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Gesamtmetallchef warnt vor Deindustrialisierung in Deutschland

Archivmeldung vom 04.03.2014

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 04.03.2014 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Dr. Rainer Dulger Bild: Arbeitgeberverband Südwestmetall
Dr. Rainer Dulger Bild: Arbeitgeberverband Südwestmetall

Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Rainer Dulger, hat vor einer Deindustrialisierung in Deutschland gewarnt. "In vielen deutschen Unternehmen liegen die Investitionen innerhalb Deutschlands unter den Abschreibungen", sagte Dulger der "Welt". "Das sind erste Anzeichen für Deindustrialisierung. Viele bauen neue Werke eben nicht hier, sondern woanders", so Dulger. "Wir haben in vielem das Maximum ausgereizt, und das schlägt auf die Wettbewerbsfähigkeit zurück."

Über die Jahre seien in der Metall- und Elektroindustrie vor allem die unteren Lohngruppen zu hoch geworden. "Wenn wir neue Produktreihen entwickeln, dann schauen wir auf Deutschland und sehen die klaren Standortvorteile. Qualifikation, Effektivität, Produktivität. Aber es gibt auch eine ganze Reihe von Dingen, die machen wir in Deutschland nicht mehr. Lohnintensive Tätigkeiten etwa", so Dulger. Auch die qualifizierten Tätigkeiten seien inzwischen betroffen. "Vor allem größere Unternehmen bauen inzwischen auch Entwicklungsabteilungen beispielsweise in Singapur oder China auf", so der Gesamtmetallchef. Das Gefährliche sei, dass das "völlig geräuschlos" gehe. "Es wird nicht mehr im eigentlichen Sinne verlagert, weil jedes Unternehmen heute sowieso schon im Ausland vertreten ist. Es wird dann halt ausschließlich dort investiert, ohne, dass das irgendjemand mitkriegt. Nur wenn Sie auf die Investitionszahlen blicken, sehen Sie diese Entwicklung", so Dulger. "Alles, was unsere Wettbewerbsfähigkeit schwächt, ist hochgradig gefährlich. Das beinhaltet ausdrücklich kurzfristige Geschenke an die Wähler, die dann dauerhaft höhere Steuern und Arbeitskosten bedeuten werden".

Dulger kritisierte die Rente mit 63. "Es ist einfach das falsche Signal zu sagen: Die Älteren können früher gehen. Wir brauchen sie dringend. Eine längere Lebensarbeitszeit ist die einzig richtige und gerechte Antwort auf den demographischen Wandel. Davon abzukehren heißt, die Augen vor der Wirklichkeit zu verschließen".

Dulger betonte, er wolle beim Thema Werkverträge eine Lösung mit der IG Metall finden. Die Gewerkschaft möchte bei der Vergabe von Werkverträgen ihre Betriebsräte mitreden lassen und dazu die Mitbestimmung ausweiten. Dagegen wehrt sich Dulger jedoch. "Wir wollen den Streitpunkt schlicht beilegen, damit die IG Metall ihre Kampagne beenden kann. Eine Ausweitung der Mitbestimmungsrechte wird es nicht geben".

Der Gesamtmetall-Chef sieht keine Notwendigkeit einer Debatte über familienfreundlichere Arbeitszeiten. IG Metall-Vitze Jörg Hofmann hatte dazu eine 30-Stunden-Woche ins Gespräch gebracht. "Man kann immer noch besser werden", so Dulger. "Unsere Unternehmen finden mit ihren Mitarbeitern schon passende Lösungen - was zeigt, dass es so etwas individuell und betrieblich geregelt werden muss". Den Plänen der großen Koalition, den Anspruch von der Rückkehr von Teilzeit auf Vollzeit einzuführen, erteilte er eine Absage. "Die Flexibilisierungsmöglichkeiten reichen aus, wir sehen hier keinen Handlungsbedarf".

Quelle: dts Nachrichtenagentur

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