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Denunziation als Bürgertugend? Über Gewissensnöte vom Gesindebuch bis zum Impfpass

Archivmeldung vom 24.12.2021

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 24.12.2021 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Sanjo Babić
Bild: Von Anonymous - de: Scan des Originaldokuments.en: Scan of the original document., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1952642 /RT / Eigenes Werk
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Die Corona-Maßnahmen erzeugen eine eigenartige neue Moral. Die renommierte Wochenzeitung "Die Zeit" entdeckt auf einmal ihre Liebe zur Denunziation und druckt eine Schnulze, um jedermann zu überzeugen, doch bitte jene Freunde, Partner und Kollegen zu verraten, die falsche Impfpässe benutzen. Dies berichtet Dagmar Henn im Magazin "RT DE".

Weiter berichtet Henn auf RT DE: "Es gab so Schmonzetten im 19. Jahrhundert. Der junge Herr Graf verliebt sich in ein hübsches Dienstmädchen; das aber hat sein Gesindebuch gefälscht, das es vorlegen musste, um überhaupt arbeiten zu dürfen. Er gerät in Gewissensnöte, aber letztlich siegt die Liebe, und er ebnet ihr den Weg in die ordentliche Gesellschaft.

Dass die große deutsche Wochenzeitung Die Zeit heute einmal solche Geschichten liefert, wäre früher undenkbar gewesen. Die Zeit, zu deren Lektüre einst Abitur das notwendige Minimum war, unemotional wie ein preußischer Oberfeldwebel oder eben ein hanseatischer Pfeffersack, aber dem Grundsatz verpflichtet, wenigstens irgendwie Dinge infrage zu stellen. Diese Zeit schreibt eine rührselige Geschichte von Florian und Sarah, um dann letztendlich die Denunziation zur Bürgertugend zu erklären.

Florian nämlich ist blind vor Liebe. So schreibt man das heute natürlich nicht, das höchste der Gefühle ist die Anmerkung, er würde sie schon gerne wiedersehen; aber selbst so bleibt es ein Rührstück mit Beigeschmack.

Kostprobe gefällig? "Sarah, 25, benutzt einen gefälschten Impfnachweis, geht damit in Bars, Geschäfte, Clubs. Gegen Corona geimpft ist sie nicht. Florian, 30, ist der Einzige, der davon weiß. Und sich in einem Dilemma sieht: Soll er sie outen? Sogar anzeigen? Oder weiter schweigen, um ihre Freundschaft nicht zu gefährden, aber womöglich die Gesundheit vieler Menschen?"

Gut, Die Zeit ist der offiziellen Linie verpflichtet. Das heißt natürlich auch, die Tatsache stillschweigend zu übergehen, dass nicht Geimpfte für die Gesundheit ihrer Umgebung kein größeres Risiko als Geimpfte darstellen und die ganzen 123Gs nur dazu dienen sollen, zur Impfung zu nötigen (und die Geimpften zu befrieden, denen doch irgendwann auffallen muss, dass die Impfung selbst wenig nützt). Wer will auch so viel Wirklichkeit in solch einer zuckersüßen Geschichte?

Die Geschichte spielt in der Oberpfalz, also in Bayern, in dem Bundesland, in dem über Jahrzehnte hinweg drakonische Strafen für etwas verhängt wurden, was Die Zeit schon lange für eine lässliche Sünde hielt: den Besitz und Konsum von Cannabis. Hätte Sarah statt eines gefälschten Impfausweises ein Tütchen Gras mit sich getragen, Die Zeit würde ihrem Florian keine Gewissensnöte zuschreiben, sondern eine Änderung des Rechts fordern. Es ist schon erstaunlich, wie weit man sich von der erklärten Liberalität entfernen kann – wegen Corona.

Gefälschte Impfausweise sind das große Thema der Geschichte. "Enorm gestiegen sind die Fälle, seit sich die Bundesländer im November einigten, in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens 2G einzuführen", weiß Die Zeit und beruft sich auf Rückfragen bei den Landeskriminalämtern.

