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EKD bittet Nachfahren des Völkermords im früheren Deutsch-Südwestafrika um Vergebung

Archivmeldung vom 24.04.2017

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 24.04.2017 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Überlebende Herero nach der Flucht durch die Wüste, ca. 1907
Überlebende Herero nach der Flucht durch die Wüste, ca. 1907

Lizenz: Public domain
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Mit einem Schuldbekenntnis und der Bitte um Vergebung hat sich die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) an die Nachfahren der Opfer des - aus Sicht der meisten Historikerinnen und Historiker - ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts gewendet. "Als Nachfolgeinstitution des einstigen Evangelischen Preußischen Oberkirchenrats, der seinerzeit im Auftrag aller deutschen evangelischen Landeskirchen handelte, bekennen wir uns als Evangelische Kirche in Deutschland heute ausdrücklich gegenüber dem gesamten namibischen Volk und vor Gott zu dieser Schuld", heißt es in einer heute unter dem Bibelwort "Vergib uns unsere Schuld (Matthäus 6,12)" veröffentlichten EKD-Erklärung. "Wir bitten die Nachfahren der Opfer und alle, deren Vorfahren unter der Ausübung der deutschen Kolonialherrschaft gelitten haben, wegen des verübten Unrechts und zugefügten Leids aus tiefstem Herzen um Vergebung."

In dem vom Rat der EKD verabschiedeten Dokument stellt sich die evangelische Kirche ausdrücklich ihrer historischen Mitverantwortung für die zwischen 1884 und 1915 im heutigen Namibia begangenen Gräueltaten. Zwar hätten, soweit dies aus Quellen ersichtlich sei, die nach Südwestafrika entsandten deutschen evangelischen Pfarrer nicht selbst direkt zu den Massentötungen aufgerufen, durch die theologische Rechtfertigung von imperialem Machtanspruch und kolonialer Herrschaft sowie durch einen tief sitzenden Rassismus hätten sie aber den Boden bereitet für den Tod vieler Tausender Angehöriger der namibischen Volksgruppen in den Kriegshandlungen und Konzentrationslagern. "Dies ist eine große Schuld und durch nichts zu rechtfertigen."

"Wir sind uns der Lasten bewusst, die die Nachkommen von Opfern und Tätern bis heute mit sich tragen", erläutert die EKD-Auslandsbischöfin Petra Bosse-Huber. Auch die jetzige Erklärung könne das damalige Unrecht keinesfalls ungeschehen machen. Sie sei jedoch Ausdruck der bleibenden historischen und ethischen Verpflichtung der EKD, gemeinsam mit den Nachfahren der Opfer das Gedenken an die Opfer wachzuhalten, für die Anerkennung des Genozids einzutreten und an der Überwindung des damaligen Unrechts zu arbeiten. "Wir müssen uns an die Zeit des Kolonialismus erinnern, aber wir brauchen dazu den Geist der Versöhnung." Die könne aber nur gelingen, wenn alle Bevölkerungsgruppen sich gegenseitig die Hand reichen, so Petra Bosse-Huber.

Mit ihrer heute veröffentlichen Erklärung begrüßt die EKD ausdrücklich den von der namibischen und deutschen Regierung begonnenen Weg der Verhandlungen und bittet darum, diesen fortzusetzen.

Der EKD-Erklärung vorangegangen war ein zweiteiliger Studienprozess (2007 - 2015) zur wissenschaftlichen Aufarbeitung der Rolle der Kirche und Missionswerke während der Kolonial- und Apartheidzeit. Am ersten Prozess in den Jahren 2007 bis 2011 waren insgesamt 13 Kirchen und Missionswerke in Deutschland und Namibia beteiligt. Die Ergebnisse wurden 2011 in einer Dokumentation mit dem Titel "Deutsche Evangelische Kirche im kolonialen südlichen Afrika" im Harrassowitz Verlag Wiesbaden veröffentlicht.

Quelle: EKD Evangelische Kirche in Deutschland (ots)

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