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Wie bei der Ölkrise: Höchster Preisanstieg gewerblicher Produkte seit 1974

Archivmeldung vom 21.10.2021

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 21.10.2021 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Sanjo Babić
Preisexplosion bei der Energieversorgung (Symbolbild)
Preisexplosion bei der Energieversorgung (Symbolbild)

Bild: Thorben Wengert / pixelio.de

Der Preisanstieg auf Herstellerebene in Deutschland hat sich laut Statistischem Bundesamt im September gegenüber dem Vorjahresmonat um 14,2 Prozent erhöht. Hohe Energiepreise, Materialknappheit, Lieferengpässe, die Konjunktur und jetzt auch die Psyche werden als Gründe angeführt. Dies berichtet das Magazin "RT DE".

Weiter berichtet RT DE: "Während die Inflation hierzulande im September erstmals seit knapp 28 Jahren wieder die Vier-Prozent-Marke überschritt, lagen die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte im September 2021 um 14,2 Prozent höher als im September 2020, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte.

Es war der höchste Anstieg binnen Jahresfrist seit Oktober 1974, als die Preise in der ersten Ölkrise um 14,5 Prozent stiegen. Im August des laufenden Jahres hatte die Steigerungsrate 12,0 Prozent und im Juli 10,4 Prozent betragen. Hauptursache für die Entwicklung waren Preissprünge bei Energie, die im September im Durchschnitt um 32,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zulegten. Besonders deutlich verteuerte sich Erdgas (plus 58,9 Prozent).

Zugleich stiegen die Preise vieler Vorleistungsgüter wie Holz und Metalle kräftig. Hintergrund sind die hohe Nachfrage wegen der weltweiten Konjunkturerholung nach dem Corona-Schock und teils erhebliche Probleme im internationalen Warenhandel, die für Knappheiten sorgen. Besonders hoch waren die Preisanstiege im September gegenüber dem Vorjahresmonat bei Nadelschnittholz (plus 117,9 Prozent), bei Verpackungsmitteln aus Holz (plus 92,5 Prozent), Sekundärrohstoffen (plus 87,2 Prozent) sowie Betonstahl in Stäben (plus 81,8 Prozent). Metalle waren im Durchschnitt insgesamt 35,5 Prozent teurer als ein Jahr zuvor.

Lohn-Preis-Spirale – durch Erwartungen?

Laut einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) drohe außerdem ein psychischer Effekt. Denn wenn Verbraucher und Unternehmen davon ausgehen, dass die Preise weiter steigen, "werden die Menschen Käufe vorziehen und höhere Löhne fordern. Die Unternehmen wiederum werden auf ihre Preise aufschlagen, wenn sie damit rechnen, höhere Löhne und höhere Erzeugerpreise zahlen zu müssen", erläuterte Studien-Autorin Bernoth. Dies könnte eine klassische Lohn-Preis-Spirale in Gang setzen, die weniger auf tatsächlichen strukturellen Faktoren als auf einer psychologischen Dynamik basiere.

"Höhere Inflationserwartungen könnten dann zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden und die tatsächliche Inflation ankurbeln", warnte Bernoth. Demnach seien die Verbraucherpreise derzeit vor allem von vorübergehenden Effekten angetrieben, die im kommenden Jahr auslaufen dürften. Laut den Studien-Autoren Bernoth und Autor Gökhan Ider sei der aktuelle sprunghafte Inflationsanstieg im Euroraum vor allem auf einmalige Maßnahmen und Ereignisse zurückzuführen, wie die Rücknahme der Mehrwertsteuersenkungen in Deutschland oder der Anstieg der Energiepreise nach dem Einbruch während Corona-Krise 2020. Hinzu kommen Lieferengpässe. Auch angesichts der Inflation im September hatte ZEW-Ökonom Friedrich Heinemann gesagt: "Der Preisschub reflektiert zunächst einmal die erfreulich kräftige und umfassende Erholung der Binnen- und Weltwirtschaft nach dem tiefen Absturz in der Pandemie."

Jedoch hatten andere Experten jüngst darauf verwiesen, dass die Inflation kein so temporäres Phänomen sei. In Wirtschaftsmagazinen war bereits von einer bevorstehenden oder gar bereits begonnenen Stagflation die Rede. Und EZB-Direktorin Isabel Schnabel sagte zu Beginn des Monats, dass der Preisdruck aufgrund mehrerer Unsicherheitsfaktoren auch im kommenden Jahr hoch bleiben könne."

Quelle: RT DE

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