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Grüner fordert Distanzierung der Kirche von schwulenfeindlichem Erzbischof aus Nigeria

Archivmeldung vom 30.09.2015

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 30.09.2015 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Volker Beck Bild: Heinrich-Böll-Stiftung, on Flickr CC BY-SA 2.0
Volker Beck Bild: Heinrich-Böll-Stiftung, on Flickr CC BY-SA 2.0

Ein Auftritt des nigerianischen Erzbischofs Ignatius Kaigama bei der Deutschen Bischofskonferenz in Berlin löst scharfen Protest von Parlamentariern und Homosexuellen-Vertretern aus. Wie der "Kölner Stadt-Anzeiger" berichtet, fordert der innen- und religionspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, in einem Brief an den Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, eine öffentliche Distanzierung von Kaigamas "Parolen zur Homosexuellenverfolgung".

Die Bischöfe Nigerias hätten "öffentlich massiv und wiederholt" dazu aufgerufen, Schwule und Lesben in ihrem Land verschärft zu verfolgen, kritisierte der Schwulen- und Lesbenverband LSVD. Dies verstoße nicht nur gegen die Menschenwürde, sondern auch gegen die Lehre der katholischen Kirche, betonte Beck. "Wer schweigt, macht sich mitschuldig an der schrecklichen Homosexuellenverfolgung durch Muslime wie Christen", so Beck.

Marx' Sprecher Matthias Kopp räumte auf Anfrage des "Kölner Stadt-Anzeiger" kulturell bedingte Unterschiede in der Beurteilung der Homosexualität durch die deutsche und nigerianische Kirche ein. Er betonte aber, ein positives Urteil Kaigamas über die Gesetzgebung seines Landes habe sich nicht auf die Strafverfolgung Homosexueller bezogen, sondern auf das Nein zur Anerkennung der Homo-Ehe und anderer gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Dies habe Kaigama "nach Missverständnissen" klargestellt. "Die Kirche in Nigeria spricht sich gegen die Diskriminierung von Homosexuellen aus", so Kopp.

Kaigama soll an diesem Mittwoch im Rahmen eines "Parlamentarischen Kamingesprächs" im Katholischen Büro in Berlin über die Lage in Nigeria berichten. Er setzt sich nach Kopps Worten intensiv für den christlich-islamischen Dialog ein und leiste damit für das friedliche Zusammenleben der Religionen einen "Dienst von eminenter Bedeutung".

Homosexualität ist in Nigeria strafbewehrt. Schwulen Lebenspartnern drohen mehrere Jahre Haft. Die Gesetze wurden im vorigen Jahr noch einmal verschärft. In einer Erklärung vom Juli 2015 prangerten die nigerianischen Bischöfe die "kulturelle Fäulnis homosexueller Subkultur" an, für die der Westen die Tür öffne.

Quelle: Kölner Stadt-Anzeiger (ots)

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