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Neuer europäischer Crashtest

Freigeschaltet am 15.04.2019 um 08:03 durch Thorsten Schmitt
Symbolbild
Symbolbild

Bild: 123rf.com / Aaron Bass Die Originaldatei ist hier zu finden.

Crashtests werden häufig durchgeführt. Das Thema Kompatibilität wurde dabei aber bislang ausgespart. Die Fahrzeuge wurden bisher gegen ein stehendes Hindernis gesteuert. Das praktische Unfallgeschehen verlangt jedoch nach einer umfassenderen Sichtweise, welche mit dem ab 2020 eingeführten neuen Crashtest umgesetzt werden soll. Es geht nicht nur um die Insassen des Fahrzeuges und deren Belastung, sondern auch um den Umgang der Fahrzeuge miteinander.

Kommt es zu einem Crash zwischen einem schweren SUV und einem Kleinwagen, ist das Risiko für die Insassen des Kleinwagens weit höher. Bewertet werden soll zukünftig nicht mehr nur der Selbstschutz der Fahrzeuge. Es wird auch die Kompatibilität, also der Partnerschutz einfließen. Nur wenn Autos in Zukunft auch Rücksicht auf ihre Unfallgegner nehmen, gibt es Bestnoten. Darauf weist das Portal AUTOBIBEL in einer gestern veröffentlichten Pressemitteilung hin.

Was beinhaltet der neue Crashtest?

Der Mobile Progressive Deformable Barrier, kurz MPDB, wird einen Frontalcrash beinhalten. Der zu bewertende Wagen wird nicht mehr gegen einen festen Crash-Block, sondern gegen ein anderes Fahrzeug gesteuert. Die Bewertung der Kompatibilität wird Verteilung und Höhe der einwirkenden Energie beinhalten. Schwere Fahrzeuge werden hierbei weniger gut abschneiden. Steife Längsträger leiten die Energie konzentriert in den Crash-Partner. Daher müssen Wagen, die ihre Insassen an sich gut sichern in Zukunft mit massiven Einbußen in der Punktestatistik rechnen.

Dieses Jahr werden vermutlich noch weit mehr Autos zu Schrott gefahren als allgemein üblich. Die Autohersteller möchten sich die Bestnoten nach dem herkömmlichen Testverfahren nicht entgehen lassen. Durchschnittlich nutzt der NCAP jährlich 40 Fahrzeuge für Crashtests. In diesem Jahr wird mit 60 Schrottwagen zu rechnen sein.

Premiere für den THOR Dummy

Auch der neue Dummy THOR macht den Crash-Test ab 2020 anspruchsvoller. Mit dem flexibleren und sensibleren Dummy lassen sich die bei Frontalzusammenstößen auftretenden Brust- und Bauchverletzungen besser nachweisen und gefühlsechter darstellen. THOR besitzt mehr Messpunkte als seine Vorgänger und kann authentisch repräsentieren, wie sich seitliche Verdrehungen und das Durchrutschen des Bauches unter den Beckengurt in der Realität auswirken. Die Wirbelsäule wurde beim Nachfolger des Hybrid III entscheidend verbessert. Im Gesicht sorgen bisher nicht verwendete Sensoren dafür, dass mögliche Gesichtsverletzungen besser untersucht werden können.

Reaktionen und Prognosen

Viele Automobilhersteller haben das Thema Kompatibilität bislang aus Kostengründen hinten an gestellt. Während bei Honda die Thematik früh aufgegriffen wurde, besteht bei VW Nachholbedarf. Punktabzug wird es künftig vor allem für Fahrzeuge mit einer eher steifen Frontstruktur geben. Der Verband der Automobilindustrie erklärt, dass es beim Kauf von Neuwagen vorrangig auf Aussehen, Preis und Zuverlässigkeit ankommt. Die Sicherheit ist damit keine Prämisse.

Die Zahl der Unfallopfer stieg im letzten Jahr auf 3.265 an. Hinzu kamen beinahe 68.000 Schwerverletzte. Das menschliche Leid und die Kosten für die Volkswirtschaft sind immens. Die Folgen von Todesfällen und Verletzungen beziffern sich auf 13 Milliarden, die Sachschäden auf jährlich 21 Milliarden. Dabei sind es nicht nur Geisterfahrer, die für Opfer sorgen, sondern auch Motorradfahrer, LKW-Fahrer, Fahranfänger, Senioren und weitere Personen, die die Unfälle verursachen.

Wer beim neuen Crashtest Bestnoten erzielt, bekommt keinen Rabatt von den Versicherungen. Diese stufen die Schadenhäufigkeit weiterhin nach Typklassen ein. Dennoch schätzt der ADAC den neuen Crashtest als einen Schritt in die richtige Richtung ein. Man erhofft sich schnellere Verbesserungen der Hersteller. Diese sehen sich einem konkurrenzreichen Markt gegenüber und kämpfen gegen sinkende Verkaufszahlen. Ein weiterer Schritt nach vorn ist die Forderung nach dem Einbau von Assistenzsystemen ab 2022.

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