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Ökonom: Immobilienblase macht Wirtschaft des Königreich Australien verletzlich

Archivmeldung vom 17.06.2017

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 17.06.2017 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Andre Ott
Wappen des Königreiches Australien
Wappen des Königreiches Australien

Von Sodacan - Eigenes Werk; Based on the painting at the National Archives of Australia -- item barcode 98430, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32871765

Der renommierte australischen Ökonom Chris Richardson hat vor den gefährlichen Nebenwirkungen des langanhaltenden Booms in seinem Land gewarnt: Vor allem in den Städten des Kontinents habe sich eine gewaltige Immobilienblase entwickelt. "Wir sehen bereits jetzt, wo es die größten Problem geben wird", sagte Richardson der "Welt am Sonntag".

Die Hauspreise in Australien hätten sich in den vergangenen Jahren "geradezu verrückt" entwickelt, vor allem in Sydney. "Wir gehen davon aus, dass das durchschnittliche Haus in Australien zu mehr als einem Fünftel überbewertet ist." Der Leiter der Makro-Abteilung von Deloitte Access Economics erwartet, dass ein Platzen der Immobilienblase die Wirtschaft des Landes hart treffen wird. "Die Immobilienblase macht die australische Wirtschaft extrem verletzlich", sagte Richardson der Zeitung.

"Das muss nicht ganz böse ausgehen, aber ungemütlich wird es auf jeden Fall. Im Moment haben wir noch Glück, dass es in China wieder etwas besser läuft, das hilft uns erst einmal." Tatsächlich sei die australische Wirtschaft aber zu einseitig auf das Rohstoffgeschäft mit China ausgerichtet. "Unsere Wirtschaft hängt sehr stark vom Rohstoff-Export ab und es ist wirklich fraglich, ob wir dem Rohstoff-Fluch auf Dauer werden entrinnen können", warnte Richardson.

"Ein Drittel unserer Exporte geht nach China. Der Aufstieg Chinas ist Australiens Erfolgsrezept, macht uns aber auch sehr verletzlich. Wir setzen bei unserer wirtschaftlichen Entwicklung alles auf eine Karte und die trägt den Namen China." Auch die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, aus dem Pariser Klimavertrag auszusteigen, werde den Kohleproduzenten des Landes vermutlich langfristig nicht helfen, prophezeit Richardson.

"Die Entscheidung von Trump, aus dem Pariser Klimavertrag auszusteigen, würde den australischen Kohleproduzenten langfristig nur dann helfen, wenn seine Entscheidung historische Tragweite hat und den Lauf der Geschichte ändern kann", sagte Richardson. "Aber aller Wahrscheinlichkeit nach wird das nicht der Fall sein." Australien erlebt derzeit einen historisch einmaligen Aufschwung. In dem Land gab es seit mehr als einem Vierteljahrhundert keine Rezession mehr.

Mit 103 Quartalen ohne Rezession haben die Australier vor einigen Tagen sogar den bisherigen Rekordhalter, die Niederlande, überholt. Ein großer Teil dieses Rekords gehe allerdings auf das Konto Chinas, sagte Richardson. "In den Jahren seit der Jahrtausendwende hatten wir ehrlich gesagt einfach Glück. Chinas Aufstieg hat so richtig an Fahrt aufgenommen, die Preise für Kohle und Stahl schossen in den Himmel und das hat hier für einen Boom gesorgt. China ist für die australische Wirtschaft inzwischen alles."

Quelle: dts Nachrichtenagentur