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Gerry Weber: Eigentümerwechsel vollzogen - Altaktionäre enteignet

Freigeschaltet am 07.11.2019 um 06:51 durch Andre Ott
Verlust, Crash, Einbruch, Börse, Konjunktur und Insolvenz (Symbolbild)
Verlust, Crash, Einbruch, Börse, Konjunktur und Insolvenz (Symbolbild)

Bild: Andreas Hermsdorf / pixelio.de

Der Eigentümerwechsel beim insolventen Modekonzern Gerry Weber in Halle/Westfalen ist vollzogen: Die beiden Finanzinvestoren Robus Capital und Whitebox Advisors halten nun sämtliche Anteile am Haller Unternehmen. Die Altaktionäre sind endgültig enteignet. Das berichtet das in Bielefeld erscheinende WESTFALEN-BLATT. Der Konzern soll an der Börse notiert bleiben, der Aktienhandel ist aber bis auf Weiteres ausgesetzt.

Der im Juli verkündete Einstieg des englisch-deutschen Investors Robus und des US-Hedgefonds Whitebox zu gleichen Teilen ist nach dem Inkrafttreten des gerichtlich bestätigten Insolvenzplans nun umgesetzt worden. Die entsprechenden Kapitalmaßnahmen sind am 31. Oktober im Handelsregister eingetragen worden. Konkret wurden in einem ersten Schritt fast alle der 45,9 Millionen alten Aktien zur Abdeckung von Verlusten eingezogen. Die faktische Enteignung der bisherigen Eigentümer sei insolvenzrechtlich unausweichlich, weil nicht alle Gläubigerforderungen zu 100 Prozent befriedigt werden können, teilte das Unternehmen mit.

Um die Börsennotierung zu erhalten, wurden 8377 alte Anteile auf die neuen Eigentümer übertragen, die zugleich im Zuge einer Kapitalerhöhung für 1,027 Millionen Euro neue Aktien erhalten haben und damit alle nun bestehenden 1,025 Millionen Anteile halten. Zudem erhält der Konzern von seinen Eignern einen Betriebsmittelkredit von 15 Millionen Euro.

Darüber hinaus haben die Finanzinvestoren 31,2 Millionen Euro auf ein Treuhandkonto des Sachwalters eingezahlt, die zur Gläubigerbefriedigung im Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eingesetzt werden sollen. Erste Zahlungen sollen die Gläubiger im Frühjahr 2020 erhalten. Wie berichtet ist zudem vorgesehen, dass größere Gläubiger einen Teil ihrer Forderungen in verzinste Anleihen wandeln und später auch in Aktien tauschen können.

Auch wenn Altaktionäre in ihren Depots noch Anteile sehen, sind diese wertlos und existieren faktisch nicht mehr. Mit Umsetzung der Kapitalmaßnahmen ist zudem der Börsenhandel ausgesetzt worden. Voraussetzung für eine Wiederaufnahme ist, dass ein gewisser Teil der neuen Aktien in Umlauf kommt. Dazu laufen derzeit Gespräche zwischen dem Konzern, den neuen Eigentümern und der Börse. Es gibt zwei Optionen: entweder die Finanzinvestoren geben einen Teil ihrer Aktien in den Handel oder es kommt durch eine weitere Kapitalerhöhung zur Ausgabe zusätzlicher neuer Anteile.

»Priorität hat jetzt die Gesundung der Gesellschaft. Wir wollen dem Konzern eine gute Zukunft ermöglichen«, sagt Benjamin Noisser, Geschäftsführer von Robus. Der Finanzinvestor beteiligt sich in der Regel für drei bis fünf Jahre an Firmen, ehe er sie weiterverkauft. Der neu zu besetzende Aufsichtsrat solle mit Fachkompetenz ausgestattet werden, sagt Noisser. Das zwölfköpfige Kontrollgremium, das zur Hälfte mit Arbeitnehmervertretern besetzt wird, soll noch dieses Jahr gewählt werden. Dazu werde eine Hauptversammlung abgehalten - dann aber im ganz kleinen Kreis der neuen Aktionäre.

Quelle: Westfalen-Blatt (ots)

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