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Russlands Armee wappnet sich gegen bunte Revolutionen

Archivmeldung vom 03.09.2015

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 03.09.2015 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Soldaten ohne Hoheitszeichen am Flughafen Simferopol am 28. Februar 2014
Soldaten ohne Hoheitszeichen am Flughafen Simferopol am 28. Februar 2014

Lizenz: Public domain
Die Originaldatei ist hier zu finden.

In Russland betrachtet man die so genannten „bunten Revolutionen“ der letzten Jahre als „eine Form des bewaffneten Kampfes, der nach den Regeln der Militärkunst geführt wird“, schreibt die "Nesawissimaja Gaseta" am Donnerstag.

Die deutsche Ausgabe des russischen online Magazins "Sputnik" berichtet weiter: "Deshalb werde das System zur Ausbildung von Militärexperten und zum Aufbau der Streitkräfte entsprechend korrigiert, sagte der russische Generalstabschef Valeri Gerassimow gestern.

Auf dem Truppenübungsplatz Rajewski (Region Krasnodar) findet heute erstmals ein Manöver der Luftlandetruppen aus Russland, Weißrussland und Serbien statt, bei dem die Vorbeugung von Massenunruhen geübt wird. Wie der Leiter des Manövers „Slawische Brüderschaft 2015“, der Befehlshaber der russischen Luftlandetruppen, Wladimir Schamanow, sagte, geht es dabei um von „illegal bewaffneten Formationen und regierungsfeindlichen Elementen” organisierte Massenunruhen, die niedergeschlagen werden müssen.

Eigentlich ist das eine Aufgabe für die Ordnungskräfte des jeweiligen Land. Aber diese zeigten in den vergangenen Jahren oft ihre Unfähigkeit auf diesem Gebiet. In einigen postsowjestischen Ländern wie Kirgisien, Georgien und die Ukraine war es zu gewaltsamen Massenprotesten gekommen. Die Streitkräfte hätten dabei eine stabilisierende Rolle spielen können, taten das jedoch nicht.

General Schamanow zufolge werden sich an dem Manöver „mehr als 700 Soldaten, 20 Flugzeuge und Hubschrauber der russischen Luft- und Weltraumtruppen und 100 Einheiten Militärtechnik, darunter aus Weißrussland, beteiligen.“

„Bei Straßenunruhen handelt es sich um Aktionen des zivilen Ungehorsams“, sagte Eduard Rodjukow von der russischen Akademie für Militärwissenschaften. „Die Menschen sind mit irgendetwas unzufrieden, und das ist ein durchaus natürlicher Prozess in einem demokratischen Staat. Deshalb könnte ein unbedachter Einsatz der Streitkräfte gegen die unzufriedene Bevölkerung schlimme politische Folgen haben, was wir im August 1991 und (…) im Jahr 1993 in Russland auch sahen.

Aber in der neuesten Geschichte der ehemaligen Sowjetunion gab es auch andere Fakten. Häufig profitierten Extremisten und diverse radikale politische Kräfte davon, was zu einem illegitimen Machtwechsel führte. Das letzte Beispiel waren die Ereignisse auf dem „Maidan“ in Kiew Ende 2013 und Anfang 2014. Damals wagte Präsident Viktor Janukowitsch es nicht, die Armee einzusetzen, um die Lage zu normalisieren, und wurde später gestürzt. Damit so etwas nicht passiert, müssen die Streitkräfte in der Lage sein, für Ordnung zu sorgen“, so der Militärexperte. Nach seinen Worten ist es für Russland äußerst wichtig, „gute Verbündete zu haben, die in schweren Zeiten zu Hilfe kommen könnten.“

Auch Militärexperte Juri Nektatschew findet, dass es in der Welt gewisse Strukturen gebe, die die Bevölkerung manipulieren und diese zu Aufständen gegen die Machthaber provozieren können. „Barrikaden auf Straßen, ständige Protestaktionen und extremistische Aufrufe, Pogrome, Kampf gegen die Polizei, Massenmorde usw. – dabei geht es nicht mehr um eine Revolution im klassischen Sinne, sondern um Elemente eines Hybridkriegs. Deshalb muss es besondere Truppenteile geben, die diese Elemente neutralisieren können. Es ist also durchaus logisch, dass der Generalstab die so genannten ‚bunten Revolutionen‘ als eine Form des bewaffneten Kampfes betrachtet und sich auf den praktischen Truppeneinsatz in diesem Krieg gefasst macht.“

Quelle: Sputnik (Deutschland)

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