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Unternehmensinsolvenzen: Immer mehr junge Firmen gehen pleite

Archivmeldung vom 01.07.2022

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 01.07.2022 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Sanjo Babić
Symbolbild Bild: Pixabay / WB / Eigenes Werk
Symbolbild Bild: Pixabay / WB / Eigenes Werk

In einem Land, wo nur einer von zehn Schulabgängern als Ziel angibt, selbständig zu sein, und eine lebenslange Vollalimentierung im öffentlichen Dienst mehr denn je das Erstrebenswerteste für den Berufsnachwuchs zu sein scheint, verwundert es nicht weiter, dass die Perspektiven für die, die dennoch den Sprung in die unternehmerische Selbstverwirklichung wagen – junge Gründer und Unternehmer – eher bescheiden sind. Dies berichtet das Magazin "Wochenblick.at".

Weiter berichtet das Magazin: "So fällt denn auch ein hoher Anteil von Insolvenzen bei den jungen Firmen Deutschlands ins Auge, die höchstens vier Jahre alt waren – und daran ist nicht nur die Corona-Krise schuld.

Mit 24,4 Prozent lag der Anteil dieser Unternehmenspleiten in dieser statistischen „Startup“-Gruppe auf dem höchsten Stand seit 2017; im Vorjahr waren es noch 17,6 Prozent gewesen. Auch bei ebenfalls relativ jungen Firmen, die fünf bis zehn Jahre alt waren, stieg die Zahl von 29,5 auf 33,1 Prozent. Neu sei laut Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Wirtschaftsforschung bei der Creditreform, dass die Zahl der insolventen Unternehmen, die mehr als zehn Jahre alt seien, gegenüber dem Vorjahr hingegen um über 10 Prozent auf 42,5 Prozent gesunken sei. Dies sei darauf zurückzuführen, dass sich viele Start-up-Investoren zurückgezogen hätten – und die jüngeren Firmen, die noch von der Starthilfe ihrer Geldgeber profitiert hatten, mangels eigener Überlebensfähigkeit zum Scheitern verurteilt waren. Die älteren Firmen hingegen haben sich bereits am Markt etabliert und eine eigene Tragfähigkeit entwickelt.

Ende der Geldschwemme

Gründer hätten „über Jahre hinweg perfekte Bedingungen durch eine regelrechte Geldschwemme“ gehabt, selbst in Deutschland; dies habe sich nun jedoch verändert. Neue Finanzierungsrunden seien „deutlich schwieriger zu bekommen“, so Hantzsch gegenüber der „Welt”, weil Investoren zunehmend andere Anlagemöglichkeiten nutzen und auch konservativer agieren würden. „Wir sehen eine Kapitalflucht aus risikobehafteten Unternehmen. Dadurch aber wird die Liquiditätsgrundlage dünner bei vielen Start-ups“, so Hantzsch weiter. Auch Julian Riedlbauer, vom Tech-Investors und -Beraters GP Bullhound, prophezeit laut „Welt”, dass nicht alle Start-ups eine Anschlussfinanzierung erhalten würden. Das sei das Prinzip des Risikokapitals und wirke für die verbleibenden Unternehmen oft stärkend. Man müsse „in Deutschland auch Scheitern zulassen.“

Ein weiterer Grund für die massiven Probleme von Jungunternehmen liegt für Hantzsch darin, dass sie „kein Standing in der Lieferkette“ hätten und somit noch schwerer an Rohstoffe und Logistik-Dienstleistungen kämen. Außerdem könnte sie am Markt keine höheren Preise durchsetzen und daher die aktuellen Lieferprobleme und Preissteigerungen „schlecht abfedern.“ Damit aber entstehe schnell ein Engpass bis hin zur Zahlungsunfähigkeit. Und Milo Bogaerts von Allianz Trade rechnet als Resultat von gestörten Lieferketten, Lieferengpässen und gestiegenen Arbeitskosten und Preisen (insbesondere bei Energie und Rohstoffen) in den nächsten zwei Jahren mit steigenden und größeren Insolvenzen. „Wenn es kracht, dann richtig“, prophezeit er.

Ruhe vor dem Sturm

Insgesamt ist zwar die die Zahl der Unternehmens-Insolvenzen – gerade angesichts der katastrophalen Corona-Beschränkungen 2020 und 2021, bislang (noch) erstaunlich niedrig, was allerdings auch eine Folge beispielloser interventonistischer Staatshilfen war – für die uns die Rechnung erst mit Verzögerung präsentiert werden wird in Form von Wirtschaftskrise und Hyperinflation. Doch einstweilen herrscht hier noch Ruhe vor dem Sturm: Wie die Creditreform analysiert hat, gingen im ersten Halbjahr 2022 mit rund 7.300 Firmen rund drei Prozent weniger Betriebe pleite als zur gleichen Zeit im Vorjahr – und sogar 25 Prozent weniger als 2019, dem letzten Jahr vor Corona. Vor allem bei Handel und Dienstleistungen gingen die Zahlen zurück. Allerdings hätten sich bisher auch die hohen Energiekosten, Materialpreissteigerungen und Lieferkettenprobleme noch nicht voll ausgewirkt. Allerdings warnt Hantzsch, das schwächere Wirtschaftswachstum im Zuge des Krieges und die sich abzeichnende Zinswende in Europa würden nicht ohne Folgen bleiben. Dass erheblich weniger Hilfsgelder aus der Politik kämen, werde sich bald in der Zahl der Insolvenzen niederschlagen.

Doch auch so stiegen die Insolvenzen in diesem Jahr in der Baubranche um 19,4 und im verarbeitenden Gewerbe um 14,9 Prozent. Dazu erklärt Steffen Müller vom Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH): „Das Insolvenzgeschehen wird seit mehreren Monaten deutlich stärker von der Industrie geprägt.“ Dazu gehört auch, dass sich die Pleiten bei Großunternehmen mit einem Umsatz von über 50 Millionen Euro verdoppelt haben – darunter etwa die Modekette Orsay oder der MV-Werften. Meist sind jedoch Einzelunternehmen und GmbHs von Insolvenzen betroffen. Auch am Arbeitsmarkt hinterlässt dies Spuren: In diesem Jahr sind bisher 68.000 Beschäftigte die Leidtragenden, der wirtschaftliche Schaden für die Gläubiger beläuft sich auf 19 Milliarden Euro."

Quelle: Wochenblick

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