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Der Fall Osthoff und die möglichen Hintergründe

Archivmeldung vom 30.12.2005

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 30.12.2005 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Auch nach der Freilassung von Frau Osthoff wirft dieser zunächst "normale" Entführungsfall mehr Fragen auf, als das er Antworten liefert. Immer mehr Verwirrungen treten auf. Aus diesem Grund haben wir einmal verschiedene mögliche Szenarien aufgeführt und nach dem bisherigen Wissensstand einmal näher betrachtet.

Es gibt  verschiedene Denkansätze und Schlüsse, die sich aus der Entführung ziehen lassen, aber aus welchen ließen sich auch die jetzigen Handlungen der Frau Osthoff und ihrem Umfeld erklären.  Um zusammenfassend einen Überblick zu erhalten, haben wir zunächst die möglichen Gründe von Entführungen betrachtet und daraus versucht einen Grund zu finden, der am besten zu dem Fall Osthoff paßt.

Eine Entführung aus politischen Gründen

Dies war zunächst die aller erste Begründung, die man öffentlich genannt hat. Was zunächst durch das aufgetauchte Video, auf dem die Entführer mit ihrer Geisel zu sehen waren, auch durchaus glaubwürdig erschien. Auf diesem der ARD zugespielten Video hatten die Entführer gedroht Frau Osthoff zu töten, wenn Deutschland nicht die Zusammenarbeit mit der irakischen Regierung einstelle. Solche Entführungsgründe wären im Irak nicht ungewöhnlich, zumal die deutsche Regierung die Ausbildung irakischer Polizisten im angrenzenden Ausland unterstützt. Allerdings hat man sich, nachdem keine weiteren Forderungen in dieser Richtung aufgetaucht waren, von dieser Möglichkeit nach und nach offiziell distanziert.
Frau Oshoff hat aber genau dieses in einem Interview, welches sie dem ZDF gab, bestätigt, indem sie sagte, daß sie von einer Gruppierung Abu Mussab Al Sarkawi entführt wurde. Doch wenn dies wirklich so war, fragt man sich wieso man sie freigelssen hat, da bisher nichts über irgendwelche Zugeständnisse der Bundesregierung bekannt wurde. Wäre es wirklich diese Gruppierung gewesen, hätte man sich sicherlich nicht auf irgendwelche Versprechungen eingelassen. Auch würde das im Nachhinein nicht die jetzigen Reaktion von Frau Osthoff und ihrem Umfeld erklären. Diese Begründung scheint derzeit wenig plausibel, zumal Frau Osthoff als Muslima und Freundin der irakischen Bevölkerung gilt und alleine schon deswegen wäre eine Entführung von irakischen Widerstandskämpfer vollkommen unverständlich.

Eine Entführung um Lösegeld

In diesem Fall wäre es den Entführern vollkommen egal wen sie entführen, Hauptsache es handelt sich um eine Geisel, die beispielsweise aus einem Land kommt, das bereit ist entsprechende Lösegeldforderungen zu zahlen oder die Angehörigen wären hierzu bereit und hätten die Möglichkeit Lösegeldforderungen zu erfüllen. Im Fall Osthoff käme da nur die Bundesregierung in Frage, da die Familie nicht wohlhabend sein soll.
Laut ersten Pressemeldungen nach der Freilassung hieß es, man hätte Frau Osthoff nachdem die Entführer wußten wer sie war, freigelassen. Über eine eventuelle Lösegeldzahlung wurde seitens der Presse nur spekuliert und von der Regierung geschwiegen, da man eventuellen, zukünftigen Entführungen keine Grundlage bieten wolle. Nur nach der jetzigen Reaktion und dem Auftritte von Frau Osthoff ist diese Begründung mehr als fraglich.

