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Zuckerdrinks: Mit Tabak-Tricks an Kinder

Archivmeldung vom 16.03.2019

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 16.03.2019 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Soft Drinks: Zuckerbomben statt Tabak für Kinder.
Soft Drinks: Zuckerbomben statt Tabak für Kinder.

Bild: rawpixel, pixabay.com

Tabakkonzerne haben Marketing-Strategien, mit denen sie ursprünglich ihre Produkte jungen Konsumenten schmackhaft machen wollten, ab 1963 adaptiert, um stattdessen flüssige Zuckerbomben an Kinder zu vermarkten. Das zeigt eine Studie der University of California San Francisco (UCSF), die zuvor versiegelte Dokumente der Tabakindustrie unter die Lupe genommen hat. Das umfasst demnach Farben, Geschmacksstoffe und lustige Maskottchen für Soft Drinks.

Ersatzdrogen vermarktet

"Führungskräfte der beiden größten US-Tabakfirmen hatten Farben und Aromen als Zusatzstoffe für Zigaretten entwickelt und damit große Produktreihen für Kindergetränke aufgebaut", sagt Studien-Erstautorin Laura Schmidt, Professorin für Gesundheitspolitik an der UCSF. Ihren Fokus derart verlagert haben die Konzerne laut der Studie, da Tabak in den 1960er- und 1970er-Jahre zunehmend dem strengen Blick von Behörden ausgesetzt war. Junge Konsumenten mit bunten Farben und Geschmacksstoffen fürs Rauchen zu begeistern, war verpönt. Doch zuckersüße Soft Drinks waren eine Ersatzdroge, die die Konzerne einfach ans Kind bringen konnten.

RJ Reynolds beispielsweise hat 1963 "Hawaiian Puch" gekauft, zuvor als Cocktailmixer für Erwachsene vermarktet. Nach der Übernahme wurde das Getränke-Maskottchen "Punchy" ähnlicher dem von Camel-Zigaretten bekannten "Joe Camel" gestaltet und kam auf Spielzeug, in Schulbücher, in Comics und in TV-Spots. 1983 hat das Unternehmen die erste Saftschachtel auf den Markt gebracht, einen "praktischen kleinen Karton mit eigenem Strohhalm". Das hat den analysierten Dokumenten zufolge eine Umsatzsteigerung von 34 Prozent bewirkt.

Philip Morris wiederum hat 1985 Kool-Aid gekauft und das Marketing ebenfalls mittels Maskottchen auf Kinder umgestellt. Es gab Markenkooperationen unter anderem mit Barbie und Hot Wheels. Auch kam den Forschern zufolge ein Treueprogramm für Kinder zum Einsatz, das laut einem Dokument "unsere Version des Marlboro Country Store" war - also explizit eine Tabak-Marketingstrategie, die Markentreue bei Rauchern fördern sollte, kopiert. Zudem hat das Unternehmen bis 2004 gleich 36 Geschmacksrichtungen eingeführt.

Tabak-Tricks für Fettleibigkeit

Mittlerweile haben die Tabakunternehmen die Getränkemarken zwar wieder an Lebensmittel- und Getränkekonzerne verkauft. "Viele der Produktlinien und Marketingtechniken, die Kinder anziehen, sind aber noch heute im Einsatz", betont Schmidt. Obwohl diese Strategien genau dafür entwickelt wurden, behaupten die atuellen Markeninhaber aber, dass diese Strategien nicht auf Kinder abzielen. Daher will die Branche sie von freiwilligen Vereinbarungen über verantwortungsvolleres Werben ausnehmen - also, weiter mit Tabak-Tricks flüssige Zuckerbomben vermarkten, die den Forschern zufolge mit Fettleibigkeit und erhöhten Risiken unter anderem für Herzinfarkt und Diabetes Typ 2 in Verbindung gebracht werden.

Quelle: www.pressetext.com/Thomas Pichler

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