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Warum hat Boris Johnson Zerstörer zur Krim geschickt?

Archivmeldung vom 26.06.2021

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 26.06.2021 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
HMS Defender in 2012
HMS Defender in 2012

By Royal Navy - Defence Images, OGL v1.0, Link

Ein britisches Kriegsschiff habe vor der Krim nichts verloren, so der britische Ex-Botschafter Craig Murray zum Eindringen des Zerstörers „Defender“ in die russischen Gewässer. Was soll dann aber die angebliche Provokation und deren Leugnung durch die britischen Behörden? Für den Außenexperten Dr. Siegfried Fischer ist der Grund ganz plausibel.

Das russischen online Magazin „SNA News“ schreibt dazu auf der deutschen Webseite: "In der Geschichte um den britischen Zerstörer „Defender“ vor der Krim ist in den Medienberichten eine Tatsache etwas untergegangen, nämlich dass an Bord des Schiffes in der ukrainischen Hafenstadt Odessa anschließend ein trilaterales Abkommen zwischen Großbritannien, der Ukraine und dem britischen militärisch-industriellen Komplex unterzeichnet wurde, und zwar über die Zusammenarbeit zur Stärkung des ukrainischen Marinepotenzials. Das Abkommen sieht auch die Lieferung von weiteren Kriegsschiffen bzw. Schiffsausrüstung an die Ukraine vor.

Dann wurde noch bekannt, dass gerade der britische Premierminister Boris Johnson die „Defender”-Fahrt vor die Krim-Küste angeordnet hatte. Warum aber haben die Briten den russischen Beschuss des Fahrwegs dementiert und als Übungen abgetan, statt diese international bloßzustellen? Schließlich hatten sie auf einer „friedlichen Durchfahrt“ durch ukrainisches Territorialgewässer entsprechend dem Völkerrecht bestanden.

„Was da gerade abläuft, ist ganz klar. Die Briten, die ja nicht mehr in der EU sind, wollen ihren Einfluss auf die Ukraine behalten“, sagt der Senior Fellow am Welttrends Institut in Potsdam mit Seeerfahrung und frühere Schiffsmaschineningenieur Dr. Siegfried Fischer gegenüber SNA.

Deshalb hätten sie auch gerade mit diesem Zerstörer den Vertrag über die Lieferung von weiteren Schiffen an die Ukraine unterschrieben. „Die Briten machen sich damit stark gegenüber den USA als Bündnispartner, wenn USA und Großbritannien schon zusammen in den Ukraine-Prozess einsteigen wollen. Sie wollen ja nicht das Normandie-Format alleine haben.“

Hier wird laut dem Experten auf hoher Ebene gepokert. Andererseits wollten die Briten den Ukrainern auch zeigen, wie ernst sie es mit der ukrainischen Krim meinen würden.

„Und wenn die Briten dann noch zugeben würden, dass sie sich beschießen lassen, ohne zu antworten, das passt überhaupt nicht ins britische Militärwelt-Bild. Dann müssten sie ganz anders diplomatisch reagieren, nochmal richtig ins Detail gehen und dann müssten sie beweisen, dass sie tatsächlich im Recht sind.“

Die Ziele seien aber schon erreicht und mehr bräuchten die Briten nicht, schon nicht, den Zwischenfall hochkochen.

Wenn aber das russische Außenministerium bzw. der russische Botschafter in London, Andrej Kelin, eine härtere Antwort Russlands auf ähnliche Provokationen in der Zukunft nicht ausschließen, und zwar nicht einfach den vermutlichen Kurs zu beschießen, sondern die Schiffe direkt, dann sei die Gefahr noch da, befürchtet Fischer.

Invasion des britischen Zerstörers

Die „Defender“ hatte am Mittwoch laut dem russischen Verteidigungsministerium die Seegrenze Russlands überquert und ist bis zu drei Kilometer weit in das russische Hoheitsgewässer im Raum des Kaps Fiolent an der Krimküste eingedrungen. Nach ignorierten Warnungen wurden dann von einem Grenzschnellboot Warnschüsse abgegeben und dann von einem Militärflugzeug Su-24M Bomben am Fahrweg des Zerstörers abgeworfen. Das Schiff selbst sollte dem Kommando zufolge dabei nicht getroffen werden.

London erklärte dagegen, dass ein Kriegsschiff eine „friedliche Durchfahrt“ durch ukrainisches Territorialgewässer entsprechend dem Völkerrecht unternommen habe. Behauptet wurde, dass keine Schüsse auf die „Defender“ gerichtet und keine Bomben am Fahrweg des Schiffes abgeworfen worden seien. Nach Äußerung Johnsons ist die Durchfahrt im Schwarzen Meer „durchaus angebracht“ gewesen. Man sei davon ausgegangen, dass die russische Seite eine Waffenübung abgehalten habe, hieß es.

Im Zusammenhang mit dem Zwischenfall wurde die britische Botschafterin in Moskau, Deborah Bronnert, ins russische Außenministerium zitiert, wo entschiedener Protest eingelegt wurde."

Quelle: SNA News (Deutschland)

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