Eine gezielte Entführung aus finanziellen Gründen

Seit heute taucht in der Presse die Meldung auf, man hätte Frau Osthoff gezielt entführt, da sie eine größere Menge Bargeld mit sich geführt hätte. Angeblich soll ihr Fahrer, laut einer Aussage von dem Berliner Kaufmann Rolfeckhard Giermann (ehemaliger Handelsattaché an der DDR-Botschaft in Bagdad), die er gegenüber der Bildzeitung gemacht hat, Frau Osthoff an die Entführer verkauft haben. Sie hatte nach seiner Aussage rund 17.000,- Dollar bei sich, um Rechnungen einer Baufirma zu zahlen. Diese hatte bei der Restauration der Karawanserei in Mossul geholfen. Für dieses Projekt des Auswärtigen Amtes war Frau Osthoff verantwortlich.
Dagegen sprechen aber eingentlich folgende  Aussagen, die sie im ZDF-Interview machte: "Das waren nicht drei Wochen, das war genau ein Monat, vom Freitag, den 25.11., wo ich betonen will, freitags haben alle Banken und öffentlichen Läden - zu Ihrer Information - geschlossen. Nicht, daß irgendwelche Journalisten wieder auf Ideen kommen, ich hätte da Gelder transferiert, nur zur Information, daß Sie mal Fakten wissen." oder an anderer Stelle: "Und die 15.000 Euro sind alle abgerechnet, da sind noch nicht mal die Gehälter für den Oberbauaufseher drin. Das haben wir alles selber gezahlt. Und deswegen muss ich mir das jetzt dann verbieten, daß noch einmal irgendwas von Deutschland erwähnt wird. Deutschland hat damit nichts zu tun. Denn das Geld ist nach wie vor wahrscheinlich auf einer Bank, ich weiß es nicht, und ich frage es auch nicht mehr. Ich verzichte freiwillig. Gehälter für den Oberbauaufseher drin. Das haben wir alles selber gezahlt."
Hier fragt man sich, wem kann man glauben, Herrn Giermann oder Frau Osthoff. Auf den ersten Blick würde man sagen Herr Giermann, nachdem Frau Osthoff ein solch verwirrten Eindruck  in dem ZDF-Interview gemacht hat.  Könnte das aber nicht absichtlich so gesteuert worden sein um der Öffentlichkeit endlich eine plausible Erklärung zu bieten und von dem eigentlichen Grund abzulenken. Aber von welchem Grund?

Eine selbst inszenierte Entführung

Auch solch eine Entführungsvariante ist als eine Möglichkeit denkbar. Meistens sind hierfür die Motive finanzielle Schwierigkeiten oder die betreffende Person will aus irgendeinem Grund auf sich aufmerksam machen. Inwieweit Frau Osthoff, da der eine Punkt Aufmerksamkeit zu erzeilen vollkommen unwahrscheinlich erscheint, in Geldschwierigkeiten war, läßt sich nicht genau sagen.  Bisher läßt sich einzig und allein  aus dieser Aussage im Interview etwas dazu sagen: "Die Bürger aus Glonn kennen mich, daß ich das Haus nicht mehr halten konnte, mein Vermieter hatte ja keine Gnade, der Bürgermeister wollte selber noch, ich konnte die Miete nicht mehr zahlen, weil ich ja nichts verdiene, verstehen Sie? Ich habe aber gewußt, daß die Leute noch ärmer sind als ich. Die brauchen jetzt ein bißchen Feedback. Auch wenn es nur 40 Familien sind, es ist besser wie gar nichts. Der Herr Ester kennt mich und der hat noch versucht, als Mediator mit dem Vermieter einzutreten. Aber er war leider gnadenlos." Inwieweit aber dies ein Anlaß für eine selbst inszenierte Entführung sein soll, die solch ein öffentliches Interesse auslöst und mit einem entsprechenden Risiko verbunden ist,  scheint nur schwer nachvollziehbar. Obwohl diese Entführungsart einiges an der jetzigen Verhaltensweise von Frau Osthoff erklären würde. Denn um von sich abzulenken wäre die Verwirrung und die Art wie sie sich verhält sicherlich nützlich. Durch ihre guten Kontakte hätte sie wahrscheinlich auch die passende Unterstützung bei den Irakern dafür gefunden.

