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Bundeswehr hat Probleme mit Gewehren und Pistolen in Afghanistan

Archivmeldung vom 14.09.2013

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 14.09.2013 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Deutsche Soldaten mit G36.
Deutsche Soldaten mit G36.

Lizenz: Public domain
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Die Bundeswehr hat mit ihren Gewehren und Pistolen, die in Afghanistan im Einsatz sind, offenbar gravierende Probleme. Ein vertraulicher Abschlussbericht der zuständigen Wehrtechnischen Dienststelle belegt, dass das Standardgewehr G36 bei Erwärmung durch Sonneneinstrahlung und Dauerfeuer an Präzision verliert, schreibt der "Spiegel" in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe. Von einem "erheblichen Mangel" spricht auch ein anderes internes Dokument, das dem "Spiegel" vorliegt.

Nach der Abgabe von 90 Schuss aus 100 Meter Entfernung habe die Waffe einen Streukreis von 50 bis 60 Zentimetern aufgewiesen. "Hier ist die Frage zu stellen, inwieweit ein Soldat in einem Feuergefecht mit heißgeschossener Waffe überhaupt noch treffen kann."

Als Grund hat der Abschlussbericht die aus Kunststoff hergestellten Teile der Waffe identifiziert, die bereits bei 23 Grad Celsius an Steifigkeit verliere. Liege die Waffe in der Sonne oder werde sie von einer Seite erwärmt, verlagere sich dadurch der Treffpunkt des Gewehrs. Die "Erst-Treffer-Wahrscheinlichkeit" sinke, der Munitionsbedarf steige, der Soldat verliere "das Vertrauen in seine Schießfähigkeit", so der Abschlussbericht der Waffenprüfer aus dem Juli vergangenen Jahres.

Der Hersteller Heckler & Koch erklärte dem "Spiegel", es handle sich bei den beobachteten Phänomenen um "auch für den Laien nachvollziehbare" normale physikalische Vorgänge. Probleme gibt es auch bei der Pistole P8. Bei der von der Bundeswehr verwendeten Munition vom Typ DM51 soll ein gefährlich hoher Gasdruck entstehen. Pistolen seien am Verschluss oder Rohr gerissen, bei manchen würden durch den Druck Metallteile herausgeschleudert. Das Ministerium räumte gegenüber dem "Spiegel" 48 Vorkommnisse seit dem Jahre 2012 ein, darunter 12 durch "Bruch oder Riss", hält dies aber für ungefährliche "Verschleißphänomene".

In internen Dokumenten ist hingegen von einer "Verletzungsgefahr" bei Verwendung der Munition die Rede. Noch heute schießen Bundeswehrsoldaten mit der vermutlich gefährlichen Munition in der P8. Deren Hersteller Heckler & Koch führt die Probleme laut "Spiegel" auf den Einsatz nicht freigegebener Munition mit "überhöhtem Gasdruck" zurück, zählt aber auch jene DM51 dazu.

Einen Großteil der Dokumente hat ein in den Ruhestand versetzter Beamter des Wehrbeschaffungsamts in Koblenz an Bundestagsabgeordnete verschickt. Mehrmals hatte er sich zuvor an Verteidigungsminister Thomas de Maizière gewandt. Das Ministerium erklärte dem "Spiegel" dazu, man habe die Vorwürfe geprüft und für unbegründet befunden. Es habe daher keine Veranlassung bestanden, "den Minister erneut mit dem Vorgang zu befassen".

Quelle: dts Nachrichtenagentur

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