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China-Experte: Corona-Pandemie treibt Techno-Autoritarismus in China voran

Archivmeldung vom 25.01.2021

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 25.01.2021 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch André Ott
Totalüberwachung (Symbolbild)
Totalüberwachung (Symbolbild)

Bild: Eigenes Werk /OTT

Ein Jahr nach Ausbruch der Corona-Pandemie in Wuhan ist nach Ansicht des China-Experten Sebastian Heilmann klar, dass die chinesische Führung die Corona-Pandemie nutzt, um das politische System im Land zu festigen. "Der Ausbau des chinesischen Techno-Autoritarismus hat sich mit der Corona-Bekämpfung beschleunigt", sagte der Sinologe von der Universität Trier im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Er betonte: "Viele der technischen Hilfsmittel, die zur Bekämpfung der Pandemie in China eingesetzt werden - also vor allem die umfassenden digitalen Überwachungsfunktionen in Apps, auf Handys, in den Funknetzen -, lassen sich jenseits der Pandemie zu einer immer strafferen Kontrolle der Bevölkerung nutzen." Diese Kontrollmittel würden in China nicht mehr verschwinden.

Heilmann, der das China-Forschungsinstitut Merics in Berlin mitbegründet hat, sagte der "NOZ" weiter: "Wir haben aus meiner Sicht nur noch ein kleines Zeitfenster, in dem wir Chinas autoritären Herrschafts- und Einflussmethoden, die alle freiheitlichen Gesellschaften bedrohen, entgegenwirken können. Denn zum Ende dieses Jahrzehnts wird sich China voraussichtlich in einer nicht mehr angreifbaren globalen Führungsrolle etabliert haben". Aus der Corona-Krise geht die Volksrepublik nach Ansicht des Landeskenners gestärkt hervor. "Die Regierung in Peking hat im Kontext der Pandemiebekämpfung verstärkt in neue Infrastrukturen für das digitale Zeitalter investiert", sagte Heilmann. Hier habe China zukunftsorientierter als die Europäer agiert. "Und das wird Chinas Wachstum in den kommenden Jahren fördern", sagte der Politikwissenschaftler.

Um dem Aufstieg Chinas zu begegnen, müssen Deutschland und die EU nach Ansicht des China-Experten unter Umständen auch wirtschaftliche Nachteile in Kauf nehmen. "Die internationale Zusammenarbeit wird aus europäischer Sicht auf den Kopf gestellt, wenn wir mit einer globalen Führungsmacht umgehen müssen, die fundamental unterschiedliche politische und gesellschaftliche Ordnungsvorstellungen verfolgt und uns zugleich wirtschaftlich-technologisch abhängt", sagte Heilmann der "NOZ": "Wenn die politischen Spannungen mit Peking zunehmen, bedeutet europäische Wehrhaftigkeit, dass der wirtschaftliche Austausch sehr störungsanfällig wird."

Laut Heilmann sei es von entscheidender Bedeutung, "ob wir Europäer wirklich bereit sind, in einen streitbaren und wehrhaften Modus überzugehen, indem wir sagen: Wir arbeiten mit China in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur zusammen. Aber wir bleiben dabei stets wachsam und treten allen Versuchen der politischen Einflussnahme Chinas in unseren Gesellschaften entschlossen entgegen."

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung (ots)


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