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Negativzins kostet deutsche Banken Zehntel ihres Gewinns

Archivmeldung vom 06.06.2019

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 06.06.2019 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Andre Ott
Bild: Gerd Altmann/Shapes:AllSilhouettes.com  / pixelio.de
Bild: Gerd Altmann/Shapes:AllSilhouettes.com / pixelio.de

Europas Banken haben in den vergangenen fünf Jahren 21,4 Milliarden Euro Negativzinsen an die Europäische Zentralbank (EZB) gezahlt. Das ist das Ergebnis einer Studie des Finanzdienstleisters Deposit Solutions, der Daten von Bundesbank und EZB ausgewertet hat, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet.

Im vergangenen Jahr überwiesen die Institute 7,5 Milliarden Euro an die Zentralbank. "2019 dürften sich die Zahlungen ebenfalls bei dieser Summe einpendeln", erwartet Tim Sievers, Chef von Deposit Solutions. Die Studie führt die Zahlungen auch nach Ländern auf. Dabei zeigt sich, dass die deutschen Banken mit Abstand am stärksten belastet werden: Von 2016 bis 2018 flossen insgesamt rund 18 Milliarden Euro Negativzinsen an die EZB, davon stammten 5,7 Milliarden Euro, also ein Drittel, von deutschen Kreditinstituten. Es folgen französische Banken mit 4,1 Milliarden Euro und niederländische mit 2,5 Milliarden Euro.

Die drei Länder tragen damit knapp 70 Prozent der gesamten Last aller Euro-Länder. Die Banken südeuropäischer Staaten wie Italien, Spanien oder Portugal werden im Verhältnis dagegen deutlich geringer belastet. Die Studie setzte die Zahlungen zudem ins Verhältnis zu den Gewinnen der Banken. Auch hier schneiden die deutschen Kreditinstitute am schlechtesten ab: Die rund 2,5 Milliarden Euro, die sie 2018 an Negativzinsen leisteten, machen 9,1 Prozent des gesamten Vorsteuergewinns in diesem Jahr aus, also fast ein Zehntel. In der gesamten Eurozone beträgt dieser Prozentsatz nur vier Prozent. Die EZB hat den Negativzins auf Einlagen, die Banken dort kurzfristig parken, am 11. Juni 2014 eingeführt.

Der Zinssatz lag zunächst bei minus 0,1 Prozent und wurde danach schrittweise weiter verringert. Inzwischen beträgt er minus 0,4 Prozent. Seit März dieses Jahres gibt es Spekulationen, die EZB könnte die Banken entlasten und eine Staffelung des Negativzinses einführen, so dass Einlagen bis zu einer bestimmten Höhe davon befreit wären. Doch zuletzt mehrten sich die Stimmen aus dem EZB-Rat, die dies ablehnen, unter anderem von Bundesbank-Chef Jens Weidmann. Dass die EZB auf ihrer Ratssitzung am Donnerstag im litauischen Vilnius den Negativzins ändert, gilt deshalb als unwahrscheinlich.

Quelle: dts Nachrichtenagentur

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