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Letzter DDR-Staatratsvorsitzender Krenz: Mauerfall hätte in Katastrophe enden können

Archivmeldung vom 08.11.2014

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 08.11.2014 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Menschenmengen auf der Berliner Mauer Ende 1989 nach dem historischen Mauerfall
Menschenmengen auf der Berliner Mauer Ende 1989 nach dem historischen Mauerfall

Foto: Lear 21
Lizenz: GFDL
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Nach Ansicht des letzten DDR-Staatsratsvorsitzenden Egon Krenz hätte der Mauerfall vor 25 Jahren leicht "in bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzungen umschlagen" können. "Wir standen einer militärischen Lösung näher, als das viele heute wahrhaben wollen", sagte Krenz der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung", die am Sonntag eine 68-seitige Sonderausgabe zum Mauerfall-Jubiläum veröffentlicht. Die Zeitung hat dafür Krenz mit dem früheren Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Wolfgang Böhmer (CDU), ins Gespräch gebracht.

Durch die "Schussligkeit" des Politbüro-Mitglieds Günter Schabowski, der den historischen Abend mit der Verkündung einer neuen Reiseregelung für DDR-Bürger eingeleitet hatte, sei eine chaotische Situation entstanden, erinnert sich Krenz. "Die Gefahr, dass der Abend in einer Katastrophe hätte enden können, war äußerst groß", sagte Krenz der Zeitung. Das sei durch die Besonnenheit der Grenzer, die von der Neureglung nicht informiert waren, verhindert worden. "Das sind die eigentlichen Helden des 9. November", so Krenz.

Den Untergang der DDR empfindet der heute 77-jährige Krenz auch als persönliche Niederlage. "Dass auch ich die DDR nicht mehr am Leben erhalten konnte, zähle ich zu meiner Lebensniederlage", sagte Krenz. Er habe Veränderungen gewollt, aber "viel zu spät". Ex-Ministerpräsident Böhmer bezweifelte, dass Reformen gegriffen hätten. "Mehr Demokratie heißt am Ende auch freie Wahlen", so Böhmer. Dabei hätte die SED keinesfalls die Mehrheit bekommen. "Dass die Diktatur des Proletariats die höchste Form der Demokratie sein soll, hat doch ernsthaft schon damals niemand geglaubt", sagte Böhmer.

Krenz lehnt einen "Schmähbegriff wie Unrechtsstaat" für die DDR ab, weil er keinen Platz für Differenzierung lasse. Böhmer hält dagegen: "In der Verfassung stand das Post- und Fernmeldegeheimnis - und täglich wurde von vielen Leuten die Post kontrolliert. Wenn einer so etwas als Unrechtsstaat bezeichnet, dann kann ich das verstehen. Das kodifizierte Recht war interpretationsfähig und nicht einklagbar. Die Deutung übernahmen die Repräsentanten der selbsterklärten Diktatur."

"Den Fall der Mauer verdanken wir den Menschen, die in der DDR für ihre Menschenrechte auf die Straße gegangen sind"

Zum 25. Jahrestag des Mauerfalls erklärt die Direktorin des Deutschen Instituts für Menschenrechte, Beate Rudolf:

"Den Fall der Mauer verdanken wir den Menschen, die im Herbst 1989 in der DDR für ihre Menschenrechte auf die Straße gegangen sind. Sie taten dies trotz der gewaltsamen Repressionen des Staatsapparats und der Drohung mit der 'chinesischen Lösung'.

Der 9. November 1989 ist untrennbar verbunden mit dem 9. Oktober 1989, dem Tag, an dem die DDR-Staatsmacht sich angesichts zehntausender Menschen bei der Montagsdemonstration in Leipzig zurückzog. Der Mut der Menschen und die Beharrlichkeit der Bürgerrechtsbewegung in der DDR verlangen hohen Respekt. Die deutsche Einheit ist ihr Verdienst. Ihr bleibendes Vermächtnis ist die Verpflichtung für uns alle, die Menschenrechte im eigenen Land zu verteidigen und einzufordern - auch heute in einem demokratischen Rechtsstaat."

Quelle: Mitteldeutsche Zeitung - Deutsches Institut für Menschenrechte (ots)

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