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Historiker Heinrich August Winkler rechnet mit schrecklichem Ende in Afghanistan

Archivmeldung vom 14.08.2021

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 14.08.2021 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Sanjo Babić
Illegale Kriege (Symbolbild)
Illegale Kriege (Symbolbild)

Bild: Eigenes Werk /SB

Der Historiker Heinrich August Winkler blickt mit großer Sorge auf die Entwicklung in Afghanistan. Winkler sagte der "Heilbronner Stimme": "Wir müssen mit einem schrecklichen Ende rechnen, das ältere Beobachter an das Jahr 1975 zurückdenken lassen wird."

Winkler weiter: Ich kann mich lebhaft erinnern an die Bilder von den Hubschrauber-Flügen der Amerikaner, mit denen sie dann noch einige ihrer südvietnamesischen Verbündeten aus dem belagerten Saigon zu retten versuchten. Man muss kein Pessimist sein, um zu befürchten, dass sich solche Szenen im Kabul von 2021 wiederholen könnten." Die Rückkehr der Taliban an die Macht sei jetzt wahrscheinlich nur noch eine Frage der Zeit.

Winkler fügte hinzu: "Der islamistische Terrorismus ist seit 9/11 eine Bedrohung, mit der die Welt leben muss. Der transatlantische Westen wird zudem herausgefordert durch den Aufstieg der Volksrepublik China zur Weltmacht und die autoritäre Stabilisierung Russlands unter Putin. Weitere Machtzentren sind hinzugekommen. Die Macht des Westens hat, verglichen mit der Zeit um die Jahrtausendwende, erheblich abgenommen."

Der Historiker urteilt: "In Afghanistan haben die USA Nation-building nie ernsthaft versucht. Das haben sie den Europäern und vor allem den Deutschen überlassen, die damit überfordert waren und sich sicherlich auch manche Illusion mit Blick auf die Umformbarkeit einer zutiefst traditionell geprägten Gesellschaft gemacht haben. Beim Irakkrieg haben sich die USA unter George W. Bush, Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und den anderen neokonservativen Akteuren dem Wunschdenken hingegeben, sie könnten die Demokratie mit militärischen Mitteln, gewissermaßen im Tornister der GIs, dort einführen."

Heinrich August Winkler (82) gilt als einer der wichtigsten deutschen Zeithistoriker. Im Bundestag hielt er die Hauptrede zum 70. Jahrestag des Kriegsendes. Die Leipziger Buchmesse ehrte Winkler 2016 mit dem Preis zur Europäischen Verständigung. Die Auszeichnung galt seinem vierbändigen Opus magnum "Geschichte des Westens", das er 2015 mit dem Band "Die Zeit der Gegenwart" abschloss. Längst ein Standardwerk ist Winklers Studie "Der lange Weg nach Westen" (2000). Ende August erscheint im Beck-Verlag: "Deutungskämpfe. Der Streit um die deutsche Geschichte." Winkler lehrte von 1972 bis 1991 als Professor in Freiburg, danach an der Humboldt-Universität in Berlin.

Quelle: Heilbronner Stimme (ots)


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