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E-Voting – riskante Technologie oder enormer Fortschritt?

Archivmeldung vom 29.11.2014

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 29.11.2014 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Manuel Schmidt
Bild: Thomas Siepmann / pixelio.de
Bild: Thomas Siepmann / pixelio.de

Am kommenden Wochende finden Wahlen in den australischen Bundesstaaten statt. Der Staat Victoria wird dabei ein neues elektronisches Wahlsystem einsetzen, um Geheimhaltung, Verlässlichkeit und Benutzerfreundlichkeit zu steigern. Doch – wie sicher sind solche Systeme? Vertrauen die Menschen ihnen? Dies sind zentrale Fragen für Prof. Peter Y. A. Ryan, E-Voting-Experte am Interdisciplinary Centre for Security, Reliability and Trust (SnT) der Universität Luxemburg. Die am Wochenende in Victoria eingesetzte Technik basiert auf Peter Ryans Konzept des „Pret-a-Porter”, das dieser 2004 entwickelt hat.

„Das neue elektronische Wahlsystem hat gegenüber der klassischen Urnenwahl zwei wesentliche Vorteile”, sagt Peter Ryan: „Es garantiert ein Ausmaß an Geheimhaltung wie die Wahlurne. Zugleich bietet es dem Wähler durch ein Verschlüsselungssystem die Möglichkeit zu überprüfen, ob seinen Stimme richtig gezählt wurde. Zudem reduziert das elektronische Wahlsystem die Wahrscheinlichkeit versehentlich ungültig abgegebener Stimmen.” Dafür kommt ein Touchsreen zum Einsatz, der umfangreiche Hilfestellung bei der Stimmabgabe ermöglicht – etwa für Menschen mit Behinderungen oder Sprachproblemen. Basierend auf Ryans Konzept ist das System das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen Experten aus Luxemburg, von der Universität von Surrey (UK), der Universität Melbourne (Australien) und der staatlichen Wahlkommission von Victoria.

Seit einigen Jahren entwickeln Computerwissenschaftler, Mathematiker, Soziologen und Psychologen neue Wahlsysteme, die mehr Komfort, geringere Kosten, eine höhere Wahlbeteiligung sowie verbesserte Sicherheit und eine gesteigerte Vertrauenswürdigkeit ermöglichen sollen. Neben solchen positiven Aspekten beim Einsatz digitaler Technologie im Kontext Wahlen, bringt jedes Verfahren aber auch das Risiko der Manipulation. „Natürlich können IT-Experten E-Votingsysteme sehr sicher machen, aber sie können das Risiko niemals bis auf Null reduzieren”, erklärt Ryan, der auf Verschlüsselungen spezialisiert ist: „Jedes elektronische System kann gehackt werden. Aber mit ausgefeilten kryptografischen Verfahren kann das Manipulationsrisiko und der Verlust der Geheimhaltung auf ein Minimum reduziert werden. Auch Wahlen mit Stift und Papier können gefälscht werden. Vor- und Nachteile der Systeme müssen also sorgfältig gegeneinander abgewogen und alle Verfahren weiterentwickelt werden.”

Die Geschichte des E-Voting begann im 18. Jahrhundert in den Vereinigten Staaten mit Hebelmaschinen, führte über Lochkarten und optische Scans bis zu den Touchscreens. Ähnliche Experimente haben auch in Europa und anderswo stattgefunden. Einige Länder haben zudem Versuche mit Internet-Wahlen gestartet und – wie Estland – solche Verfahren tatsächlich eingeführt. Diese Techniken sind aber nachweislich angreifbar, wobei Angriffe in großem Umfang erfolgen, dabei aber nicht entdeckt werden können.

Wissenschaftler für Kryptografie und Sicherheit haben in den vergangenen zehn Jahren große Anstrengungen unternommen, um Programme mit guten Sicherheitseigenschaften zu designen. Seit einigen Jahren ist der Einsatz elektronischer, nicht online-basierter Verfahren zu beobachten – wie nun bei den Wahlen im Bundesstaat Victoria. „Diese Systeme bieten ein viel größeres Maß an Sicherheit und Widerstandsvermögen gegenüber Manipulationsversuchen als klassische Wahlen mit Stift und Papier”, hebt Ryan hervor: „Die Herausforderung bleibt aber, die Wahlbehörden, Politiker und Wähler von dieser Vertrauenswürdigkeit der Systeme zu überzeugen. Die Argumente sind nicht immer leicht nachzuvollziehen und bedürfen eines gewissen Grundverständnisses der Kryptografie. Um Vertrauen aufbauen zu können, müssen wir dieses Verständnis fördern.”

Quelle: Universität Luxemburg - Université du Luxembourg (idw)

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