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An der Wirklichkeit vorbei? Sex-Studien im digitalen Zeitalter

Archivmeldung vom 31.05.2019

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 31.05.2019 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Symbolbild
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Bild von Uwe Kern auf Pixabay

Sex ist Privatsache. Wie, wann, wo und unter welchen Bedingungen Menschen ihre Lust befriedigen, geht den Staat erst einmal nichts an. Jedenfalls nicht, solange dies in einer Weise geschieht, bei der niemand zu irgendwelchem Schaden kommt. Das öffentliche Interesse an gelebter Geschlechtlichkeit richtet sich auf deren Folgen: Es geht zum einen um die Erhaltung der Volksgesundheit, zum anderen um die Zukunftssicherung durch Nachwuchs. Beides kostet den Staat das Geld des Steuerzahlers. Entsprechend stehen vor allem diese Aspekte im Fokus wissenschaftlicher Studien.

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Bild von Владимир Берзин auf Pixabay

Sex ist mehr

Die Ergebnisse eines der letzten großen Forschungsvorhaben zur Sexualität der Deutschen wurde 2018 in vielen Medien zitiert; Hintergrund war hier eindeutig das Bestreben, die Volksgesundheit zu sichern. Dementsprechend wurde ‚Sexualität‘ gleichgesetzt mit ‚sexuellen Handlungen zwischen zwei Menschen gleichen oder unterschiedlichen Geschlechts‘.

Doch Sex ist mehr und im digitalen Zeitalter haben längst in vielerlei Hinsicht Medien die Rolle von Partner oder Partnerin oder die eines Mittlers zwischen den Beteiligten übernommen.

Bereits das gute alte Telefon an einem aus der Wand herausragenden Kabel hat eine Brücke geschlagen zwischen zwei Menschen, zwischen deren Realität und Phantasien. Das Internet mit seinen Möglichkeiten bietet bei Anruf Sex, mit in Echtzeit Bild und Ton zu übertragen, und hat so im Privaten wie auch im Gewerblichen der Sexualität neue Räume eröffnet. Mittlerweile sind Angebote auf dem Markt, deren Nutzung die Befriedigung einer breiten Palette sexueller Vorlieben und Vorstellungen am Bildschirm ermöglicht, kostengünstig und auf Wunsch auch anonym. Der Vorteil für viele Nutzer: Es sind keine Absprachen oder Rücksichtnahmen nötig. Man weiß, was man bekommt und man weiß, was man dafür gibt. Es gibt keine Missverständnisse, keine Beziehungsdramen, keine aufwendigen Verabredungen. Es bedarf vor allem keiner Erklärungen oder Entschuldigungen.

Ergänzung oder Ersatz der Nähe

Ob sich jemand entscheidet, Video-Sex im oder Pornographie aus dem Internet als Ergänzung einer bestehenden Beziehung oder als deren Ersatz zu konsumieren, ist seine eigene Entscheidung. Sex ist Privatsache – zumindest, wenn er Teil der Freizeit ist. Die Statistiken zeichnen allerdings ein anderes Bild. Demnach findet 70% des Konsums von Internet-Pornographie während der Arbeitszeit statt.

Doch es stellt sich nicht nur die Frage, ob Erotik- und Pornographieangebote – auch außerhalb ihrer eigenen Branche – dadurch zu einem Wirtschaftsfaktor werden. Es ist auch interessant, festzustellen und zu beobachten, welche langfristigen Auswirkungen sich für Beziehungen ergeben, wenn Nähe und Intimität teilweise oder ganz virtuell beeinflusst werden.

In extremen Fällen kann eine Sucht nach virtueller Erotik entstehen, die gewissermaßen als ‚Schnittmenge‘ der Sexsucht und der Internetsucht gilt. Betroffene verlieren den Wunsch nach und die Fähigkeit zu realen körperlichen Beziehungen. Was – und damit schließt sich der Kreis fast – durchaus für die Volksgesundheit, wie auch für langfristige Bevölkerungspolitik von Bedeutung ist.

Menschliche Vielfalt akzeptieren

Es geht nicht darum, neugierig zu sein und erst recht geht es nicht darum, über Menschen und ihr Intimleben zu urteilen. Nein, es geht darum, der Vielfalt dieses Intimlebens gerecht zu werden, wenn man schon – aus gutem Grund – danach fragt.

Im Jahr 2015 wurde von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ein Bericht unter dem Titel ‚Jugendsexualität. Die Perspektive der 14-25 Jährigen‘ veröffentlicht. Wie der Untertitel bereits erkennen lässt, befasst er sich mit jener Zielgruppe, die als ‚Digital Natives‘ bezeichnet werden. Das sind die Angehörigen einer Generation, die von der Kindheit an mit dem Gebrauch von digitalen Kommunikations- und Informationsmedien vertraut ist.

Der einzige Bezug, der in dieser Studie zum Internet hergestellt wird, bezieht sich auf Online-Informationsangebote wie z.B. ‚Wikipedia‘ als Quellen der Sexualaufklärung. Dass das Internet von Jugendlichen und auch von Kindern nicht nur als Aufklärungs-, sondern gewissermaßen auch als Sexpartner genutzt wird, wird überhaupt nicht thematisiert. Das ist irreal. Es spielt keine Rolle, wie man zu den Fakten des modernen Lebens steht, ob sie einem gefallen oder nicht. Man muss sie wahr- und ernstnehmen. Insbesondere dann, wenn es darum geht, Menschen gerecht zu werden, in ihrem Namen zu planen und zu handeln.

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