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"Göttliche" Werbung macht Kunden risikofreudig

Archivmeldung vom 18.04.2015

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 18.04.2015 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Fallschirmspringer: Sicherheit kommt von oben. Bild: pixelio.de/Thomas Tobaben
Fallschirmspringer: Sicherheit kommt von oben. Bild: pixelio.de/Thomas Tobaben

Wenn eine höhere Macht im Spiel ist, werden Kunden mutiger. Zu diesem Schluss kommen Forscher der Stanford Graduate School of Business nach zwei Experimenten, die gezeigt haben, dass das Erwähnen von Gott zu mehr Risikofreudigkeit bei den Endverbrauchern führen kann.

Das Forscherteam rund um Kristin Laurin gab den Probanden drei Anzeigen - Videospiele, Unterricht für Fallschirmspringen oder "Leute zu bestechen, mit geringem Risiko, erwischt zu werden". Jene Versuchsteilnehmer, die auf der Anzeige noch den Zusatz "Gott weiß nur, was du verpasst!" stehen hatten, fühlten sich stärker zum riskanteren Verhalten - dem Fallschirmspringen - hingezogen, als jene, die nicht an Gott erinnert wurden.

Sicherheitsgefühl unterbewusst ausgelöst

"Ich kann es mir nur so erklären, dass Gott, Religion und der Herr, der über uns wacht, ein gewisses Sicherheitsgefühl auslösen. Ich glaube, dass sich das eher im Unterbewusstsein abspielt und so die Unsicherheit übertüncht wird, die der Gedanke an das Fallschirmspringen auslöst", analysiert Nils Othersen, Geschäftsführer der plan B Werbeagentur, im Gespräch mit pressetext.

"Mit Gott zu werben, könnte bei Risikosportarten Sinn machen - auch beim Motorradfahren mit großen Maschinen von Suzuki oder Honda. Eventuell könnte es sogar bei der Vermarktung von Bankprodukten Vorteile bringen - überall dort, wo es um Risiko geht, etwa beim Wertpapierhandel", meint der Werbeexperte.

Problem bei moralisch verwerflichen Themen

Das Denken an Gott hat aber noch weitreichendere Folgen, wie die Forscher beweisen konnten. In einem anderen Experiment stimmten sich die Probanden durch das Lesen eines Wikipedia-Textes (entweder über Gott oder über Planeten), auf die folgende Aufgabe ein. Bei dieser konnten sie wählen, ob sie ein Bild mit dunklen Farben ansehen wollten, oder aber eines mit strahlenden Farben, welche zu Augenschäden führen könnten (dieser Teil war jedoch von den Forschern erfunden worden).

Als Ausgleich für das Risiko wurden 25 Cent versprochen. Und siehe da: Wer über Gott gelesen hatte, war eher bereit, seine Augen zu riskieren (95,5 Prozent im Vergleich zu 84,3 Prozent in der Kontrollgruppe). Jedoch gibt es auch Einschränkungen für göttliche Werbung. Bei moralisch verwerflichen Themen, wie dem Unterricht zur Bestechung, klappt dies nicht.

Und auch in einem anderen Fall sollte man Vorsicht walten lassen, wie Othersen empfiehlt: "Bei allem, was mit dem Islam zu tun hat, sollte man göttliche Werbung eher weglassen - die Darstellung von Mohammed wird ja sehr kritisch gesehen, wie sich bei der Debatte um die Mohammed-Karikaturen gezeigt hat."

Quelle: www.pressetext.com/Marie-Thérèse Fleischer

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