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Bundesbank schüttet erstmals seit über 40 Jahren keinen Gewinn aus

Archivmeldung vom 03.03.2021

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 03.03.2021 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Sanjo Babić
Hauptsitz der Deutschen Bundesbank in Frankfurt am Main – Zentralbanken können den Goldpreis erheblich beeinflussen
Hauptsitz der Deutschen Bundesbank in Frankfurt am Main – Zentralbanken können den Goldpreis erheblich beeinflussen

Foto: dontworry
Lizenz: GFDL
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Die Deutsche Bundesbank überweist zum ersten Mal seit 1979 keinen Gewinn an den Bund. Das teilte das Geldhaus am Mittwoch mit. Die "geldpolitischen Krisenmaßnahmen" in der Corona-Pandemie hätten sich deutlich in der Bilanz der Bundesbank niedergeschlagen. Angesichts der damit einhergehenden Risiken stockte man die Wagnisrückstellung auf. Das Jahresergebnis für 2020 sei aber trotzdem noch ausgeglichen.

Im Vorjahr hatte die Gewinnausschüttung 5,9 Milliarden Euro betragen. Die Wagnisrückstellung wurde demnach um 2,4 Milliarden Euro auf 18,8 Milliarden Euro aufgestockt. Die modellgestützte Bewertung der Risiken zeige "einen erheblichen Anstieg" an. Insbesondere die Zinsänderungsrisiken und die Ausfallrisiken im geldpolitischen Portfolio nähmen zu, so die Bundesbank am Mittwoch. "Damit wird der Anstieg der Risiken im vergangenen Jahr aber nur zu einem Teil abgedeckt", sagte Bundesbankpräsident Jens Weidmann. Für das laufende Jahr soll die Wagnisrückstellung noch weiter aufgestockt werden. "Zumal mit einer grundlegenden Änderung der Risikolage nicht zu rechnen ist", sagte Weidmann.

Neben der Risikovorsorge wurde das Jahresergebnis 2020 vor allem durch gestiegene Zinsaufwendungen und zurückgegangene Zinserträge beeinflusst. Die Bundesbank musste mehr Zinsaufwendungen leisten, weil sich die Kreditinstitute im Zuge der Notfallmaßnahmen günstiger bei ihr refinanzieren konnten und diese Refinanzierung stärker in Anspruch nahmen. Gleichzeitig sanken die Zinserträge, weil die Erträge aus den geldpolitischen Wertpapierbeständen und den Devisen zurückgingen und die höheren Erträge aus der Negativverzinsung der Einlagen diesen Rückgang nicht ausglichen. Als Ausdruck der geldpolitischen Stützungsmaßnahmen und der allgemeinen Unsicherheit in der Corona-Pandemie weitete sich die Bilanzsumme der Bundesbank im vergangenen Jahr um 42 Prozent aus. Die Bilanzsumme liegt nun bei märchenhaften 2,53 Billionen Euro und damit auch deutlich über dem bisherigen Höchststand des Jahres 2018 von 1,84 Billionen Euro.

Auf der Aktivseite trugen besonders die längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte und das Notfallankaufprogramm PEPP zum Anstieg der Bilanzsumme bei. Hinzu kamen die Liquiditätszuflüsse aus dem europäischen Ausland, wodurch die Target2-Forderung gegenüber der Europäischen Zentralbank erstmals die Marke von einer Billion Euro überschritt und zum Jahresende bei 1,14 Billionen Euro lag. Auf der Passivseite der Bilanz kam es im vergangenen Jahr durch die inländische Liquiditätsbereitstellung über die Refinanzierungsgeschäfte und Wertpapierankäufe sowie durch Liquiditätszuflüsse aus dem Ausland zu einem deutlichen Anstieg der Einlagen. Die Bundesbank rechnet aufgrund der zweiten Infektionswelle und der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie mit einem Rückschlag der gesamtwirtschaftlichen Aktivität in Deutschland im laufenden Quartal. Er dürfte jedoch erheblich schwächer ausfallen als der Wirtschaftseinbruch in der ersten Jahreshälfte 2020. Sobald angeordnete und freiwillige Schutzmaßnahmen Stück um Stück gelockert würden, könne die deutsche Wirtschaft ihre Erholung wiederaufnehmen, so die Bundesbank.

Quelle: dts Nachrichtenagentur

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