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Euro-Krise: Top-Ökonom Sinn hält Griechenland-Austritt für sicher

Archivmeldung vom 06.10.2012

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 06.10.2012 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Hans-Werner Sinn (2008) Bild: Jan Roeder, Krailling / de.wikipedia.org
Hans-Werner Sinn (2008) Bild: Jan Roeder, Krailling / de.wikipedia.org

Der Präsident des Münchener Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, ist sich sicher, dass Griechenland aus der Euro-Zone austreten wird. Der Versuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), das überschuldete Land um beinahe jeden Preis in der Währungsunion zu halten, werde scheitern, prognostizierte der renommierte Wirtschaftsprofessor in einem Interview mit der "Welt am Sonntag": "Griechenland wird austreten, und Bundeskanzlerin Merkel wird nicht recht behalten - wetten?"

Die ökonomischen Probleme, die entstehen, wenn Griechenland in der Währungsunion bleibt, seien "schlicht nicht lösbar". Daher sei ein temporärer Ausstieg "besser für die Griechen und besser für uns". Die Politik der Kanzlerin zur Bewahrung der Währungsunion in ihrer heutigen Zusammensetzung sei "keine Rettung, sondern Konkursverschleppung", so Sinn. "Ich verstehe die Kanzlerin, aber ich würde mir mehr Härte von ihr wünschen. Mit dem Euro ist es wie mit einem Auto, das den Berg hinunterfährt und immer schneller wird. Die Euro-Retter sagen sich: Wenn wir bremsen, bricht das Auto vielleicht aus, und deshalb bremsen wir lieber gar nicht."

Wenn Griechenland Mitglied der Währungsunion bleiben soll, "dann muss es dauerhaft an den Tropf", sagte Sinn. "Dann sollte aber Frau Merkel wenigstens die Steuern erhöhen, statt Schulden zu machen. Denn dann werden diejenigen, die durch diese Politik belastet werden, es wenigstens gleich merken - und die Politik kann die Kosten nicht auf Gruppen abschieben, die noch gar nicht wählen dürfen." Er plädiere nicht für Steuererhöhungen, erläuterte Sinn, sie seien aber in diesem Fall konsequent: "Wenn man Geld verschenken will, das man nicht hat, muss man Steuern erhöhen."

Zuletzt hatten verschiedene Ökonomen und zum Beispiel auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) Fortschritte der Euro-Krisenländer bei der Wiedererlangung ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit gelobt. Sinn trat dieser Auffassung im Gespräch mit der "Welt am Sonntag" entgegen. "An den Zahlen sieht man das noch nicht. Man verweist darauf, dass die Lohnstückkosten sinken, aber die gehen vor allem deshalb herunter, weil die unproduktiven Firmen dichtmachen und aus der Statistik verschwinden", so Sinn. Am wichtigsten sei das Preisniveau der selbst erzeugten Waren, und das sei nur in Irland im Vergleich zu den anderen Euro-Ländern gefallen. "Bei den anderen Krisenländern ist nicht das Geringste passiert. Auch der Export hat den Vorkrisentrend noch nirgendwo erreicht. Die Länder müssten aber nun deutlich darüber hinauswachsen, wenn sie wettbewerbsfähiger werden wollten."

Hans-Werner Sinn, 62, leitet das Ifo-Institut seit 1999. Am Montag erscheint sein Buch "Die Target-Falle. Gefahren für unser Geld und unsere Kinder" im Hanser-Verlag.

Quelle: dts Nachrichtenagentur

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