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EZB-Vize kritisiert deutsche Finanzkultur

Archivmeldung vom 30.05.2018

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 30.05.2018 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Andre Ott
Vítor Constâncio (2013), Archivbild
Vítor Constâncio (2013), Archivbild

Foto: January
Lizenz: CC BY 2.0
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Der Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Vítor Constâncio, hat die deutsche Finanzkultur kritisiert. "Die Deutschen könnten die niedrigen Kreditzinsen für sich nutzen. Dafür müssten sie sich etwas mehr verschulden, aber das mögen viele einfach nicht", sagte Constâncio "Spiegel-Online". Es sei verblüffend, dass Deutschland das Land in Europa mit der geringsten Immobilieneigentumsquote sei. Er glaube auch, dass die Lösung der Eurokrisee ohne die Dominanz der deutschen Kultur in Europa einfacher gewesen wäre.

Deutschland sei ein ausgesprochen erfolgreiches Land, dessen Erfolg auf einem festen Regelwerk und dem Respekt vor diesen beruhe. "Dieser strikte Ansatz hat aber in Krisenzeiten auch eine Schwäche, umso mehr, wenn eine rasche und flexible Reaktion notwendig ist", so der Portugiese. Auch an Italien übte er Kritik. Angesichts der schwierigen politischen Lage warnte er die Italiener vor den Folgen einer erneuten Staatsschuldenkrise. "Als 2012 Finanzmärkte das Land attackiert haben, hat das gezeigt: Sie können in ihrer Wahrnehmung sprunghaft sein und die Risikoeinschätzung für einen Schuldner abrupt und schnell ändern, manchmal mit gravierenden Folgen." Jedoch ließ Constâncio offen, ob die EZB im Notfall eingreifen würde, um Italien vor eine Zahlungsunfähigkeit zu retten. Jede Intervention müsse der Erfüllung des Mandats der EZB dienen und auch bestimmten Bedingungen folgen. "Italien kennt die Regeln. Sie sollten diese vielleicht noch einmal genau lesen", so der EZB-Vizepräsident.

Quelle: dts Nachrichtenagentur

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