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Herdentrieb: Teilung in Kleingruppen gegen Panik

Archivmeldung vom 22.05.2015

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 22.05.2015 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Bild: pixelio.de/S. Hofschlaeger
Bild: pixelio.de/S. Hofschlaeger

Menschen folgen dem Herdentrieb, orientieren sich dabei an ihrem Vordermann gewissermaßen "blind" - insbesondere dann, wenn dieser ein sicheres und entschlossenes Verhalten an den Tag legt. Das haben Forscher des zum Nationalen Forschungsrat CNR gehörenden Istituto per le Applicazioni del Calcolo ermittelt. Mit diesem Wissen können durch Flucht ausgelöste Panikreaktionen besser unter Kontrolle gebracht und die Verletzungsrisiken gemindert werden.

"Diese Erkenntnisse können bei der Erarbeitung von Evakuationsplänen in Stadien, Pilgerstätten oder anderen Großgebäuden nutzbringend verwertet werden", erläutert Projektleiter Emilaino Cristiani. Experimentiert wurde in den Hörsälen der Abteilung für Mathemathik an der Unversità La Sapienza in Rom. Dabei wurden zwei Gruppen mit jeweils 40 Personen gebildet. Es ging darum, bei einem fingierten Alarm den Weg zu einem unbekannten Saal zu finden und dort möglichst schnell hinzugelangen.

In der ersten Gruppe war eine über den genauen Weg zum Ziel unterrichtete Person, während in der zweiten Gruppe fünf eingeweihte Personen präsent waren. "Wir haben festgestellt, dass von oben kommende Kommandos weniger auf Akzeptanz stießen als vermeintlich autonom getroffene Entscheidungen", unterstreicht der italienische Wissenschaftler. Anhand mathematischer Modelle konnte schließlich die optimale Strategie ermittelt werden.

Auseinanderspalten von Gruppen

Als beste Methodik zur Bewältigung der Gefahrensituation erwies sich die Anweisung durch die unterrichtete Person, sich bei der Flucht auf mehrere Ausgänge zu verteilen. Beim Vorhandensein einer einzigen Ausgangstür sehr hilfreich war ein gezieltes Auseinanderspalten der Gruppe mit dem irrenführenden Hinweis auf andere Fluchtwege, um sie dann nach Beruhigung der Situation allmählich in Richtung Ausgangstür zusammenzuführen.

Diese Strategie kann insbesondere bei Demonstrationen mit hohem Gewaltpotenzial hilfreich sein, indem zivil gekleidete Ordnungskräfte die Menge in mehrere, zuvor abgesprochene Richtungen lenken. Die wissenschaftliche Untersuchung war in enger Zusammenrabeit mit der Technischen Uiniversitt München durchgeführt worden. Einzelheiten können in der Fachzeitschrift "arXiv" nachgelesen werden.

Quelle: www.pressetext.com/Harald Jung

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