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EFA-Präsident Fischler: "Illiberale Demokratie ist ein Widerspruch in sich"

Archivmeldung vom 24.04.2019

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 24.04.2019 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch André Ott
„Einigkeit und Recht und Freiheit“: Briefmarke von 1957
„Einigkeit und Recht und Freiheit“: Briefmarke von 1957

Lizenz: Public domain
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Fischler: "Es genügt nicht, zu beschreiben, wie eine freie Gesellschaft aussehen könnte. Unsere Ambition ist, gemeinsam darüber nachzudenken, welche Voraussetzungen für eine freie Gesellschaft nötig sind und wie wir sie schaffen."

Diesen Anspruch formulierte Franz Fischler, Präsident des Europäischen Forums Alpbach (EFA), am Mittwoch in Wien anlässlich der Programmpräsentation des Forums 2019, das von 14. bis 30. August stattfinden wird. Dessen Generalthema lautet dieses Jahr "Freiheit und Sicherheit".

Demokratie sei der beste gesellschaftliche Garant für Freiheit, so Fischler, der anmerkte, dass der Begriff "illiberale Demokratie" ein Widerspruch in sich sei. Denn diese schränke die Freiheitsrechte der Bürger ein. In diesem Zusammenhang bat der frühere EU-Kommissar alle Wahlberechtigen, an den Wahlen zum Europaparlament teilzunehmen. Generell sieht Fischler derzeit eine Neigung, Freiheiten für mehr Sicherheit aufzugeben. Daher müsse man darüber reden, wie die Politik Angst nehmen könne. "Null Risiko" sei ein Zustand, den es in der Natur nicht gibt, und genauso wenig gibt es eine völlig risikofreie Gesellschaft.

Der Präsident des EFA forderte aber auch ein, Freiheit für die Zukunft zu schaffen - nichts anderes sei nämlich Nachhaltigkeit. Dafür sei noch viel mehr Innovation nötig, technologisch wie gesellschaftlich. Und trotz des aktuellen Drangs in Richtung Sicherheit findet Fischler, dass diese in mancher Hinsicht auf der Strecke bleibt - wenn etwa in puncto Klimaschutz zu wenig geschieht und damit die Sicherheit künftiger Generationen gefährdet wird.

Alpbach wird immer internationaler

EFA-Generalsekretär Philippe Narval legte den Fokus auf die Aufgabe des Forums, jungen Menschen das zu geben, was sie künftig als Träger von Verantwortung brauchen. "Wir wollen unseren etwa 700 Stipendiaten aus 90 Nationen Kompetenzen mitgeben, um mündig und handlungsfähig zu sein." Deshalb enthalte die Seminarwoche vormittags Einheiten, in denen Spitzenwissenschaftler mit den Studierenden Themen wie Biotechnologie und Quantenphysik behandeln. Nachmittags werden handlungsorientierte Seminare angeboten, etwa vom Leiter des Schönberg-Chors, der Militärakademie oder der Royal Society of Dramatic Arts.

Ein wichtiger Schwerpunkt des Forums 2019, so Narval, liege auf dem Thema Digitalisierung. In einer Reihe von Veranstaltungen gehe es darum, wie diese, Ängste nehmend, gestaltet werden könne. Dabei dürften ethische Fragen nicht außer Acht gelassen werden. Philippe Narval verwies auch auf ein Seminar mit dem US-Campaigner Zack Exley, der zeigen wird, wie die Demokratie im Netz gestärkt werden kann.

Kunst und Kultur: Begegnungstag mit Ruth Beckermann

Einen integralen Bestandteil des Forums bilden Kunst und Kultur. Beim offiziellen Eröffnungsakt am 18. August werden eine überlebensgroße Installation des Bildhauers Lois Anvidalfarei und eine Auftragskomposition von Chistof Dienz gemeinsam ihre Wirkung entfalten. Die ungarische Philosophin Ágnes Heller, Holocaust-Überlebende, unter dem Kommunismus Exilantin und Nachfolgerin auf dem Lehrstuhl Hannah Arendts, wird eine Ansprache halten. Die im Vorjahr etablierten "Begegnungen" gestaltet dieses Jahr die Filmemacherin Ruth Beckermann ("Waldheims Walzer"): Sie bittet u.a. den Komponisten Georg Friedrich Haas und den Autor Max Czollek nach Alpbach.

In den 17 Tagen des Europäischen Forums Alpbach werden insgesamt etwa 5.200 Teilnehmer aus über 100 Staaten erwartet. Im Vorjahr teilten 787 Vortragende ihr Wissen, der Frauenanteil unter ihnen betrug 36 Prozent. Auch 2019 wird Bundespräsident Alexander Van der Bellen am Forum teilnehmen und Bundeskanzler Sebastian Kurz eröffnet die Wirtschaftsgespräche. Darüber hinaus hat EU-Kommissar Günther Oettinger sein Kommen angekündigt sowie zahlreiche österreichische Minister.

Quelle: Europäisches Forum Alpbach (ots)

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