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Bruttoinlandsprodukt: Deutsche Wirtschaft stagniert zum Jahresende

Archivmeldung vom 25.02.2020

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 25.02.2020 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Andre Ott
Statistisches Bundesamt
Statistisches Bundesamt

Bild: Eigenes Werk /OTT

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im 4. Quartal 2019 gegenüber dem 3. Quartal 2019 - preis-, saison- und kalenderbereinigt - nicht weiter gestiegen.

Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) bereits in seiner Schnellmeldung am 14. Februar 2020 mitgeteilt hatte, gab es im Verlauf des Jahres nach einem schwungvollen Beginn im 1. Quartal (+0,5 %) und einem Rückgang im 2. Quartal (-0,2 %) zunächst eine leichte Erholung im 3. Quartal (+0,2 %).  Daraus ergibt sich für das gesamte Jahr 2019 ein preisbereinigtes Wachstum des BIP von 0,6 % (auch kalenderbereinigt).

Abgeschwächte Dynamik bei staatlichem und privatem Konsum

Im Vergleich zum Vorquartal (preis-, saison- und kalenderbereinigt) kamen aus dem Inland gemischte Signale: Der inländische Konsum, zuletzt häufig der Konjunkturmotor, verlor nach einem sehr starken 3. Quartal zum Jahresende deutlich an Dynamik. Die privaten Konsumausgaben stagnierten im 4. Quartal 2019 (0,0 %), der Staat erhöhte seine Konsumausgaben nur leicht um 0,3 %. Bei den Investitionen war das Bild zweigeteilt: Während in Bauten - auch aufgrund der milden Witterung -0,6 % mehr investiert wurde als im 3. Quartal, gingen die Investitionen in Ausrüstungen mit -2,0 % erneut deutlich zurück. Die Investitionen in sonstige Anlagen waren 1,1 % höher als im Vorquartal.

Die außenwirtschaftliche Entwicklung dämpfte im 4. Quartal die Konjunktur: Nach vorläufigen Berechnungen wurde preis-, saison- und kalenderbereinigt insgesamt 0,2 % weniger exportiert als im 3. Quartal. Zwar gab es etwas höhere Dienstleistungsexporte (+0,4 %) als im Vorquartal, aber die Warenausfuhren gingen um 0,4 % zurück. Die Importe von Waren und Dienstleistungen legten dagegen um 1,3 % zu.

Bruttoinlandsprodukt im Vorjahresvergleich leicht gestiegen

Im Vorjahresvergleich hat sich das Wirtschaftswachstum zum Jahresende verlangsamt: Das preisbereinigte BIP stieg im 4. Quartal 2019 um 0,3 % gegenüber dem 4. Quartal 2018 (kalenderbereinigt: +0,4 %). Im 3. Quartal 2019 war der Anstieg mit +1,1 % gegenüber dem Vorjahresquartal (kalenderbereinigt: +0,6 %) noch stärker ausgefallen.

Zahl der Erwerbstätigen weiter gewachsen

Die Wirtschaftsleistung im 4. Quartal 2019 wurde von 45,5 Millionen Erwerbstätigen erbracht. Das waren rund 300 000 Personen oder 0,7 % mehr als ein Jahr zuvor (siehe Pressemitteilung 049/20 vom 18. Februar 2020). Die Erwerbstätigkeit erreichte damit zwar wiederum einen neuen Höchststand seit der Wiedervereinigung im Jahr 1990. Der Beschäftigungszuwachs hat sich allerdings im Verlauf des Jahres 2019 spürbar abgeschwächt und liegt deutlich unter den Zuwachsraten der letzten Jahre.

Die Zahl der durchschnittlich geleisteten Arbeitsstunden je Erwerbstätigen verringerte sich nach ersten vorläufigen Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit um 0,8 %. Das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen - also die Gesamtzahl der geleisteten Arbeitsstunden aller Erwerbstätigen - war entsprechend im 4. Quartal 2019 etwas niedriger als im Vorjahresquartal (-0,1 %). Dazu beigetragen haben vor allem ein höherer Krankenstand, weniger Überstunden und ein Rückgang der Zahl der Selbstständigen. Die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität - gemessen als preisbereinigtes BIP je Erwerbstätigenstunde - nahm nach vorläufigen Berechnungen gegenüber dem Vorjahresquartal um 0,4 % zu. Je Erwerbstätigen ging sie jedoch um 0,4 % zurück.

