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Historiker Kershaw: EU muss beim Brexit "konsequent bleiben"

Archivmeldung vom 27.01.2017

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 27.01.2017 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch André Ott
Bild: D Smith, on Flickr CC BY-SA 2.0
Bild: D Smith, on Flickr CC BY-SA 2.0

Der renommierte britische Historiker Ian Kershaw erwartet von der Europäischen Union, dass sie bei den bevorstehenden Brexit-Verhandlungen zu ihren Grundsätzen steht: "Die EU muss konsequent bleiben", sagte Kershaw der "Welt". Den geplanten Austritt seines Heimatlandes aus der Europäischen Union sehe er mit "großem Bedauern".

Der Brexit sei "bitter, Großbritannien hätte in der EU bleiben müssen", sagte der Historiker und fügte hinzu: "Wir lehnen ihre Grundprinzipien ab, die EU muss sie verteidigen." Zugleich hoffe er aber, "dass sich die EU auch in diesem Fall, wie so oft, als kreative Kompromissfabrik erweist". Kershaw ist einer der bedeutendsten Hitler-Biografen.

Aktuell widmet sich der emeritierte Professor von der University of Sheffield der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts; der erste von zwei Bänden liegt bereits vor. Kershaw sieht als Ursache des Brexits "die Sorge vieler Briten über die wachsende Zuwanderung. Und die Wut vieler Verlierer, die die Globalisierung hinterlassen hat."

Verweise auf die eigentlich gute Wirtschaftslage helfen nach Auffassung des Historikers nicht weiter: "Es bringt nichts, das objektiv zu betrachten. Die subjektive Wahrnehmung ist anders. Die Leute schauen sich um und sehen Verfall, ausgestorbene Regionen, gerade in den alten Industrierevieren in Nordwesten Englands oder Teilen von Wales.

Der Grund für die Zustände ist eine verfehlte Politik vieler Regierungen in London, aber die Leute suchen Sündenböcke und finden sie in der EU." Da spiele es keine Rolle, dass die 180.000 bis 200.000 Menschen, die jedes Jahr aus Europa nach Großbritannien kommen, dem Land nützen. "Alles läuft jetzt unter dem Schlagwort, dass man die Kontrolle zurückhaben will." Für die EU erwartet Kershaw eine Vertiefung der Integration.

"Europa müsste in der Tat Wege finden, die allmählich in eine politische Union münden", sagte er. "Man könnte mit der Euro-Zone anfangen. Die Euro-Zone ist der schwächste Punkt der EU, die kann immer noch auseinanderbrechen.

Wenn Italien heute in schwere Turbulenzen gerät, glaube ich nicht, dass die Europäische Zentralbank das Land retten kann." Aus heutiger Sicht sei der Euro verfrüht eingeführt worden. "Er kam zu früh, ja. Europa hätte zuvor stärker zusammenwachsen müssen", sagte Kershaw. "Eine Währungsunion einzugehen, ohne eine politische Union zu haben, das war wohl ein Fehler."

Von der Politik verlangt der Historiker mehr Risikobereitschaft. Das sei "besser, als sich immer nur von einer Krise zur anderen zu hangeln. Was würde jetzt ein Willy Brandt tun oder ein Jean Monnet? Solche Männer fehlen uns jetzt". Europa müsse neue Wege gehen, "vielleicht auch in zwei Geschwindigkeiten. Dann könnten die Länder, die vorangehen, andere Staaten mitziehen".

Quelle: dts Nachrichtenagentur

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