Und dann geht es zurück zu unserem Pärchen. Sarah ist, das muss so sein, auf eigenartige Weise besorgt; sie fürchtet nämlich, nach der Impfung keine Kinder mehr bekommen zu können. Und sie ist Esoterikerin. Darum kann Florian dann auch sagen: "Sie hat einfach kein Vertrauen in die Wissenschaft" und schon ist klar, wer von den beiden der Vernünftige ist. Es wäre eigentlich zeitgemäßer gewesen – so rein gendermäßig –, wenn er der Esoteriker und sie die Rationale wäre, aber es ist halt schwer, die Muster des 19. Jahrhunderts zu verlassen, wenn man eine Geschichte aus dem 19. Jahrhundert schreibt: Sabinchen war ein Frauenzimmer, gar hold und tugendhaft. ...

Hätte Sarah ein anderes Argument gebracht, Die Zeit hätte sich deutlich mehr Mühe geben müssen. Zum Beispiel: "Mein Cousin ist nach der Impfung beim Fußballspielen umgekippt, Herzinfarkt. Mit 22." Oder: "Meine große Schwester hat Blutungen, die einfach nicht aufhören." Beides sind bekannte und belegte Nebenwirkungen. Immerhin, laut der Umfrage des Bundesgesundheitsministeriums unter Ungeimpften antworteten 41 Prozent, sie kennen Personen, die die Impfung sehr schlecht vertragen haben. 63 Prozent antworteten damit, dass sich auch Geimpfte mit Corona infizieren und andere Personen anstecken können, eine Tatsache, die eigentlich inzwischen vollständig bestätigt ist. Aber Die Zeit hat keine Lust, sich mit den realen Bedenken auseinanderzusetzen und greift lieber zu etwas, das nicht belegbar ist, wie der Angst davor, unfruchtbar zu werden.

Sarah, die fiktive 25-Jährige, die sich nicht willig wegsperren lässt, hat den gefälschten gelben Ausweis von einer Freundin, meint dann der arme, in eine Missetäterin verliebte Florian. Und die Zeit-Autorin, die wirklich einmal politische Wissenschaften studiert hat und schon seit 2014 Redakteurin ist, lässt dann die Katze aus dem Sack: "Die Polizei geht davon aus, dass sie nur einen Bruchteil der Fälschungen entdeckt. Wer davon viel öfter erfahren dürfte: der Freundeskreis, Partner oder Kolleginnen derer, die so eine Fälschung nutzen. Wie Florian stehen sie dann vor der Frage, was ihnen wichtiger ist: die Beziehung nicht gefährden oder die Gesundheit schützen?"

Nur, um es noch einmal zu verdeutlichen: das ist eine Aufforderung zur Denunziation, und zwar durch Freunde, Partner oder Kollegen. Man stelle sich einmal vor, Sarah hätte ein Tütchen Gras ... da würde die Autorin vermutlich vor Scham im Boden versinken, ehe sie einen solchen Satz niederschriebe. Aber bei der vermeintlichen Bedrohung, die nicht Geimpfte darstellen, die sich frei bewegen, ist das schon mal in Ordnung.

Weil die Anzeigen bisher meist von Apotheken kämen, wisse die Polizei noch nicht viel über die Fälscher. Auch da verbirgt sich wieder die subtile Aufforderung, doch einen Beitrag dazu zu leisten, dass sich das ändert. Schließlich ist das doch irgendwie eine bedrohliche "Szene". "Und auch einige der Fälscher, die auf Telegram verkaufen und die ZEIT ONLINE bereits im Mai während einer Recherche beobachtete, sind noch immer aktiv."

Der dramatische Höhepunkt der Geschichte geht etwas in die Hose. Florian bekommt Corona, aber nicht von Sarah, die nämlich er, der Geimpfte, ansteckt, sondern irgendwo zwischen Restaurant und Sport, wo überall 2G plus gilt ... Und wie reagiert unser Heros? Er wird wütend.

Das kann man ja verstehen, da hat er brav die ganzen Regeln befolgt und wird trotzdem krank; da muss er sich doch verarscht fühlen, oder? Weil er sich bei einem Geimpften angesteckt hat. Aber nein, unser Held wird zwar wütend, aber auf Sarah. "Er schreibt ihr eine Nachricht, will sie zur Selbstanzeige zwingen. Sonst werde er sie anzeigen." Ist das logisch? Ist es nicht. Aber diese Sarah gibt ihm trotzdem nicht endgültig den Laufpass (was ich jedem menschlichen Wesen raten würde, das von einem Partner solch eine Nachricht erhält), sondern schickt ihm nur, ganz das Einhorn-Mädchen, den Satz: "Ich bin stolz auf meine Traumwelt."

