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Steigende Mieten verstärken die Einkommensungleichheit

Archivmeldung vom 23.10.2018

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 23.10.2018 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Manuel Schmidt
Bild: Rainer Sturm / pixelio.de
Bild: Rainer Sturm / pixelio.de

Veränderungen der Wohnausgaben verstärkten erheblich den Anstieg der Einkommensungleichheit in Deutschland seit der Mitte der 1990er Jahre, so berichtet eine neue Studie von Christian Dustmann (University College London), Bernd Fitzenberger und Markus Zimmermann (Humboldt-Universität zu Berlin). Laut der Studie stieg der Anteil der Wohnausgaben am Haushaltseinkommen für das unterste Einkommensquintil (die 20% Personen mit dem niedrigsten Einkommen) von 27% im Jahr 1993 auf 39% im Jahr 2013 an. Hingegen fiel dieser Anteil für das oberste Einkommensquintil im selben Zeitraum von 16% auf 14%. Diese Entwicklung verstärkte den Anstieg der Einkommensungleichheit im Hinblick auf das Einkommen, das eine Person nach Abzug der Wohnausgaben zur Verfügung hat.

Dies sind die zentralen Ergebnisse der bisher umfassendsten Studie des Zusammenhangs zwischen Wohnausgaben und Einkommensungleichheit in Deutschland. Insbesondere zeigt die Studie:

  • Im unteren Bereich der Verteilung stieg die Ungleichheit der Einkommen nach Abzug der Wohnausgaben zwischen 1993 und 2013 fast dreimal so stark an wie die Ungleichheit der Einkommen vor Abzug der Wohnausgaben - gemessen am 50/10-Verhältnis, d.h. dem Verhältnis zwischen dem mittleren Einkommen (Median oder 50% Wert) und dem 10. Perzentil (10% niedrigsten Wert). Für das Einkommen vor Abzug der Wohnausgaben, stieg das 50/10- Verhältnis zwischen 1993 und 2013 von 1.75 auf 1.97 an, sprich um 22 Prozentpunkte. Nach Abzug der Wohnausgaben betrug der Anstieg jedoch nahezu das Dreifache, sprich das 50/10-Verhältnis erhöhte sich von 1,97 auf 2,59. D.h. während im Jahr 1993 das Einkommen nach Abzug der Wohnausgaben für eine Person mit mittlerem Einkommen etwa zweimal so hoch war wie für eine Person mit dem 10% niedrigsten Einkommen, stieg dieses Verhältnis auf 2,6 im Jahr 2013 an.
  • Die Ungleichheit im oberen Bereich der Einkommensverteilung, gemessen als Verhältnis zwischen dem 90. Perzentil (10% höchsten Wert) und dem Median, stieg ebenfalls nach Berücksichtigung der Wohnausgaben stärker an, allerdings in geringerem Umfang als das 50/10-Verhältnis.
  • Der starke Anstieg der Einkommensungleichheit nach Abzug der Wohnausgaben resultiert daher, dass die Wohnausgaben für niedrige Einkommen stärker als für höhere Einkommen angestiegen sind.
  • Ein wesentlicher Grund ist der starke Anstieg der Wohnausgaben für Mieter verglichen mit den Eigentümern selbstgenutzten Wohnraums, wobei Letztere von dem Rückgang der Hypothekenzinsen profitieren konnten. Dies verstärkte die Ungleichheit, da Eigentümer hauptsächlich im oberen Bereich der Einkommensverteilung konzentriert sind, während Mieter eher im unteren Bereich zu finden sind, ein Zusammenhang der für Deutschland angesichts der sehr niedrigen Wohneigentumsquote der Niedrigeinkommenshaushalte im Vergleich zu Ländern wie Großbritannien und USA besonders ins Gewicht fällt.
  • Weitere wichtige Faktoren sind Veränderungen der Haushaltsstruktur (die steigende Zahl der Einpersonenhaushalte) und Umzüge in die größeren Städte. Dem Rückgang im Angebot von Sozialwohnungen kommt nur eine untergeordnete Rolle zu.
  • Steigende Wohnausgaben in Verbindung mit fallenden Realeinkommen im unteren Bereich der Verteilung führen zu einem besonders starken Rückgang der Konsummöglichkeiten für Niedrigeinkommenshaushalte.
  • Die Studie zeigt zudem, dass jüngere Geburtskohorten einen größeren Anteil ihres Einkommens für das Wohnen ausgeben und weniger sparen als ältere Geburtskohorten im gleichen Alter.

Welche Konsequenzen ergeben sich hieraus? Professor Dustmann erklärt: „Verglichen mit den USA und Großbritannien ist die Entwicklung der Wohnausgaben in Deutschland zwar relativ moderat, aber der starke Anstieg der Ungleichheit nach Abzug der Wohnausgaben hat doch besorgniserregende Folgen für die Sparquoten, die für das unterste Einkommensquintil von 2% im Jahr 1993 auf minus 1% im Jahr 2013 gefallen sind.“

Professor Fitzenberger ergänzt: „Der Umstand, dass ein großer und steigender Anteil der Niedrigeinkommensbezieher nicht spart, gibt Anlass zur Sorge – insbesondere, da der für Personen mit niedrigem Einkommen restriktivere Zugang zu Hypothekenkrediten in Deutschland (im Vergleich zu den angelsächsischen Ländern) die Möglichkeit der Vermögensbildung durch Immobilienerwerb reduziert. Daher ist zu erwarten, dass die steigende Ungleichheit in der Ersparnisbildung zu höherer Vermögensungleichheit in der Zukunft führt.“

Die empirische Untersuchung basiert auf Daten der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) in Deutschland, dem Sozioökonomischen Panel (SOEP) und der OECD Affordable Housing Database. Die grundlegende empirische Analyse wurde mit der EVS und mit dem SOEP durchgeführt. Die zentralen Ergebnisse stimmen überein.

Die wissenschaftliche Studie wurde von Christian Dustmann [Centre for Research and Analysis of Migration (CReAM) am University College London], Bernd Fitzenberger und Markus Zimmermann [beide Humboldt-Universität zu Berlin] erstellt und erscheint als:

http://www.econ.ucl.ac.uk/cream/publicationsdiscussionpapers.htm

Quelle: Humboldt-Universität zu Berlin (idw)

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