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Steuer- und Abgabenlast in Deutschland gestiegen

Archivmeldung vom 22.11.2013

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 22.11.2013 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Bild: Thorben Wengert / pixelio.de
Bild: Thorben Wengert / pixelio.de

Für mittelständische Unternehmen ist die Steuer- und Abgabenlast im weltweiten Durchschnitt in den vergangenen zwölf Monaten weiter gesunken. Der Anteil aller Steuern und Abgaben (Total Tax Rate) am Gewinn beläuft sich derzeit auf 43,1 Prozent, im Vorjahr waren es noch 44,7 Prozent, wie aus der Gemeinschaftsstudie "Paying Taxes 2014" der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC, der Weltbank und der International Finance Corporation (IFC) hervor geht.

In Deutschland allerdings muss das idealtypische mittelständische Unternehmen, das der Analyse zugrunde liegt, entgegen dem globalen Trend eine höhere Belastung tragen: Hierzulande stieg die Total Tax Rate von 46,8 Prozent auf 49,4 Prozent. Im weltweiten Steuerranking fällt der Standort Deutschland damit von Platz 72 auf Platz 89 zurück. Zurückzuführen ist diese Entwicklung ausschließlich auf die Abschaffung der degressiven Abschreibung für Wirtschaftsgüter, die nach dem 31. Dezember 2010 angeschafft wurden.

"Die Studienergebnisse verdeutlichen, dass bereits eine vermeintlich kleine steuerrechtliche Änderung erhebliche Folgen für die Abgabenbelastung haben kann. Eine höhere Total Tax Rate geht unmittelbar zu Lasten der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstands", kommentiert Tobias Taetzner, Partner bei PwC und Unternehmensteuer-Experte.

In Europa (EU und Europäischer Wirtschaftsraum) ist die Steuer- und Abgabenquote lediglich in sieben Staaten höher als in Deutschland. Am niedrigsten ist die Total Tax Rate in Kroatien (19,8 Prozent), Luxemburg (20,7 Prozent) und Zypern (22,5 Prozent). Doch auch Länder, die gemeinhin nicht als Niedrigsteuerland gelten, bürden mittelständischen Unternehmen eine weitaus geringere Last auf als Deutschland: In Dänemark beispielsweise beläuft sich die Total Tax Rate auf 27 Prozent, in Norwegen müssen Betriebe im Durchschnitt 40,7 Prozent ihres Unternehmensgewinns an den Staat abführen.

"Der Vergleich der Steuersysteme zeigt selbst zwischen Nachbarstaaten mit ähnlichen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen gravierende Unterschiede auf. Die Vorstellungen darüber, wer für welche Aktivitäten Steuern zahlen soll und wie hoch diese ausfallen können, gehen weit auseinander. Eine Reform der internationalen Unternehmensbesteuerung wäre notwendig, ohne eine Einigung auf Besteuerungsprinzipien wird sie aber politisch kaum durchsetzbar sein", betont Taetzner.

Modernisierung der Steuerbürokratie geht voran

Neben der Total Tax Rate hat auch die Steuerbürokratie erheblichen Einfluss auf die tatsächliche Belastung der Unternehmen durch Steuern und Abgaben. Im aktuellen Untersuchungszeitraum (Juni 2012 bis Mai 2013) gab es hier in 32 der weltweit 189 analysierten Länder Verbesserungen. Allerdings hat sich der für die Steuer- und Abgabenverwaltung erforderliche Zeitaufwand leicht erhöht. Im weltweiten Durchschnitt benötigt ein mittelständischer Betrieb derzeit 268 Stunden (Vorjahr: 267 Stunden). Leicht gesunken ist hingegen die Zahl der zu beachtenden Steuertermine, und zwar von 27,2 auf 26,7 pro Jahr.

In Deutschland müssen mittelständische Betriebe wie bereits im Vorjahr nur neun Termine einhalten. Der Zeitaufwand für die Steuerbürokratie ist hingegen um elf Stunden auf 218 Stunden gestiegen.

"Die gestiegene Bearbeitungszeit ist eine Folge der neu eingeführten E-Bilanz, die zu Beginn einen höheren Arbeits- und Umstellungsaufwand mit sich bringt. In den kommenden Jahren dürfte sich der Zeitaufwand in den Unternehmen allerdings wieder auf einem niedrigeren Wert einpendeln", erläutert Steuer-Experte Taetzner.

Die Studie "Paying Taxes" vergleicht jährlich die durchschnittliche Steuer- und Abgabenbelastung sowie die indirekten Folgekosten der Steuerbürokratie. Dabei wird ein für alle Staaten einheitliches, repräsentatives Modellunternehmen mit 60 Mitarbeitern und mehreren Gesellschaftern zu Grunde gelegt. Die Ergebnisse für Deutschland beziehen sich auf ein Produktionsunternehmen mit 60 Arbeitnehmern mit Sitz in Berlin. Berücksichtigt werden alle Steuern und Abgaben, die dieses Produktionsunternehmen zahlt, also neben offen ersichtlichen Steuern (Gewerbesteuer, Körperschaftsteuer, Solidaritätszuschlag) auch "versteckte" Steuern und Abgaben wie der Arbeitgeberanteil am Sozialversicherungsbeitrag sowie Energiesteuer, Grundsteuer, Versicherungssteuer und Lkw-Maut.

Quelle: PwC PriceWaterhouseCoopers (ots)

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