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Ärzte behandeln ihre Patienten im Blindflug

Archivmeldung vom 22.12.2010

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 22.12.2010 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Bild: Gerd Altmann / pixelio.de
Bild: Gerd Altmann / pixelio.de

Weltweit arbeiten Medizinstatistiker daran, in den Unterlagen von klinischen Studien Scheinargumente von soliden Beweisen zu trennen. Ihre Ergebnisse haben dabei eine Schummelkultur großen Stils zutage gefördert. So müssten 50 bis 90 Prozent der heute als erprobt geltenden ärztlichen Interventionen mit großen Fragezeichen versehen werden. "Nimmt man all die Indizien zusammen, die wir heute haben, um das Ausmaß der Verfälschung abzuschätzen, dann liegt der Schluss nahe, dass die Ärzte ihre Patienten im Blindflug behandeln", sagt Gerd Antes, Professor für Biometrie in Freiburg in der Januar-Ausgabe des Magazins Technology Review.

Die erste umfassende Übersicht mit Fallbeispielen für die verbreitete Praxis, unangenehme Studiendaten selektiv zu verschweigen, haben Arzneimittelprüfer des Kölner Institutes für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen im Oktober 2010 veröffentlicht. Betroffen ist dabei nahezu jedes Fachgebiet: Die Experten listen 50 Behandlungen von 40 verschiedenen Krankheiten auf, unter anderem Medikamente gegen Depressionen, Psychosen, Schmerzen, Alzheimer, Migräne, Herzrhythmusstörungen, Inkontinenz, Diabetes, Arthritis, HIV und Krebs. "Vergleicht man die unpublizierten mit den publizierten Daten, so zeigen sich große Ergebnisunterschiede. Die publizierten Studien neigen dazu, die Wirksamkeit zu über- und die Nebenwirkungen zu unterschätzen", resümieren die Prüfer in ihrem Bericht.

Ihre Prüfmethoden stammen aus der sogenannten evidenzbasierten Medizin: Dabei werden medizinische Veröffentlichungen mittels statistischer Methoden auf Herz und Nieren getestet, um zu ermitteln, welche Medikamente und Therapien wirklich helfen - weil deren Wirkung durch aussagekräftige und belastbare Daten untermauert werden kann. Doch eine saubere Bewertung der Wirksamkeit ist aufgrund der Datenlage oft gar nicht möglich, weil die Hersteller häufig klinische Tests mit ungünstigem Ergebnis zurückhalten oder durch statistische Tricks die Medikamente besser dastehen lassen, als sie tatsächlich sind. Wie Patienten einige dieser Tricks durch Fragen entlarven können, zeigt Gerd Gigerenzer, Direktor des Berliner Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, in einem Leitfaden, den Technology Review in Auszügen vorstellt. 

Quelle: Technology Review

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