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Corona-Pandemie nagt am Wohlbefinden der Deutschen: Jüngere leiden besonders

Archivmeldung vom 22.07.2021

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 22.07.2021 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Anja Schmitt
Frau am Laptop
Frau am Laptop

Foto von Alexander Dummer von Pexels

Während die Frühjahrswelle des Nationalen WohlstandsIndex für Deutschland (NAWI-D) noch eine leichte Erholung beim subjektiv empfundenen Wohlstand der Menschen auswies, zeigt die aktuelle Sommerwelle, die das Markt- und Meinungsforschungsinstitut Ipsos im Juni erhoben hat, einen signifikanten Rückgang sowohl gegenüber dem Frühjahr dieses Jahres als auch gegenüber dem Sommer des Vorjahres.

Vor allem die jüngere Generation, die Gen Z, zeigt deutliche Anzeichen schwindenden Wohlbefindens in vielen Bereichen der ökonomischen, aber vor allem der gesellschaftlichen, individuellen und ökologischen Dimensionen, die erhoben werden. Aber auch die anderen Generationen zeigen im Vergleich zum Sommer letzten Jahres Verschleißerscheinungen.

Gen Z fühlt sich deutlich unglücklicher

Die jüngere erwachsene Bevölkerung (14-23-Jährige) hat häufig noch keinen festen Arbeitsplatz und ist somit seltener als die Älteren direkt von finanziellen Einschränkungen durch Corona betroffen. Im Gegensatz zu ökonomischen werden allerdings gesellschaftliche Aspekte deutlich negativer beurteilt als noch im Sommer 2020. So vertraten noch im letzten Jahr 65 Prozent die Auffassung, überaus friedlich mit ihren Mitmenschen zusammenzuleben, ein Jahr später waren es neun Prozentpunkte weniger (56%). Auch die Möglichkeiten der Weiterbildung sehen die Jüngeren kritischer. Hier geht der Anteil der stark Zufriedenen von 54 Prozent auf 48 Prozent zurück.

Der Frust zieht sich durch verschiedene Lebensbereiche

Dabei hat vor allem das Gefühl für andere da zu sein in den letzten 12 Monaten Schaden genommen. Im Sommer 2020 konnten das noch 61 Prozent der Gen Z unterschreiben, heute glauben nur noch 47 Prozent, für andere da zu sein. Ebenso sind Jüngere derzeit deutlich weniger davon überzeugt, einer sinnvollen Beschäftigung nachzugehen (Rückgang von 30 auf 25 Prozent) oder sich ihre Reisewünsche erfüllen zu können (Rückgang von 20 auf 13 Prozent).

Geradezu dramatisch hat sich das Glücksempfinden der Gen Z entwickelt. Während sich vor einem Jahr noch mehr als jeder zweite (56%) als glücklich bezeichnete, sind es aktuell nur 46 Prozent - ein Rückgang von zehn Prozentpunkten, der stärkste Rückgang unter allen Altersgruppen. Der Eindruck einer durch die Pandemie besonders betroffenen Generation verstärkt sich noch, wenn man auf die Werte vom Sommer 2019 blickt: 64 Prozent, fast zwei Drittel der Gen Z bezeichnete sich in diesen vorpandemischen Monaten als glücklich.

Millennials sind wirtschaftlich am stärksten betroffen

Bei den Menschen zwischen 24 und 39 Jahren, die oft am Anfang des Berufslebens oder noch am Aufbau ihrer Karriere sind, ist die Auffassung ein sicheres Einkommen zu haben am stärksten zurückgegangen. Aktuell sind davon 43 Prozent stark überzeugt, vor einem Jahr war es mit 51 Prozent noch mehr als jeder Zweite in dieser Altersgruppe. Damit einher gehen zwei weitere Einschätzungen: Deutlich weniger geben an, aktuell keine finanziellen Sorgen zu haben (38 Prozent gegenüber 43 Prozent im Vorjahr) bzw. finanziell in hohem Maße für die Zukunft vorsorgen zu können (34 Prozent gegenüber 42 Prozent) .

Gen X kann Reisewünsche nicht befriedigen

Auch aus Sicht der Altersgruppe der 40-54-Jährigen ist das Einkommen nicht mehr so sicher wie im Vorjahr. Hier sinkt der Anteil der sich sehr sicher fühlenden Personen von 58 auf 52 Prozent, wobei der Arbeitsplatz in fast unverändertem Maß als sicher wahrgenommen wird. Wohl auch aufgrund des bisher erreichten finanziellen Wohlstands geht der Anteil derjenigen, die völlig frei von finanziellen Sorgen sind, nur leicht von 51 auf 49 Prozent zurück.

Wenn es um den Wohlstandsfaktor geht, sich Reisewünsche erfüllen zu können, gehört die Gen X allerdings zu den Verlierern. Während sich im Sommer vor einem Jahr 46 Prozent positiv bezüglich der Realisierung ihrer Reisewünsche äußerten, sind es in diesem Sommer nur noch 37 Prozent. Die finanziellen Mittel sind vorhanden, der Arbeitsplatz und damit auch zukünftiges Einkommen erscheinen sicher, so dass dem Wunsch zu reisen bei vielen wohl nur Corona im Wege stehen dürfte.

Boomer leiden stärker unter Kontaktarmut

Mit beginnendem Rentenalter setzen sich andere Sorgen durch. So behaupteten bei den 55-76-Jährigen vor einem Jahr noch 68 Prozent von sich, sehr gute soziale Kontakte zu haben, heute sind es nur noch 60 Prozent. Zwei Drittel (66%) sagen heute, sie hätten gute familiäre Kontakte, im letzten Sommer waren es noch 72 Prozent. Auch der Aussage "ich bin für andere da" stimmen aktuell noch 61 Prozent stark zu, in Sommer 2020 waren es noch 67 Prozent. Auffällig ist ebenfalls der Rückgang von 70 auf 61 Prozent bei der Einstufung einen sehr sicheren Arbeitsplatz bzw. eine sehr sichere Rente zu haben.

Gen Silent sieht Rente als unsicherer an Gerade die Personen, die 77 Jahre und älter und damit in der Regel bereits länger im Rentenalter sind, sehen die Rente oder wohl eher die Rentenhöhe als deutlich unsicherer an als noch vor einem Jahr. Der Anteil geht von 89 auf 82 Prozent deutlich zurück. Dazu mag das Aussetzen einer Rentenerhöhung in Westdeutschland als Folge von Corona beigetragen haben. "Der subjektiv empfundene Wohlstand besteht aus vielen einzelnen Bausteinen. Die Zufriedenheit mit vielen dieser Aspekte geht bei den jungen Erwachsenen stärker zurück als bei den älteren. Immer weniger Jüngere bekunden zudem frei von Zukunftsängsten zu sein. Gesellschaft und Politik sollten diese Bevölkerungsgruppe im Fokus ihrer Aktivitäten sehen," resümiert Hans-Peter Drews von Ipsos.

Quelle: Ipsos GmbH (ots)

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