terrorverdächtige sei schwer verletzt gewesen und man habe "versucht, sein Umfeld so zu gestalten, dass er nicht erkennen konnte, wo er genau ist. Die Augen waren verbunden", sagte sie dem NDR. Sie hält die Schilderungen von Sherif Mobley für glaubwürdig.

Für den bisherigen Vorsitzenden des Menschenrechtsausschusses im Deutschen Bundestag, Tom Koenigs (B'90 Grüne), ist der Fall erschütternd: "Wenn sie es gewusst haben und nicht Abhilfe geschaffen haben oder es geduldet haben, dann haben sie sich strafbar gemacht." Darüber hinaus hätten die Mitarbeiter des UKE aber auch ihre Mission verfehlt. "Denn sie sind dort, um Menschen zu helfen und nicht als langer Arm irgendeines Geheimdienstes", fügt Koenigs hinzu.

Während seines Krankenhausaufenthaltes wurde Mobley vom FBI vernommen. Das belegt ein Verhörprotokoll, das "Panorama 3" vorliegt. Das Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) teilt dazu mit, dass es keine Kenntnis von Besuchen von Agenten habe.

Nach seinem Aufenthalt wurde Sherif Mobley an den Geheimdienst übergeben. Der Terrorverdacht bestätigte sich zunächst nicht. Bei einer späteren, erneuten Verhaftung soll er einen Sicherheitsbeamten erschossen haben. Sherif Mobley sitzt deshalb zurzeit in einem jemenitischen Gefängnis.

Quelle: NDR Norddeutscher Rundfunk (ots)

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