Konsum und Bauinvestitionen stützten die Wirtschaft im Vergleich zum Vorjahr

Auch im Vorjahresvergleich kamen im 4. Quartal 2019 gemischte Signale aus dem Inland: Die privaten Konsumausgaben stiegen im Vergleich zum Vorjahr preisbereinigt um 1,2 %, die staatlichen Konsumausgaben um 3,0 %. Die Bauinvestitionen waren 2,7 % höher; vor allem in den öffentlichen Bau und den Bau von Wohnungen wurde mehr investiert als im 4. Quartal 2018. Die Investitionen in Ausrüstungen - darunter fallen hauptsächlich Maschinen und Geräte sowie Fahrzeuge - gingen preisbereinigt hingegen auch im Vorjahresvergleich deutlich zurück (-2,6 %). Der Rückgang der nichtstaatlichen Ausrüstungsinvestitionen fiel mit -1,5 % nicht ganz so stark aus. Die Auslandsnachfrage ließ zum Jahresende 2019 nach: Nach vorläufigen Berechnungen wurden im 4. Quartal 2019 preisbereinigt nur 0,9 % mehr Waren und Dienstleistungen ins Ausland exportiert als im 4. Quartal 2018. Die Importe stiegen im selben Zeitraum etwas stärker um 1,2 %.

Bruttowertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe erneut stark rückläufig

Auf der Entstehungsseite des BIP war die preisbereinigte Bruttowertschöpfung im 4. Quartal 2019 in fast allen Wirtschaftsbereichen höher als im 4. Quartal 2018. Die höchsten Zuwachsraten gab es in den Dienstleistungsbereichen, insbesondere im Bereich Information und Kommunikation (+2,8 %), sowie im Baugewerbe (+2,0 %). Der regelrechte Einbruch der Wirtschaftsleistung im Verarbeitenden Gewerbe (-4,8 %) führte aber dazu, dass die preisbereinigte Bruttowertschöpfung insgesamt lediglich um 0,2 % stieg.

Arbeitnehmerentgelt kräftig gestiegen

In jeweiligen Preisen gerechnet war sowohl das BIP als auch das Bruttonationaleinkommen im 4. Quartal 2019 um 2,6 % höher als ein Jahr zuvor. Das Volkseinkommen nahm um 1,9 % zu, wobei sich die beiden Komponenten sehr unterschiedlich entwickelten: Während das Arbeitnehmerentgelt (Bruttolöhne und -gehälter zuzüglich Sozialbeiträge der Arbeitgeber) mit +3,8 % kräftig zulegte, gingen die Unternehmens- und Vermögenseinkommen nach ersten vorläufigen Berechnungen um 3,4 % zurück. Die Bruttolöhne und -gehälter der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer lagen 3,5 % über dem Niveau des 4. Quartals 2018, die Nettolöhne und -gehälter sogar 3,9 %. Im Durchschnitt je Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer stiegen die Löhne und Gehälter weniger stark (brutto um 2,6 %, netto um 2,9 %), da auch die Zahl der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Vergleich zum Vorjahresquartal weiter zunahm (+1,0 %). Das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte erhöhte sich um 2,6 % und damit in ähnlicher Größenordnung wie die privaten Konsumausgaben in jeweiligen Preisen (+2,5 %).

Ergebnisse für die ersten drei Quartale und das Jahr 2019 überarbeitet

Neben der Erstberechnung des 4. Quartals 2019 wurden auch die bisher veröffentlichten Ergebnisse der ersten drei Quartale 2019 und das Jahresergebnis 2019 überarbeitet und - soweit erforderlich - revidiert. Die ersten vorläufigen Ergebnisse werden überarbeitet, um neu verfügbare statistische Informationen einzuarbeiten. Die Datennutzerinnen und -nutzer können somit auf die zum jeweiligen Veröffentlichungszeitpunkt bestmöglichen Ergebnisse für Analysen und Prognosen zurückgreifen. Wie bereits in der Schnellmeldung vom 14. Februar 2020 berichtet, fiel die leichte Erholung im 3. Quartal 2019 revidiert um 0,1 Prozentpunkte stärker aus als zuvor veröffentlicht. In den einzelnen Komponenten kann es wie üblich auch zu größeren Änderungen der bisherigen Ergebnisse kommen; bei saison- und kalenderbereinigten Reihen gilt dies für die gesamte Zeitreihe ab 1991.

Quelle: Statistisches Bundesamt (ots)


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