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Unterschätzte Artenvielfalt

Archivmeldung vom 21.12.2011

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 21.12.2011 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Manuel Schmidt
Eine von bisher 154 in Südecuador nachgewiesenen Arten der Faltergattung Eois, angelockt im Regenwald durch Licht.
Quelle: Foto: Gunnar Brehm/FSU (idw)
Eine von bisher 154 in Südecuador nachgewiesenen Arten der Faltergattung Eois, angelockt im Regenwald durch Licht. Quelle: Foto: Gunnar Brehm/FSU (idw)

Elefanten kennt jeder, aber einen „Eois“ kaum jemand, obwohl es von diesen Schmetterlingen weit mehr gibt als von Elefanten. Kleine und unscheinbare Tiere haben einfach deutlich schlechtere Chancen, wissenschaftlich beschrieben zu werden als große und auffällige. „So liegt der Anteil unbekannter Arten beispielsweise bei Kleinschmetterlingen deutlich höher als bei Tagfaltern, die intensiver gesammelt und beschrieben worden sind“, weiß Dr. Gunnar Brehm von der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Wissenschaftler aus Jena und Wien haben nun festgestellt, dass der Anteil unbekannter Arten auch bei Großschmetterlingen ungewöhnlich hoch sein kann. In einem Regenwaldgebiet im südlichen Ecuador haben sie bisher 154 Arten der Gattung Eois gefunden, von denen aber nur 19 (also 12 %) bekannt sind. „Die weitaus meisten dieser Falterarten gibt es bisher in keinem Museum der Welt“, sagt Dr. Brehm. „Wenn die Abholzung der andinen Bergwälder weiterhin so rasant voranschreitet, geht diese Vielfalt verloren, bevor wir sie überhaupt ansatzweise kennen“, befürchtet der Zoologe.

Etwas besser sieht es in einem Untersuchungsgebiet in Costa Rica aus, wo man etwa 30 % der gesammelten Arten bisherigen Funden zuordnen kann – und wo die Fauna heute durch entsprechende Programme vergleichsweise gut in Museen repräsentiert ist. Die unterschiedlichen Werte erklären die Forscher mit historischen Zufällen und Sammlungsmustern. „In bestimmten Regionen wie Costa Rica und West-Panama wurde relativ intensiv gesammelt, während unzugängliche Gebiete wie Nord-Peru oder das Amazonasbecken bis heute kaum erfasst sind“, erläutert Brehm. Die Inventarisierung der tropischen Vielfalt macht kaum Fortschritte, obwohl die zunehmende Zerstörung der Lebensräume dringenden Handlungsbedarf fordert: Über 80 % der 254 bisher bekannten Eois-Arten wurden zwischen 1890 und 1920 beschrieben – die letzte im Jahre 1952.

Manche der weniger bekannten Insektenarten und ihre interessanten Fortpflanzungstechniken kann man in der jüngst eröffneten Sonderausstellung „Insekten & Sex“ im Phyletischen Museum der Universität Jena (Vor dem Neutor 1) kennenlernen. Dort wird auch präsentiert, wie nah verwandte Eois-Arten es schaffen, sich bei der Fortpflanzung mittels des Schlüssel-Schloss-Prinzips voneinander abzugrenzen.

Quelle: Friedrich-Schiller-Universität Jena (idw)

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