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ILO bemängelt deutschen Umgang mit Missständen in Fleischindustrie

Freigeschaltet am 22.05.2020 um 06:35 durch Andre Ott
Flagge der Internationalen Arbeitsorganisation
Flagge der Internationalen Arbeitsorganisation

Foto: Denelson83
Lizenz: CC-BY-SA-3.0
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Die Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (ILO) wirft Deutschland Verfehlungen im Umgang mit den Missständen in der Fleischindustrie vor. Es zeige sich, "dass in manchen Bereichen nicht genügend hingeschaut und kontrolliert wird und auch über Jahre keine Konsequenzen gezogen wurden", sagte die Direktorin der ILO-Vertretung in Deutschland, Annette Niederfranke, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Die Zustände in den Schlachthofbetrieben seien "schockierend und beschämend für Deutschland". Gesetzliche Veränderungen würden seit Langem diskutiert, "dabei sind die Verhältnisse in dieser Branchen seit Jahren bekannt", so die ILO-Chefin weiter.

Es gebe in der deutschen Fleischindustrie "eine Art Zwei-Klassen-System, denn die hohen Arbeitsschutz- und Gesundheitsstandards, für die sich Deutschland rühmt, gelten offensichtlich nicht für alle". Gesetzgeber, Kommunen und Verbraucher hätten die Probleme lange Zeit ignoriert. "Das ändert sich hoffentlich jetzt", sagte Niederfranke mit Blick auf das jüngste Maßnahmenpaket der Bundesregierung zum Schutz der Beschäftigten in den Schlachthofbetrieben. Die Leiterin der UN-Organisation sprach sich zugleich für eine stärkere internationale Kooperation beim Arbeitsschutz aus.

"Wir brauchen ein europäisches, grenzüberschreitendes System, damit Missstände wie in der Fleischindustrie schneller aufgedeckt und beseitigt werden", sagte Niederfranke den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Notwendig sei "eine deutlich engere Verzahnung der Arbeitsinspektionen in angrenzenden EU-Staaten", die Behörden müssten sich stärker absprechen. Zugleich appellierte die ILO-Chefin an die Konsumenten: Den Verbrauchern müsse klar sein, "dass Billigpreise mit der Ausbeutung von Menschen verbunden sein können".

Quelle: dts Nachrichtenagentur

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