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Globaler Handel mit Fröschen verbreitet tödliche Krankheiten

Archivmeldung vom 11.05.2009

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 11.05.2009 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Amphibien droht eine miserable Zukunft. Bild: F.Hollenbach/pixelio
Amphibien droht eine miserable Zukunft. Bild: F.Hollenbach/pixelio

Millionen von Fröschen werden jährlich vom Menschen um den Globus transportiert. Ein Großteil davon landet im Kochtopf, ein anderer Teil in Terrarien. Nun haben Forscher des Wildlife Trust entdeckt, dass der Handel zwei für Froschlurche tödliche Erkrankungen über den ganzen Globus verteilt.

Das trifft die ohnehin durch Klimawandel, Habitatsverlust, Umweltverschmutzung und besonders auch durch Pestizide bedrohten Amphibien stark, berichtet das Wissenschaftsmagazin Biological Conservation.

"Jährlich werden mehr als eine Mio. Ochsenfrösche in die USA importiert. Wenn nur fünf Prozent von ihnen mit einem Pathogen infiziert sind, sind das 50.000 Tiere", so Peter Daszak, Präsident des Wildlife Trust. Das Forscherteam hat in den großen US-Häfen Los Angeles, San Francisco und New York importierte Frösche auf den Chytridpilz Batrachochytrium dendrobatidis (Bd) untersucht. Mehr als acht Prozent der Frösche hatten ranavirale Erkrankungen, davon zwei Drittel Bd. Seit rund zehn Jahren besteht eine regelrechte Chytridpilz-Epidemie, durch die zahlreiche Amphibienarten in Mittel-, Südamerika und Australien stark in ihrem Bestand dezimiert oder sogar ausgerottet wurden.

"Zieht man in Betracht, welche verheerenden Auswirkungen Bd auf die gesamte Amphibienpopulation hat und vergleicht das mit den Mio. Tieren, die jährlich gehandelt werden, ist die Zahl alarmierend", meint Studienleiterin Lisa Schloegel vom Wildlife Trust. Genau werde man wohl nicht erfahren, welche Auswirkungen der Handel auf die globale Ausbreitung der Erkrankung hat. Es scheine aber ein wesentlicher Faktor zu sein, betont Schloegel. Studien am Chytridpilz haben gezeigt, dass der Pilz rund um den Globus genetisch sehr ähnlich ist, was wiederum darauf schließen läßt, dass es sich um eine relativ neues Pathogen handelt, meint der Herpetologe Trenton Garner vom Institut für Zoologie in London. "Es gibt keinen Hinweis darauf, dass es sich um ein altes Pathogen handelt. Der einzige Weg für die weltweite Verbreitung ist ein kürlich stattgefundener internationaler Austausch."

Aufzeichnungen des US Fish & Wildlife Service und des US Freedom of Information Act zufolge, sind zwischen 1. Jänner 2000 und 31. Dezember 2005 mehr als sieben Mio. Kilogramm Amphibien und Amphibienteile in die USA importiert worden. In fünf Jahren entspricht das mehr als 28 Mio. Tieren. Obwohl viele Nationen - darunter die USA, Australien und auch die EU - strenge Einfuhrbestimmungen haben, gebe es keine nationalen Bestimmungen um allfällige Infektionen bei importierten Tieren zu kontrollieren. Die meisten Kontrollen beziehen sich nur auf das äußere Erscheinungsbild der Tiere - und dabei können allfällige Infektionen nicht festgestellt werden.

Der genaue Auslöser der Chytridpilz-Epidemie ist jedoch immer noch ungeklärt. "Die Gründe dafür liegen in der Flurbereinigung, der Begradigung von Fließgewässern, der Entwässerung, dem Einsatz von Bioziden in der Landwirtschaft, der Zersiedelung der Landschaft und der Umweltverschmutzung", meint Franz Tiedemann, Amphibienexperte am Naturhistorischen Museum in Wien im pressetext-Gespräch. Dadurch, dass die Lurche teilweise Hautatmer sind, nehmen sie Giftstoffe durch die Haut auf. Bei der Untersuchung der Bestände müsse auch der Gesamtlebensraum betrachtet werden. "Dadurch, dass alle in Österreich heimischen Amphibien mit Ausnahme des Feuersalamanders an Wasserstellen gebunden sind, sind sie ebenso wie die Gewässer selbst permanent gefährdet", erklärt Tiedemann.

Quelle: pressetext.austria

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