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NATO-Blindgänger gefährden afghanische Bevölkerung - auch Bundeswehr hat offenbar mangelhaft geräumt

Archivmeldung vom 25.09.2014

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 25.09.2014 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Bild: Bundeswehr/Wilke
Bild: Bundeswehr/Wilke

Nicht explodierte Munition von NATO-Truppen und der Bundeswehr ist zunehmend eine Gefahr für die Zivilbevölkerung in Afghanistan. Nach Recherchen des ARD-Magazins "Panorama" (Sendung: Donnerstag, 25. September, 21.45 Uhr, Das Erste) wurden auch stillgelegte NATO-Trainingsgelände, die unter der Verantwortung der Bundeswehr standen, offenbar nicht tiefgründig geräumt. Da die Areale oft nicht abgesperrt sind, sind explosionsfähige Blindgänger damit frei zugänglich und ein Risiko, insbesondere für spielende Kinder.

Unabhängige Prüfer im Auftrag des US-Militärs entdeckten auf der Schießbahn "Wadi" in der Nähe von Kundus allein durch Sichtkontrolle rund 100 Blindgänger an der Oberfläche. Das Gutachten liegt "Panorama" vor. Darin heißt es auch, dass das frühere Trainingsgelände unter der Verantwortung der Bundeswehr dringend im Untergrund geräumt werden müsse, um Gefahren für die Menschen vor Ort auszuschließen. Schon während die deutschen Soldaten auf der Schießbahn "Wadi" noch trainierten, wurden dem Bericht zufolge zwölf Afghanen durch liegengelassene Blindgänger zum Teil schwer verletzt.

Das Feldlager Kundus wurde bereits im Oktober 2013 geschlossen. Erst durch eine Anfrage von "Panorama" erfuhr die Bundeswehr nun von dem Gutachten und hat eine Kopie angefordert. Man werte dieses noch fachlich aus, eine Stellungnahme sei deshalb noch nicht möglich. Unfälle auf der Schießbahn "Wadi" seien der Bundeswehr bisher nicht bekannt. Während des Einsatzes in Afghanistan habe es nur einen einzigen Unfall auf einem deutschen Trainingsgelände gegeben: In der Nähe des OP North bei Baglan sei ein Junge getötet, ein anderer schwer verletzt worden.

Eine NATO-Richtlinie schreibt vor, in einem dreistufigen Verfahren zunächst die Oberfläche abzusuchen, dann oberflächlich Munition aufzuräumen und danach zu prüfen, ob und welche Teile der Schießbahn auch im Untergrund geräumt werden müssen.

Die Bundeswehr erklärte "Panorama" dazu, dass stillgelegte Schießbahnen grundsätzlich durch Fachpersonal an der Oberfläche geräumt würden - so sei dies auch bei der Schießbahn "Wadi" geschehen. Für eine weitere Räumung - etwa im Untergrund - sei das ISAF Joint Command in Kabul zuständig. Dort weist man dies allerdings zurück und teilt auf Nachfrage mit, dass alle ISAF-Nationen ihre Trainingsgelände entweder selbst vollständig räumen oder eine private Firma mit der Räumung beauftragen müssen. Das ist im Fall der Schießbahn "Wadi" offenbar nicht passiert.

Die Bundeswehr kann wegen der Sicherheitslage nicht nach Kundus zurück, um das Gelände nachträglich selbst zu räumen.

Laut UN sind in den vergangenen Jahren mehr als 30 Menschen durch Blindgänger getötet und mehr als 80 verletzt worden. Vier von fünf Opfern sind Kinder und Jugendliche. Der Großteil der Unfälle geschieht auf früheren Trainingsgeländen des US-Militärs. Die UN drängt die NATO deshalb schon seit Anfang 2013, sich des Problems anzunehmen. Die NATO habe Gefahren durch Blindgänger zu lange ignoriert, betonte Georgette Gagnon, Direktorin der Menschenrechtsabteilung der UN-Mission in Kabul (UNAMA), gegenüber "Panorama".

Quelle: NDR / Das Erste (ots)

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