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Flüchtlingskrise: Ifo-Chef fordert radikales Umdenken in der EU

Archivmeldung vom 02.12.2015

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 02.12.2015 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Hans-Werner Sinn
Hans-Werner Sinn

Foto: Flominator
Lizenz: GFDL
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, hat angesichts der mangelnden Geschlossenheit in der EU bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise ein radikales Umdenken für die weitere europäische Integration gefordert. "Die fehlende Solidarität Europas bei den außenpolitischen Themen zeigt nur, dass der Risikoschutz, den viele beim Geld beanspruchen, als Einbahnstraße und nicht etwa als Versicherung auf Gegenseitigkeit gedacht ist. Europa wurde in den letzten 25 Jahren offenkundig in die falsche Richtung entwickelt", sagte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn dem "Handelsblatt".

"Man hätte nach dem guten Start der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft zunächst mit einem Verteidigungsbündnis und einer echten politischen Union statt mit einer Währungsunion weiter machen müssen", sagte Sinn. Daher müsse nun das Versäumte nachgeholt werden. "Die weitere finanzielle Integration des Kontinents ist auf Eis zu legen und die politische Union sollte man schleunigst nachzuholen versuchen."

Oliver Holtemöller vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) äußerte Zweifel, ob gegenwärtig ein europäisches Umdenken möglich ist. Zwar konstatiert auch er, dass wie bei der europäischen Schulden- und Vertrauenskrise auch bei der Flüchtlingskrise "nationale Partikularinteressen sachgerechte Lösungen verhindern". Dieses Problem lasse sich aber nur sehr langfristig beheben, sagte Holtemöller dem "Handelsblatt". "Die Stärkung der europäischen Identität in der Bevölkerung wäre ein Schritt in die richtige Richtung", sagte fügte der Ökonom hinzu. "Im Moment scheint es aber niemanden zu geben, der eine langfristige Vision für Europa umsetzen könnte."

Energischer Widerspruch zu der Forderung von Sinn kommt vom Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher: "Ich halte die Forderungen nach einer politischen Union Europas für verfehlt. Eine politische Union ist weder wünschenswert noch notwendig", sagte Fratzscher dem "Handelsblatt". "Europa sollte nun erst einmal die angefangenen Reformen der Bankenunion und der Kapitalmarktunion Europas erfolgreich vollenden." Die "dringendste Reform" sehe er bei der Fiskalunion mit bindenden, gemeinsamen Regeln, die die öffentlichen Haushalte der nationalen Regierungen wieder nachhaltig machten, so Fratzscher.

Quelle: dts Nachrichtenagentur

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