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Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn: "Man muss auch mal den einen oder anderen EU-Gipfel platzen lassen"

Archivmeldung vom 16.12.2010

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 16.12.2010 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Der Résidence Palace in Brüssel, derzeit im Umbau befindlich, soll ab 2012 Tagungsort des Europäischen Rates werden. Bild: JLogan / de.wikipedia.org
Der Résidence Palace in Brüssel, derzeit im Umbau befindlich, soll ab 2012 Tagungsort des Europäischen Rates werden. Bild: JLogan / de.wikipedia.org

Der Präsident des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, warnt vor den finanzpolitischen Folgen der Rettungspakete für den Euro-Raum. "Wir haben politisch verankerte Schuldenschranken und solche, die der Markt setzt. Die politischen wirken kaum, die Disziplinierung durch die Märkte schon. Wenn wir mit den Rettungssystemen diese Marktdisziplin außer Kraft setzen, na dann: Gute Nacht!", so Sinn in einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin 'Capital'.

Ifo-Chef Sinn rät der Bundesregierung zu einem harten Euro-Kurs. "Es geht jetzt wirklich ans Eingemachte." Gegebenenfalls müsse "man auch mal den einen oder anderen EU-Gipfel platzen lassen".

Sollten sich die Regierungen mittels gemeinsamer Euro-Anleihen auf eine europäische Trans¬fer-Union einigen, würde dies laut Sinn zu "unermesslichen Lasten" führen und eine neue Schuldenlawine auslösen. "Wir müssen dann den Lebensstandard mancher Länder rückwirkend für viele Jahre finanzieren. Das zieht uns in einer Art und Weise hinab, dass uns Hören und Sehen vergehen wird", warnt der Finanzwissenschaftler. "Eine Vergemeinschaftung der Schulden würde uns nicht nur unseres Vermögens berauben, sondern außerdem wieder in die Flaute zurückwerfen, in die uns der Euro ohnehin gebracht hat", so Sinn weiter.

Kritik übte der Ifo-Chef im 'Capital'-Interview an der Entscheidung, den Luxemburger Schutzschirm auch über das ursprünglich anvisierte Frist-Ende im Jahre 2013 hinaus weiterlaufen zu lassen. Problematisch sei laut Sinn, dass man unter dem Deckmantel angeblicher Liquiditätshilfe langfristige Finanzierungen gebe. Dies sei ein semantischer Trick, um das Geld ohne Beteiligung der Banken fließen zu lassen, bis Deutschland zum Schluss auch keines mehr habe. "Wenn wir dann auch pleite sind, wird man die Insolvenz der hilfsbedürftigen Staaten ausrufen. Nein danke: Solch ein Insolvenz-System braucht Europa nicht", sagte Sinn.

Darüber hinaus hält Sinn es für einen Fehler, die neuen Anleihen mit so genannten Collective Action Clauses erst 2013 einzuführen. Bei diesen CAC-Bonds können Gläubiger zum Forderungsverzicht gezwungen werden. "Die Bankenbeteiligung soll offenbar auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben werden. Und vorher wird mit unserem Geld fröhlich gerettet, solange es noch reicht." Es sei ihm unverständlich, warum sich die Bundesregierung hier auf eine Verschiebung eingelassen hat, sagte Sinn dem Wirtschaftsmagazin 'Capital'. 

Quelle: 'Capital'

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