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An die 100 Tibeter wegen Protests gegen Geschäftsbetrug festgenommen

Archivmeldung vom 14.11.2009

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 14.11.2009 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Geprellte Tibeter im Sitzstreik vor dem Firmengebäude
Geprellte Tibeter im Sitzstreik vor dem Firmengebäude

Die Polizei in China hat nahezu 100 Tibeter, die vor einem Unternehmen in Tianjin im Nordosten Chinas protestierten, wie Verbrecher gepackt und in Busse verfrachtet. Man habe sie mit Hilfe des Schneeballprinzips hinters Licht geführt, sagte der Sprecher der Gruppe Tsephel.

„Wir befinden uns jetzt in Tianjin. Ich wurde in einen Bus gesetzt, und wir fahren gleich nach Chengdu ab“, sagte Tsephel weiter. „Alle tibetischen Protestierenden wurden in diverse Fahrzeuge verfrachtet. Um 5 Uhr früh, als wir alle noch schliefen, griffen uns über 3.000 Militärpolizisten an. Sie schlugen uns, legten uns in Handschellen und stießen uns in diverse Fahrzeuge. Über 100 Fahrzeuge standen auf dem Parkplatz der Firma“, berichtete er in einem Telefongespräch.

Tsephel schätzte die Zahl der Protestierenden auf etwa 100 Personen. Die Polizei schlug einige von ihnen und zerrte sie in die bereitstehenden Fahrzeuge. „Viele von uns erlitten Verletzungen, einer verlor sogar das Bewußtsein und stürzte zu Boden“.

Die per Telefon kontaktierte Polizei am Ort war zu keiner Auskunft bereit und legte den Hörer sofort wieder auf. Regierungsvertreter, die nach Tianjin geschickt worden waren, um die Leute von ihrem Protest abzuhalten, konnten nicht vermittelnd eingreifen.

„Sie [die Offiziellen] kamen aus der Autonomen Region Tibet, aus Qinghai und Sichuan“, fügte Tsephel hinzu. „Sie waren beauftragt worden uns zu überreden, unseren Protest einzustellen. Als wir mit ihnen sprachen, brachten sie nur ihre Hilflosigkeit zum Ausdruck“.

„Ich denke, wir werden nun per Bus und Eisenbahn nach Chengdu transportiert. Von dort werden wir den jeweiligen örtlichen Behörden übergeben“, fuhr Tsephel fort. „Wir werden von der Regierung fordern, uns für den Verlust zu entschädigen. Wir können nicht einfach schweigen. Jeder sollte 100.000 Yuan Entschädigung erhalten“.

Die Tibeter, die von einem vermeintlichen Heilmittelhersteller per Schneeballsystem betrogen wurden, hatten in mehreren chinesischen Städten protestiert.

Sie forderten am Sitz der Gesellschaft TIENS in Tinajin die Rückerstattung ihres Geldes. Die tibetischen Investoren sagten, ihnen seien für anfängliche Investitionen lukrative Gewinne versprochen worden, am Ende hätten sie aber gar nichts bekommen.

Diejenigen, die im Auftrag des Unternehmens für weitere Investoren gesorgt hatten, mußten zusehen, wie auch ihre Freunde und Verwandten um ihr Geld gebracht wurden. Die Behörden in Tianjin und die Verantwortlichen der TIENS-Gesellschaft weigerten sich, dazu Stellung zu nehmen.

Tsering Dhargyal, 54, aus dem Bezirk Chamdo in Kham, TAR, sagte, die Tibeter beabsichtigten, vor Gericht zu gehen. Das Unternehmen sei im Juli 2007 an sie herangetreten und hätte sie gedrängt, die Möglichkeit zur Investition zu nutzen. Mehrere Tibeter aus Lhasa, aus Kham und Amdo setzten ihr Geld ein.

„Für einen anfänglichen Geldeinsatz von 2.800 Yuan (US$ 410) pro Person versprach man uns reiche Gewinne. Sie bezeichneten es als ein großes Familiengeschäft, das nicht nur dem tibetischen Volk, sondern der ganzen Nation zugute käme. Wir glaubten ihnen, kratzten unsere Moneten zusammen und stiegen in das Geschäft ein“, sagte Dhargyal.

Laut Tsering Dhargyal habe TIENS den Investoren erklärt, daß sie gar keine Produkte zu vertreiben hätten, sondern statt dessen „mit Hilfe von Menschen“ Geschäfte machten.

„Als ich alleine ankam, sagten sie, es sei nun meine Aufgabe, zwei andere Personen zu bringen. Und diese müßten wieder zwei weitere bringen, und das ginge so fort und fort, bis es Tausende würden“.

Die Investoren sollten auf der Basis der Anzahl der Leute, die sie rekrutierten, entlohnt werden, aber die Tibeter begriffen bald, daß es unmöglich war, die ihnen von TIENS gesetzten Quoten zu erfüllen. Er habe seine gesamten Habe verkauft, um das Geld in die Gesellschaft zu investieren und an den Schulungen teilzunehmen.

„In der Hoffnung, reich zu werden, verkauften wir unser Land und unsere Tiere, um die Kosten für die Fahrt nach China zu decken, aber jetzt ist uns klargeworden, daß wir an der Nase herumgeführt wurden“.

Quelle: Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) / Radio Free Asia

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