Eine Geheimdienstaktion

So abwegig dieses vielleicht für viele zunächst klingen mag, wollen wir auch diese Möglichkeit einmal näher betrachten. Das solche Entführungen zum Programm der Geheimdienst gehören, um bestimmte Ziele zu erreichen, ist eine unumstößliche Tatsache. Wäre aber eine Entführung von Frau Osthoff denn ein interessantes Ziel für beispielsweise die CIA oder dem Mossad gewesen? Sicherlich kann man dieses nicht grundsätzlich verneinen, zumal wenn man zusätzlich noch den Zeitpunkt der Entführung betrachtet und man bedenkt das Frau Osthoff eine Deutsche ist. Die Entführung ereignete sich nämlich kurz nachdem die neue Regierung im Amt war, die sich entgegen der eigentliche Stimmung in der Bevölkerung sofort für die Unterstützung der Interessen der US-Regierung aussprach. Zu allem Ärger wurden aber auch zu diesem Zeitpunkt die "CIA-Folterflüge" durch die Presse bekannt und die neue deutsche Regierung sah sich in einer Zwickmühle. Wie sollte man sich verhalten, um zum einen nicht das Verhältnis mit der US-Regierung zu gefährden aber gleichzeitig auch die deutsche Bevölkerung nicht schon kurz nach Antritt der Regierungsgeschäfte zu verärgern? Genau in dieser Phase kam es nun "zufällig" zu dieser Entführung im Irak. In der Presse verschwanden die Schlagzeilen wegen den "CIA-Folterflügen" und machten so Platz für die Berichterstattung  über die Entführung. Man konnte spürbar merken, wie durch diese Entführung auch die Stimmung in der Bevölkerung umschlug und auf einmal wieder der Kampf gegen den Terror seine Sympatisanten fand. Die US-Regierung und der Geheimdienst war auf einmal wieder auf den Weg sich zu rehabilitieren. Diese These spricht eigentlich eindeutig dafür, daß es sich um eine Geheimdienstaktion gehandelt haben könnte. Nur eine Sache paßt auf den ersten Blick nicht so ganz in dieses Bild. Wäre es denn nicht, um noch mehr Sympathie für die US-Regierung und deren Kampf gegen den weltweiten Terror zu bekommen, sinnvoll gewesen die Entführung tragisch auszugehen zu lassen? Beispielsweise mit einem erneuten Video, in dem die Hinrichtung der Geisel zu sehen gewesen wäre und man hätte kurz darauf die Leiche gefunden. Hätte dann nicht fast jeder in Deutschland sich hinter die Politik der US-Regierung gestellt, die "CIA-Folterflüge" für eine sinnvolle Maßnahme im Kampf gegen den Terror begrüßt und unterstützt, wenn die deutsche Regierung mit Truppen aktiv die Interessen der US-Regierung vertreten hätte? Wieso hat die Entführung aber anders geendet, wenn der Geheimdienst seine Finger im Spiel war, wie nun einige glauben?

Unser Resumeé:

Nach einer nüchternen Betrachtung aller Möglichkeiten und den Berichten in der Presse, sowie dem Verhalten der Frau Osthoff und ihrem Umfeld, kommen nur zu zwei Möglichkeiten in Betracht: Entweder die Entführung war selbstinszeniert oder es war eine gezielte Geheimdienstoperation.

Eine selbstinszinierte Entführung kommt aber nur in Betracht, wenn sie sich nicht klar darüber gewesen wäre, welch öffentliches Interesse und Medienrummel sie dadurch auslöst. Vielleicht war es sie auch nicht und ist deshalb erst einmal untergetaucht bevor sie die beiden Fernsehinterviews gegeben hat. Dies könnte auch ein Grund für ihre "Vermummung" und ihr Verwirrtheit im ZDF-Interview gewesen sein. Denn so ist es für den Fachmann sehr schwierig anhand der entsprechenden Körpersprache, besonders auch an der Mimik zu erkennen, ob die betreffende Person lügt oder die Wahrheit sagt. Auch der Zeitpunkt der Entführung hätte nicht besser geplant sein können, da hier der Verdacht sofort in eine andere Richtung fällt. Als eine Art Nebeneffekt würde so auch die Regierung in den USA und Deutschland sicherlich kein Interesse daran haben, daß dies an die Öffentlichkeit kommt, da man davon wie bereits erwähnt gewisse Vorteile sieht.

Eine Geheimdienstaktion wäre zwar auch durchaus möglich. Sie würde auch erklären, warum sich Frau Osthoff zurückgezogen hat, man ihr eine gewisse Angst unterschwellig anmerkt, ihre Familie seltsam reagiert und Herr Giermann sich jetzt mit der ausgesprochen unglaublichen Geschichte die Entführung sei wegen dem angeblich mitgeführtem Bargeld erfolgt, an die Presse wendet, um von dem eigentlichen Grund abzulenken. Aber auch alle diese Argumente würden bei einer selbstinszinierten Entführung passen.


Wir wollen hier mit unserer Analyse niemandem etwas unterstellen, sondern nur verschiedene Möglichkeiten für einen Grund der Entführung aufzeigen. Ob die Öffentlichkeit überhaupt den wahren Grund der Entführung erfahren wird, bleibt fraglich, denn sollte ein Geheimdienst dahinter stehen ,wird man schwerlich etwas erfahren und wurde die Entführung selbst insziniert, ist es auch ungewiß, inwieweit die Tatsachen an die Öffentlichkeit gelangen, da auch die Regierung Nutzen aus der Entführung ziehen konnte.

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