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Wunsch oder Wirklichkeit: Weiße Weihnachten in Norddeutschland

Archivmeldung vom 16.12.2016

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 16.12.2016 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Manuel Schmidt
Bild: Elke Sawistowski / pixelio.de
Bild: Elke Sawistowski / pixelio.de

„Weiße Weihnachten?! Das gab es früher viel häufiger.“ Dieser Eindruck ist fest in unseren Köpfen verankert. Grüne Weihnachten werden darum schnell dem Klimawandel zugeschrieben. Auswertungen langjähriger Wetterdaten durch Klimaforscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht (HZG) zeigen, dass weiße Weihnachten in Norddeutschland schon immer recht selten waren. Daran hat sich trotz der Klimaerwärmung bis heute nicht viel geändert. Auf lange Sicht könnten weiße Weihnachten jedoch noch seltener werden als heute. Darauf weisen weitere Ergebnisse der HZG-Wissenschaftler hin.

„Unsere Daten zeigen, unter den heutigen klimatischen Bedingungen treten weiße Weihnachten in Norddeutschland im Durchschnitt etwa alle drei bis vier Jahre auf. Innerhalb Norddeutschlands gibt es dabei aber deutliche regionale Unterschiede“, so die Leiterin des Norddeutschen Klimabüros am HZG, Dr. Insa Meinke.

Am häufigsten treten weiße Weihnachten in Norddeutschland demnach auf dem Harzer Brocken auf. Nur etwa alle vier Jahre bleiben dort die Bäume grün. Ganz anders geht es den Helgoländern. Diese konnten sich in zwischen 1986 und 2015 nur alle zehn Jahre einmal über weiße Weihnachten freuen. In Hamburg, Schleswig, Schwerin und Arkona treten weiße Weihnachten etwa alle drei Jahre auf. Den letzten Schnee zu den Festtagen gab es vielerorts in Norddeutschland 2010.

Dr. Insa Meinke: „Rein statistisch gesehen wären schon längst wieder weiße Weihnachten zu erwarten gewesen. Doch in den Wetteraufzeichnungen zeigt sich ein anderes Bild: Mit Ausnahme von 2012 befinden sich die letzten fünf Jahre im langjährigen Vergleich unter den Top10 der weihnachtlichen Rekordtemperaturen Weihnachten 2015 war vielerorts das wärmste Fest seit den 1950er Jahren.“

Weiße Weihnachten trotz Erwärmung bisher nicht seltener

Diese Beobachtungen fügen sich wie ein Mosaiksteinchen in ein größeres Bild ein. In den letzten 50 Jahren hat sich die Lufttemperatur in Norddeutschland deutlich erwärmt. Vergleicht man die durchschnittliche Jahresmitteltemperatur des aktuellen Klimas (1986-2015) mit dem Vergleichszeitraum 1961-1990, wird deutlich, dass sich Norddeutschland in diesem kurzen Zeitraum bereits um etwa 0,6 Grad erwärmt hat.

Ähnlich stark war die winterliche Erwärmung, wobei die Zunahme während der Weihnachtsfeiertage in diesem Zeitraum je nach Region zwischen 0,2 und 0,7 Grad liegt. Landläufig gewinnt man den Eindruck, dass weiße Weihnachten schon heute seltener geworden sind. Trotz der Erwärmung zeigt sich jedoch, dass sich die Häufigkeit dieser seltenen weißen Weihnachtstage bisher nicht nennenswert verändert hat.

Regionale Klimaszenarien weisen darauf hin, dass sich die Wintertemperaturen bis 2100 in Norddeutschland um bis zu 5 Grad Celsius erhöhen können, wenn es nicht gelingt, die Treibhausgas-Emissionen zu reduzieren. Mit der Erwärmung kann die Anzahl der Frosttage und Eistage im Winter stark zurückgehen. Dementsprechend kann sich die Häufigkeit von Frost während der Weihnachtstage reduzieren. Während heute an vier von fünf Weihnachtsfesten Frost auftritt, wäre in Zukunft nur in jedem fünften Jahr mit weihnachtlichem Frost zu rechnen.

Künftig weniger Glatteis

Gleichzeitig weisen die regionalen Klimaszenarien für Norddeutschland künftig auf eine Niederschlagszunahme im Winter hin. Diese kann je nach Region und zukünftigem Treibhausgasausstoß bis Ende des 21. Jahrhunderts bis zu 46 Prozent betragen. Durch die höheren Temperaturen wird es dann aber seltener schneien und öfter regnen. „Daher ist davon auszugehen, dass weiße Weihnachten auf lange Sicht bei uns in Norddeutschland noch seltener werden“, erklärt Insa Meinke. Einen kleinen Trost hat sie aber für die Norddeutschen: „Aufgrund des selteneren Frostes würde sich dann auch seltener Glatteis bilden.“

Quelle: Helmholtz-Zentrum Geesthacht - Zentrum für Material- und Küstenforschung (idw)

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