Soviel neunzehntes Jahrhundert war selten. Witzigerweise hatten sich Sarah, 25, und Florian, 30, noch getroffen, unmittelbar ehe er erkrankte und dann positiv getestet wurde. Sie besucht ihn zum Frühstück. "Sie essen, spielen Karten, trinken aus der gleichen Tasse. Dann geht sie."

Ernsthaft? Sie sind nicht 15. Nicht einmal mehr 20. Sie gehören zu der Generation, die ihre One-Night-Stands auf Tinder klarmacht. Sogar in der Oberpfalz. Und das Maximum körperlicher Nähe ist das Trinken aus einer Tasse? Zwei junge Leute, die ihr ganzes bisheriges Dasein auf Klosterschulen verbrachten?

Und noch einmal fehlt Florian, der wackere Held. "Ein Mitarbeiter des Gesundheitsamts ruft ihn an, fragt: 'Hatten Sie Kontakt zu Ungeimpften?' Wieder steht er vor dem Dilemma: Soll er sie verraten? Lügen will er nicht. 'Vielleicht', sagt er."

Was für eine Frage: Hatten Sie Kontakt zu Ungeimpften? Als wäre es der anzustrebende Umgang, bei jedem erst einmal den Impfstatus abzufragen, womöglich noch vor dem Namen. Die natürliche, die naheliegende Antwort, wäre gewesen: "Glauben Sie, ich frage jeden, dem ich irgendwo begegne, ob er geimpft ist?" Das kann Florian schon nicht einmal mehr denken. Er hätte auch sagen können: "Selbstverständlich. Statistisch ist jeder Dritte nicht geimpft, also werde ich wohl Kontakt zu Ungeimpften gehabt haben." Nein, er fühlt sich schuldig, opfert sich aber vermeintlich ein weiteres Mal für die unbotmäßige Sarah und sagt, sicherlich mit gepresster Stimme: "Vielleicht."

Nun wird noch einmal die verdeckte Aufforderung wiederholt: "Anzeigen unter Freunden seien nicht gerade der typische Fall, sagt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz ZEIT ONLINE." Dann die Katharsis: "Florian wird klar: Die Freundschaft und Sarahs Betrug gehen für ihn nicht zusammen." Die Freundschaft, bei der sie aus einer Tasse trinken. Aber Florian ist wieder zurück in der moralisch reinen Welt, raus aus den Abgründen der Ungeimpften: "Er hofft, dass sie sich selbst angezeigt oder wenigstens das Zertifikat gelöscht hat. Ihren Fehler eingesehen hat. Wenn nicht, wäre die Freundschaft vorbei, sagt Florian."

Ginge es um ein Tütchen Gras, die Zeit-Autorin würde mühelos die Hürde überwinden und die Zweckmäßigkeit der entsprechenden Strafrechtsparagrafen infrage stellen. Aber es geht hier um eine junge Frau, die sich nicht der Vorgabe beugt, ihre Jugend in Hausarrest zu verbringen, weil sie sich nicht impfen lassen will (übrigens würden sich – das kann man gar nicht oft genug wiederholen – zwei Drittel der nicht Geimpften mit Sputnik oder Sinovac impfen lassen), da kennt Die Zeit kein Erbarmen.

Das Gesindebuch war übrigens überlebenswichtig für die Dienstboten des 19. Jahrhunderts; sie durften sich nämlich nur dort aufhalten, wo sie eine Stellung nachweisen konnten. Damit wurden vor allem junge Frauen daran gehindert, vom Land in die Stadt zu ziehen. Nach der Gesindeordnung des Großherzogtums Hessen etwa durften Dienstboten ohne Erlaubnis nicht über Nacht die Wohnung verlassen. Bis 1900 durften sie von ihrer Herrschaft geschlagen werden. Sie durften sich nicht versammeln, zusammenschließen oder gar streiken. Dienstloses Gesinde stand unter polizeilicher Aufsicht. Das Gesindebuch verschwand erst mit der Revolution 1918."

Quelle: RT DE

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