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Nord Stream 2-Sanktionen: USA wollen Annäherung zwischen Russland und Europa massiv stören

Archivmeldung vom 24.12.2019

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 24.12.2019 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Andre Ott
Nord Stream 2 Pipeline und restliches russisches Gas Netz
Nord Stream 2 Pipeline und restliches russisches Gas Netz

Bild: Eigenes Werk /OTT

Deutschland muss Sanktionen gegen die USA verhängen, sonst wird es seine Selbständigkeit verlieren. Das unterstrich der namhafte deutsche Energieexperte Stephan Kohler im Gespräch mit Sputnik, in dessen Rahmen er die Ursachen der US-Sanktionen gegen Nord Stream 2 analysierte. Diese sollen einen politischen Keil zwischen Russland und der EU treiben. Das schreibt das russische online Magazin "Sputnik".

Weiter ist auf der deutschen Webseite zu lesen: "Stephan Kohler sieht in den US-Sanktionen gegen Nord Stream 2 zwei Gründe. Erstens hätten die USA Interesse daran, ihr Fracking-Gas (LNG) nach Europa zu verkaufen. Die aktuelle Preissituation zeige jedoch, dass LNG aus Russland oder aus Katar preisgünstiger als aus den USA sei. Die Vereinigten Staaten seien demnach also nicht konkurrenzfähig.

„Was ich viel interessanter finde, ist der politische Aspekt. Ich denke, dass die Amerikaner kein Interesse daran haben, dass Europa und Russland sich wieder annähern. Eben genau deshalb werden die Sanktionen erlassen, um den politischen Keil zwischen Europa und Russland weiter hineinzutreiben“, sagte Kohler.

Laut ihm waren die Sanktionen ganz schnell vorangetrieben worden, nachdem die Präsidenten von Russland, Deutschland, Frankreich und der Ukraine im Normandie-Format in Paris Fortschritte gezeigt haben. „Genau in diesem Moment werden die Sanktionen scharf gestellt. Also neben den wirtschaftlichen Interessen besteht hier vor allem das politische Interesse aus den USA – die Annäherung zwischen Russland und der EU wollen die USA massiv stören“, merkte der Ex-Chef der Deutschen Energie-Agentur DENA an.

Er bewertete die Folgen der US-Sanktionen gegen Nord Stream 2 als schwerwiegend, aber nicht tragisch. Die Sanktionen seien vom US-Kongress und dem US-Senat bestätigt worden, es sei nun zu erwarten, dass Präsident Trump sie in Kürze unterzeichnen wird. Das führe dazu, dass die Firmen, die Nord Stream 2 in der Ostsee verlegen, nicht mehr weiter arbeiten können.  Dann werde es zu einem Stillstand in den Arbeiten kommen, und man werde alternative Optionen nutzen müssen, die allerdings kostspieliger und langsamer sein würden. „Das ist eine konkrete Auswirkung auf  Nord Stream 2. Ich denke, Nord Stream 2 wird gebaut, aber es verzögert sich und dauert länger.“

Laut Kohler muss man auch damit rechnen, dass Russland auf die US-Sanktionen reagieren wird, was wiederum zu einer politischen Belastung führen wird, deren Folgen noch nicht abzusehen sind. Die Reaktion der deutschen beziehungsweise europäischen Politiker kommentiert der Experte wie folgt: „Ich finde es erschreckend, dass viele deutsche und europäische Politiker sagen, dass sie es nicht akzeptieren, dass die Amerikaner mit den Sanktionen in die deutsche und europäische Energiepolitik eingreifen. Nord Stream 2 ist ein genehmigtes Projekt – nach allen rechtsstaatlichen Mitteln. Die Politiker verurteilen die US-Handlungen verbal, aber jetzt wäre eine harte Reaktion gegenüber den USA notwendig. Europa kann es sich nicht leisten, dass die USA gegen rechtsstaatliche Prinzipien verstoßen, nur um eben ihre eigenen wirtschaftlichen und politischen Interessen zu verfolgen. Deutschland muss Sanktionen gegen die USA verhängen, denn sonst werden wir unsere Selbständigkeit verlieren“, betonte Stephan Kohler.

Die jüngste Vereinbarung zwischen Russland und der Ukraine unter Vermittlung von Deutschland und der EU über den Gastransit zeugt laut ihm von einer guten Entwicklung in den zwischenstaatlichen Beziehungen. Das sei schon nach dem Normandie-Treffen in Paris absehbar gewesen, auch Präsident Putin habe in seiner großen Pressekonferenz Ende dieses Jahres nochmals bestätigt, dass es Gaslieferungen aus Russland nach Europa durch die Ukraine geben werde. „Wir sind auf einem guten Weg in unseren Beziehungen. Natürlich will Amerika das stören. Es gibt überhaupt keinen Grund für diese Sanktionen von den USA, sondern es ist reine Willkür, um den politischen Annäherungsprozess zwischen Europa und Russland zu stören.“

Die Inbetriebnahme der neuen Gas-Pipeline „Sila Sibiri“ (Kraft Sibiriens) aus Russland nach China hat laut Kohler den USA neue Sorgen beschert. Sie befürchteten, dass in diesem Teil der Welt eine Wirtschaftsregion entstehen könne, gegen die Amerika nicht mehr konkurrenzfähig sein würde.

„Wenn sich Europa mit seinen Technologien und Russland mit seinen Rohstoffen annähern, dann stellen sie mit den Märkten Chinas und der Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft eine starke Macht dar. Die Zusammenarbeit von Wladiwostok bis Lissabon, wenn sie realisiert werden sollte, wird eine Gefahr für die wirtschaftliche Dominanz von Amerika sein. Das wollen die Amerikaner auf jeden Fall verhindern“, schlussfolgert Stephan Kohler,  Geschäftsführer der EnergyEfficiencyInvestEurasia GmbH.

Quelle: Sputnik (Deutschland)

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