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Ex-Bundespräsident von Weizsäcker blickt auf Mauerfall und 20 Jahre Einheit zurück

Archivmeldung vom 24.10.2009

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 24.10.2009 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Bundespräsident Köhler und Richard von Weizsäcker 2007 Bild: Bundespräsidialamt
Bundespräsident Köhler und Richard von Weizsäcker 2007 Bild: Bundespräsidialamt

Der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker blickt mit großer Zufriedenheit auf 20 Jahre deutsche Einheit zurück. "Wir leben in unserer Geschichte zum ersten Mal in Frieden mit allen Nachbarn. Keiner greift beim anderen störend ein. Keiner fühlt sich bedroht. Das kann man doch nur mit großer Dankbarkeit feststellen", sagt von Weizsäcker in einem Exklusiv-Interview mit dem Magazin Reader's Digest.

Der frühere Bundespräsident räumt zwar ein, dass es gerade in den ländlichen Regionen der neuen Bundesländer noch immer Probleme zum Beispiel auf dem Arbeitsmarkt gibt, auf der anderen Seite sei aber "wirklich Erstaunliches" geleistet worden: "In manchen Städten ist eine Infrastruktur für den Verkehr, für das Wohnen, für die Erhaltung historischer Plätze geschaffen worden, was Sie in manchen Teilen Westdeutschlands so nicht finden können."

Weizsäcker erinnert sich gut an jene Stunden im Herbst 1989, als plötzlich die Grenzen zur DDR offen waren. "Natürlich waren wir alle auf freudigste Weise erreget." Er habe, so verrät der damals amtierende Bundespräsident in dem Interview mit Reader's Digest, den Plan gehabt, "ganz alleine über den Potsdamer Platz von West- nach Ostberlin zu gehen". Irgendwann sei dann ein Oberstleutnant der DDR-Volkspolizei vor ihm gestanden: "Herr Bundespräsident, ich melde: keine besonderen Vorkommnisse." Das sei ein bewegender Moment gewesen, so Weizsäcker.

Der 89-Jährige sieht ein Bündel von Ursachen für die damalige Maueröffnung: die Gewerkschaftsbewegung in Polen, kulturelle Entwicklungen in Prag, allen voran die Bürgerrechtsbewegung in der damaligen DDR sowie Michail Gorbatschow, damals noch Präsident von Russland. Gorbatschow habe bei der Vereinigung der beiden deutschen Staaten "zweifellos eine entscheidende Rolle gespielt", weil durch seine Verständigung mit dem amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan die Einheit erst ermöglicht wurde. "Am Ende kam es zu einer Vereinigung zweier unterschiedlich aufgestellter Teile: eine ruinierte Staatsfinanzlage auf der einen Seite und eine normal intakte auf der anderen", betont von Weizsäcker in dem Gespräch und warnt zugleich davor, die angestrebten gleichen Lebensverhältnisse für alle Deutschen zu dogmatisch zu sehen: "Je länger die Zeit der Vereinigung dauert, desto mehr treten doch neben den Teilungsfolgen auch traditionelle, ganz friedliche Unterschiede regionaler Art wieder hervor."

Aus Sicht des ehemaligen Bundespräsidenten, der Bad Doberan an der Ostsee und die Solitude bei Stuttgart als seine Lieblingsorte bezeichnet, sollte Deutschland aber auch 20 Jahre nach dem Mauerfall mit seiner neuen Macht behutsam umgehen. "Wir sind mit unserer Bevölkerung und auch unserer Wirtschaftsleistung innerhalb des europäischen Verbundes eines der wichtigen großen Länder. In dieser Richtung verantwortlich europäisch zu handeln, ist letzten Endes zentrales deutsches Interesse."

Von Weizsäcker hält deshalb nichts von den regelmäßig wiederkehrenden Forderungen, wonach Deutschland einen ständigen Sitz im UNO-Sicherheitsrat benötige: "Was die Welt bedroht, ist die Klimaentwicklung, die Not der Länder, deren Bevölkerung besonders schnell wächst, das Schicksal der Migranten, der Hunger." Alles das seien "Hauptaufgaben, die sich mit militärischen Mitteln doch gar nicht lösen lassen".

Quelle: Reader's Digest (November-Ausgabe)

 

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