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Commerzbank-Chefökonom warnt wegen EZB-Kurs vor Währungskrieg

Archivmeldung vom 24.01.2015

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 24.01.2015 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Bild: Gerd Altmann/dezignus.com / pixelio.de
Bild: Gerd Altmann/dezignus.com / pixelio.de

Der sinkende Euro-Kurs infolge des geplanten Staatsanleihen-Kaufprogramms der Europäischen Zentralbank (EZB) könnte nach Einschätzung des Chefvolkswirts der Commerzbank, Jörg Krämer, in einen Währungskrieg münden: "Wenn die EZB ungelöste wirtschaftliche Probleme durch eine Euro-Abwertung lösen möchte, dann schafft sie Konflikte mit anderen Ländern. Die USA halten derzeit nur deshalb still, weil es ihnen wirtschaftlich recht gut geht", sagte Krämer dem "Handelsblatt" (Onlineausgabe).

Die Abwertungspolitik der EZB belaste aber auf Dauer die Beziehungen zu den USA und den asiatischen Ländern. Dessen ungeachtet hält Krämer es sogar für möglich, dass die EZB ihre am Donnerstag beschlossenen geldpolitischen Maßnahmen noch ausweitet. Kurzfristig entlaste ein abwertender Euro die Konjunktur. Aber langfristig löse er nicht das Wettbewerbsproblem vieler Euroraum-Länder, erläuterte der Commerzbank-Chefökonom. "Deshalb kann ich mir gut vorstellen, dass die EZB nachlegt und ihr Kaufprogramm in den kommenden Quartalen aufstockt."

Die Erwartung einer weiteren Lockerung der EZB-Geldpolitik belaste schon heute den Euro. Die EZB nimmt diese Entwicklung offenbar in Kauf, weil ihre Zinspolitik nicht mehr die gewünschte Wirkung entfaltet. In vielen Ländern des Euroraums, so Krämer, seien die Konsumenten und Unternehmen noch zu hoch verschuldet. "Niedrige Zinsen können sie also nicht dazu verführen, ihre Ausgaben zu steigern und so die darbende Konjunktur anzufachen", erläuterte er. Deshalb wirkten die massiven Anleihekäufe nur über eine Abwertung des Euro. "Denn er verbilligt die im Euroraum hergestellten Güter aus Sicht von Kunden in den USA oder Asien, was die Exporte und die Gewinne der Unternehmen im Euroraum erhöht." In Wahrheit sei das Anleihekaufprogramm der EZB daher ein Abwertungsprogramm.

DIW-Präsident verteidigt "gewünschte" Euro-Abwertung

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, hat den sinkenden Euro infolge der neuen geldpolitischen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) verteidigt. Der Euro sei bisher während der europäischen Krise sehr stabil gewesen. Die jetzige Abwertung sei "letztlich gewünscht, denn dies reduziert den Deflationsdruck und hilft der EZB, ihrem Mandat wieder gerecht zu werden, auch wenn diese Hilfe sicherlich nur begrenzt sein kann", sagte Fratzscher dem "Handelsblatt" (Online-Ausgabe). "Gerade Deutschland wird vom schwächeren Euro profitieren, denn kaum ein Land hängt so sehr von Exporten ab."

Wirtschaftsweiser Schmidt: EZB-Käufe sind unnötig und behindern Reformen

Der Wirtschaftsweise Christoph Schmidt hält den Billionen schweren Anleihe-Kauf der EZB für überflüssig. "Momentan sehe ich keine Notwendigkeit für diesen Schritt", sagte er der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post". Im Gegenteil: "Je mehr sich die Notenbank engagiert und damit die Refinanzierungskosten für Staaten drückt, desto größer ist die Gefahr, dass Länder wie Frankreich und Italien die nötigen Reformen weiter auf die lange Bank schieben." Den Krisenländern habe die EZB bestenfalls Zeit gekauft. "Die Ursachen der Probleme im Euro-Raum können nur in den Ländern selbst gelöst werden, insbesondere indem sie ihre Strukturreformen weiter vorantreiben." Zugleich warnt Schmidt, der auch Präsident des Rheinisch-Westfälisches Instituts für Wirtschaftsforschung ist, vor den Lasten für den Steuerzahler: "Die langfristigen Risiken einer zu lockeren Geldpolitik müssen letztendlich die europäischen Steuerzahler tragen, nicht nur die deutschen."

Quelle: dts Nachrichtenagentur

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