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Was Harry Potter kann, können Frösche schon lange

Archivmeldung vom 12.12.2013

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 12.12.2013 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Manuel Schmidt
Ameisenkopf im Rasterelektronenmikroskop
Ameisenkopf im Rasterelektronenmikroskop

Lizenz: Public domain
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Wenn man gefährliche Feinde hat, ist es sehr nützlich sich unbemerkt zwischen diesen bewegen zu können. Dazu brauchen Harry Potter und seine Freunde einen Tarnmantel der sie unsichtbar macht. Der in westafrikanischen Savannen lebende Rote Wendehalsfrosch lebt inmitten von für ihn potentiell tödlichen Ameisen, ohne dass diese ihn angreifen. Forscher des Museums für Naturkunde in Berlin haben, mit ihren Kollegen aus Frankfurt, Würzburg und der Schweiz, nun nachweisen können, welche chemischen Substanzen der Frosch verwendet um das aggressives Verhalten der Ameisen zu verhindern.

Der Rote Wendehalsfrosch hat es schwer. Er lebt in Savannen in denen es manchmal über ein halbes Jahr nicht regnet. Um nicht zu vertrocknen muss er sich in dieser Zeit im feuchten Erdreich aufhalten. Da er aber nicht selber graben kann, ist er auf bestehende Löcher und Spalten angewiesen. Diese sind meist schon von sehr aggressiven Ameisen besetzt. Eine dieser Arten, die bis zu 2,5 cm groß werdende und nach Schwefel riechende afrikanische Stinkameise, ist besonders aggressiv. Sie hat mächtige Kiefer und einen mit einer Giftdrüse in Verbindung stehenden Stachel. Mit ihrem potenten Gift tötet sie auch Frösche und frisst diese. Es war deshalb sehr überraschend den Roten Wendehalsfrosch inmitten der Kolonien dieser Ameisen zu finden.

Mark-Oliver Rödel, Forscher am Museum für Naturkunde Berlin und seine Kollegen vermuteten, dass die Frösche chemische Substanzen in ihrer Haut verwenden, die es ihnen ermöglich sich quasi unsichtbar zwischen den hauptsächlich chemisch orientierten Ameisen zu bewegen. In einer in der Fachzeitschrift PLOS ONE (http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0081950) veröffentlichten Studie berichten sie jetzt wie es ihnen mit einer Reihe von Experimenten gelang, zwei dieser Substanzen, bislang unbekannte Peptide, zu identifizieren. Der Beweis, dass es genau diese Substanzen sind die den Frosch schützen, gelang ihnen mit der künstliche Synthese dieser Peptide. Die im Labor nachgebauten Substanzen nahmen sie mit nach Afrika, um sie an dort lebenden Stinkameisen erfolgreich zu testen. Den Ameisen wurde ihre Lieblingsbeute, Termiten, mit und ohne Peptidmantel angeboten. Termiten mit Peptiden wurden, im Verhältnis zu solchen ohne Schutz, dabei von den Ameisen ignoriert oder nur mit Zeitverzögerung attackiert.

Die Forscher vermuten, dass die Wendehalsfrösche diese Substanzen nicht über die Nahrung aufnehmen (wie z.B. die in Südamerika lebenden Pfeilgiftfrösche), sondern selbst herstellen können. So haben gerade frisch aus Kaulquappen umgewandelte Jungfrösche den chemischen Tarnmantel bereits und verlieren ihn auch nach jahrelanger Haltung in Gefangenschaft nicht.

Quelle: Museum für Naturkunde - Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung (idw)

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