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KfW-Konjunkturkompass Deutschland: Die konjunkturelle Hängepartie geht weiter

Freigeschaltet am 22.11.2019 um 09:27 durch Andre Ott
Konjunktur: Mehr arbeiten und mehr produzieren - macht dies glücklich? (Symbolbild)
Konjunktur: Mehr arbeiten und mehr produzieren - macht dies glücklich? (Symbolbild)

Bild: Bernd Kasper / pixelio.de

Die Konjunkturdynamik in Deutschland bleibt ohne Kraft. Im dritten Quartal ist die deutsche Wirtschaft nur knapp an einer technischen Rezession vorbeigeschrammt und auch im Schlussquartal 2019 dürfte das Wachstum mit 0,1% mau ausfallen.

Die gespaltene Wirtschaftsentwicklung setzt sich über den Winter fort: Bei anhaltend stabiler Binnennachfrage ist und bleibt es die stark exportorientierte Industrie, die sich schwer tut zu einem Wachstumspfad zurückzufinden. KfW Research erwartet für das Gesamtjahr 2019 ein moderates Wirtschaftswachstum von 0,5% (Vorprognose 0,4%). Für 2020 geht KfW Research von einer Zunahme der deutschen Wirtschaftsleistung in Höhe von 0,9% aus (Vorprognose 0,6%).

Die Wachstumsbeschleunigung im kommenden Jahr ist allerdings ausschließlich dem ungewöhnlich starken Kalendereffekt zu verdanken. Da 2020 deutlich weniger Feiertage auf ein Wochenende fallen, kann an vier Tagen mehr gearbeitet werden als 2019. Die dadurch ermöglichte zusätzliche Wertschöpfung trägt knapp 0,4 Prozentpunkte zum Wachstum bei. Kalenderbereinigt wird die deutsche Wirtschaft 2020 folglich nur um 0,5 % und damit genauso schwach wachsen wie im laufenden Jahr, für das der Kalendereffekt vernachlässigbar ist.

In seinem Konjunkturbild geht KfW Research von einer zumindest leichten Erholung der Industrie ab dem Frühjahr des kommenden Jahres aus. Zuletzt optimistisch stimmende Signale bei den lang schwelenden Konflikten im außenwirtschaftlichen Umfeld geben hier Anlass zur Hoffnung: Ein harter Brexit ist deutlich unwahrscheinlicher geworden - wenn auch vor den für den 12. Dezember 2019 anberaumten Neuwahlen zum britischen Unterhaus weiter offen ist, wie es hinsichtlich des geplanten Austritts des Vereinigten Königreichs aus der EU konkret weitergeht. Zudem wurde der Handelsstreit zwischen den USA und China mit der jüngst in Aussicht gestellten Teileinigung und dem Verzicht auf zuvor angedrohte Zollerhöhungen etwas entschärft. Von einer Einigung würde auch die deutsche Industrie profitieren, die aufgrund ihrer engen Handelsbeziehungen zu beiden Ländern und der Fokussierung auf besonders zyklische Investitionsgüterbranchen von diesem Konflikt indirekt stark betroffen ist. Ob die derzeitige Entspannung des Konflikts dauerhaft trägt, bleibt angesichts der Unberechenbarkeit der US-Administration jedoch abzuwarten.

"Für eine Entwarnung ist es viel zu früh, die Rezessionsgefahr ist noch nicht vom Tisch", kommentiert Dr. Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW, die aktuelle Konjunkturprognose von KfW Research. "Die deutsche Wirtschaft ist und bleibt anfällig für negative Überraschungen". Hauptrisikofaktoren sind eine mögliche erneute Verschärfung des US-chinesischen Handelskonflikts und das Restrisiko eines ungeordneten Brexits, aber auch die hohe Staatsverschuldung Italiens. "Positiv zu sehen ist jedoch, dass der fiskalische Handlungsspielraum der deutschen Politik das Eindämmen etwaiger Rezessionsschäden erlaubt." Der aktuelle KfW-Konjunkturkompass ist abrufbar unter www.kfw.de/konjunkturkompass

Quelle: KfW (ots)

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