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Währungsexperte rät Iran wegen Hyperinflation zu Währungsschnitt

Archivmeldung vom 06.10.2012

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 06.10.2012 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Flagge der Islamischen Republik Iran
Flagge der Islamischen Republik Iran

Einer der weltweit führenden Währungsexperten sieht Iran in einer Hyperinflation gefangen - und rät dem Land zu einem währungspolitischen Neuanfang. "In Iran hat die Zentralbank die heimische Geldmenge stark steigen lassen", sagte Steve Hanke, ein Ökonomieprofessor von der Johns Hopkins, der "Welt am Sonntag". "Hyperinflationen sind aber immer auch das Ergebnis von Erwartungen. Im aktuellen Fall hat sich offenbar bei den Iranern die Erwartung gebildet, dass die Sanktionen immer mehr Biss bekommen werden. Man rechnet also damit, dass die heimische Währung Kaufkraft verliert, und tauscht sie deshalb möglichst gegen Devisen um."

In Iran breitet sich derzeit wirtschaftliches Chaos aus. Außen- und Binnenwert der Währung brechen ein, weil Irans Exportwirtschaft wegen der Sanktionen von Amerikanern und Europäern kaum noch Devisen ins Land holt. Offiziell liegt die Inflationsrate schon bei hohen 25 Prozent - pro Jahr. Tatsächlich ist sie Hanke zufolge sehr viel höher.

Der Ökonom hat vor Jahren eine wissenschaftliche Methode entwickelt, die es ihm erlaubt, aus der Wechselkursentwicklung Rückschlüsse zu ziehen auf die wirkliche Preisentwicklung. Aktuell kommt er zu dem Schluss, dass die Inflationsrate in Iran schwindelerregende 69,6 Prozent erreicht hat - pro Monat. Ab einer monatlichen Inflationsrate von 50 Prozent sprechen Ökonomen von einer Hyperinflation. Die Regierung in Teheran könnte diesen nach Auffassung von Hanke inflationären Prozess stoppen - wenn sie denn wollte. "Die Hyperinflation in Bulgarien 1997 war noch schlimmer, dort lag die Inflationsrate bei bis zu 242 Prozent im Monat", sagt Hanke.

Die Regierung in Sofia, von Hanke beraten, führte damals ein sogenanntes Currency Board ein, bei dem die lokale Währung zu 100 Prozent durch eine Reservewährung, in diesem Fall die Deutsche Mark, gedeckt wird. "Auf diese Weise wurde der Lew über Nacht zu einem Klon der D-Mark, und die Inflationsrate war binnen Monatsfrist wieder im einstelligen Bereich." Der Haken im Fall Irans ist nur die sanktionsbedingt akute Devisenknappheit. Die Umstellung auf ein Currency Board oder eine andere Form von Währungsschnitt wäre nur um den Preis einer drastisch fallenden Wirtschaftsleistung zu haben.

Quelle: dts Nachrichtenagentur

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