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Kurze Lektüre: ″Unser Schicksal″ – Paulo Coelho

Freigeschaltet am 31.12.2020 um 06:38 durch Andre Ott
Samurai in voller Rüstung (1860), Symbolbild
Samurai in voller Rüstung (1860), Symbolbild

Lizenz: Public domain
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Alljährlich, am Ende des Jahres übersetzen wir, das Team von "Gute-Nachrichten.com.de" eine kurze Geschichte des Bestsellerautors Paulo Coelho. „Unser Schicksal (Our destiny)“ heißt diese schöne Lektüre, die Coelho in seinem Blog bereits im April 2020 veröffentlichte. Sie erinnert daran, dass ein jeder seine Aufgabe, seine Bestimmung hat. Dies zu erkennen, ist die Kunst. Aber lest selbst, hier ist die Kurzgeschichte zum Innehalten, exklusiv für euch ins Deutsche übersetzt – viel Freude dabei.

Weiter berichtet das Magazin: " Ein Samurai, der für seine Vornehmheit und seine Ehrlichkeit bekannt war, besuchte einen Zen-Mönch, um ihn um Rat zu fragen.

Als der Mönch seine Gebete beendet hatte, fragte der Samurai:

– „Warum fühle ich mich so minderwertig? – Ich habe viele Male den Tod erlebt und diejenigen verteidigt, die schwach sind.“ Als ich Euch meditieren sah, hatte ich trotzdem das Gefühl, dass mein Leben überhaupt keine Bedeutung hat.“

– „Warte. Sobald ich mich um alle gekümmert habe, die mich heute besuchen kommen, werde ich Euch antworten.“

Der Samurai saß den ganzen Tag in den Tempelgärten und beobachtete die Menschen, die auf der Suche nach Rat ein- und ausgingen. Er sah, wie der Mönch sie alle mit der gleichen Geduld und dem gleichen erleuchteten Lächeln auf seinem Gesicht empfing.

Bei Einbruch der Dunkelheit, als alle gegangen waren, forderte er:

– „Kannst du mich jetzt unterrichten?“

Der Meister lud ihn ein und führte ihn in sein Zimmer. Der Vollmond schien am Himmel, und die Atmosphäre war von tiefer Ruhe geprägt.

– „Seht Ihr den Mond, wie schön er ist? Er wird das gesamte Firmament überqueren und morgen wird die Sonne wieder scheinen. Jedoch ist das Sonnenlicht viel heller und kann die Details der Landschaft um uns herum zeigen: Bäume, Berge, Wolken. Ich habe jahrelang über die beiden nachgedacht und nie den Mond sagen hören: Warum scheine ich nicht wie die Sonne? Liegt es daran, dass ich minderwertig bin?“

– „Natürlich nicht“ – antwortete der Samurai. Der Mond und die Sonne sind verschiedene Dinge, jedes hat seine eigene Schönheit. Ihr könnt die beiden nicht vergleichen.“

– „Ihr kennt also die Antwort. Wir sind zwei verschiedene Menschen, die jeweils auf ihre Weise für das kämpfen, woran wir glauben, und es ermöglichen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.“

Der Mensch ist meist stets bemüht das Beste aus seinem Leben zu machen. Und manchmal denkt der ein oder andere, dass das evtl. nicht genug sei. Meist, weil man unzufrieden ist. Womöglich weil die Schwierigkeit jedoch darin liegt, erst einmal herauszufinden, wer man ist und was einem die größte Freude bereitet.

Wenn man dies für sich erkannt hat, und seinem inneren Ruf folgt, die Dinge tut, die man am besten kann, dann ist man auf einem guten Weg. Man ertappt sich nicht mehr dabei einem Ideal zu folgen, sondern erkennt, dass ein jeder selbst seinem größten Ideal entspricht. Ein jeder trägt all das, was man im Außen sucht, in sich.

Wer die Zeit hat und sich seiner Großartigkeit noch nicht bewusst ist, kann sich nun die Zeit nehmen und herausfinden, was in ihm steckt. Habt eine ruhige Zeit, kommt gut ins nächste Jahr und glaubt an eure Stärken, eure gottgegebenen Fähigkeiten – ihr alle seid etwas ganz Besonderes… jeder Einzelne. Seid großartig – ich freue mich auf euch!

Quelle: Gute-Nachrichten

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