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Bruttoinlandsprodukt: -3,7 % zum Vorjahresquartal

Archivmeldung vom 24.02.2021

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 24.02.2021 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Sanjo Babić
Statistisches Bundesamt
Statistisches Bundesamt

Bild: Eigenes Werk /OTT

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im 4. Quartal 2020 gegenüber dem 3. Quartal 2020 - preis-, saison- und kalenderbereinigt - um 0,3 % gestiegen. Im Verlauf des Jahres hatte sich die deutsche Wirtschaft nach dem historischen Einbruch des BIP um 9,7 % im 2. Quartal 2020 im 3. Quartal zunächst erholt (+8,5 %).

Im 4. Quartal wurde diese Erholung durch die zweite Corona-Welle und den erneuten Lockdown zum Jahresende gebremst. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) fiel die Entwicklung des BIP sowohl für das 4. Quartal (+0,3 %) als auch für das gesamte Jahr 2020 mit -4,9 % (kalenderbereinigt: -5,3 %) etwas positiver aus als in der Schnellmeldung am 29. Januar 2021 berichtet.

Inländischer Konsum nimmt deutlich ab, Bauinvestitionen und Exporte wirken stabilisierend

Bedingt durch die Einschränkungen im Zuge des zweiten Lockdowns ab November 2020 gingen die privaten Konsumausgaben im 4. Quartal 2020 preis-, saison- und kalenderbereinigt um 3,3 % gegenüber dem 3. Quartal 2020 zurück. Damit sank der private Konsum weniger stark als im 2. Quartal 2020 (-11,0 %). Auch die staatlichen Konsumausgaben verzeichneten im 4. Quartal 2020 einen Rückgang um 0,5 % gegenüber dem Vorquartal, nachdem sie in den ersten drei Quartalen des Jahres gestiegen waren. Wachstumsimpulse kamen im 4. Quartal 2020 von den Bauinvestitionen, die preis-, saison- und kalenderbereinigt um 1,8 % gegenüber dem 3. Quartal 2020 stiegen. In Ausrüstungen - also vor allem in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge - wurde saisonbereinigt in etwa so viel investiert wie im Vorquartal (-0,1 %).

Der Handel mit dem Ausland nahm zum Jahresende zu und stützte das BIP: Im 4. Quartal 2020 wurden preis-, saison- und kalenderbereinigt 4,5 % mehr Waren und Dienstleistungen exportiert als im 3. Quartal 2020. Die Importe stiegen mit 3,7 % insgesamt etwas weniger stark, da weniger Dienstleistungen importiert wurden als im Vorquartal.

Bruttowertschöpfung in der Industrie im Plus, in Dienstleistungsbereichen im Minus

Die preis-, saison- und kalenderbereinigte Bruttowertschöpfung war im 4. Quartal 2020 um 0,2 % niedriger als im 3. Quartal 2020. Dabei zeigte sich bezogen auf die einzelnen Wirtschaftsbereiche ein zweigeteiltes Bild: Während die Bruttowertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe (+6,7 %) und im Baugewerbe (+5,2 %) gegenüber dem 3. Quartal 2020 deutlich zulegte, wurde die zwischenzeitliche Erholung in den meisten Dienstleistungsbereichen durch die zweite Corona-Welle zum Jahresende abrupt gestoppt. So sank die Bruttowertschöpfung im Bereich Handel, Verkehr, Gastgewerbe um 4,4 %, der Bereich Öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit verzeichnete ein Minus von 3,2 %.

Bruttoinlandsprodukt im Vorjahresvergleich noch deutlich im Minus

Im Vorjahresvergleich war das BIP im 4. Quartal 2020 preisbereinigt um 2,7 % niedriger als im 4. Quartal 2019, dem Quartal vor Beginn der Corona-Krise. Preis- und kalenderbereinigt war der Rückgang mit 3,7 % größer, da rund drei Arbeitstage mehr zur Verfügung standen als ein Jahr zuvor.

Privater Konsum nimmt deutlich ab, Bauinvestitionen und Staatskonsum stützen

Im Vorjahresvergleich war die inländische Nachfrage insgesamt weiterhin deutlich niedriger als im Jahr zuvor. Die privaten Konsumausgaben gingen preisbereinigt gegenüber dem 4. Quartal 2019 um 6,5 % zurück, die Investitionen in Ausrüstungen um 6,0 %. Stützend wirkten im Vorjahresvergleich lediglich die Bauinvestitionen mit einem Anstieg von 3,0 % und die Konsumausgaben des Staates, die um 2,6 % zulegten.

Die Nachfrage aus dem Ausland war insgesamt geringer als im selben Zeitraum des Vorjahres. Der internationale Warenhandel stabilisierte sich aber zum Jahresende, während die Exporte und Importe von Dienstleistungen zweistellig zurückgingen. Insgesamt wurden im 4. Quartal 2020 preisbereinigt 2,9 % weniger Waren und Dienstleistungen ins Ausland exportiert als im 4. Quartal 2019. Die Importe gingen im selben Zeitraum insgesamt um 5,1 % zurück.

Baugewerbe wächst auch gegenüber Vorjahr, alle anderen Wirtschafts-bereiche im Minus

Auf der Entstehungsseite des BIP war die preisbereinigte Bruttowertschöpfung im 4. Quartal 2020 in fast allen Wirtschaftsbereichen geringer als ein Jahr zuvor. Die größten Rückgänge gab es mit -18,2 % bei den Sonstigen Dienstleistern, wozu unter anderem die Bereiche Unterhaltung und Erholung zählen. Die Bruttowertschöpfung der Unternehmensdienstleister fiel mit -9,1 % ebenfalls stark. Im Bereich Handel, Verkehr, Gastgewerbe sank die Bruttowertschöpfung um 6,3 %, wobei besonders das Gastgewerbe einen noch deutlicheren Rückgang zu verzeichnen hatte. Im Verarbeitenden Gewerbe ging die Bruttowertschöpfung nach den zweistelligen Einbrüchen im Sommer weniger stark zurück und lag im 4. Quartal 2020 um 2,0 % unter dem Niveau des 4. Quartals 2019. Lediglich im Baugewerbe konnte die Wirtschaftsleistung im Vergleich zum Vorjahr zulegen (+5,3 %). Die Bruttowertschöpfung insgesamt ging um 3,6 % zurück und damit rund einen Prozentpunkt mehr als das BIP. Der Grund hierfür ist der starke Anstieg der Nettogütersteuern um 5,3 %.

Erwerbstätigenzahl weiter deutlich unter Vorkrisenniveau

Die Corona-Krise wirkt sich weiter deutlich auf den Arbeitsmarkt aus. Die Wirtschaftsleistung wurde im 4. Quartal 2020 von rund 44,8 Millionen Erwerbstätigen mit Arbeitsort in Deutschland erbracht. Das waren 747 000 Personen oder 1,6 % weniger als ein Jahr zuvor (siehe Pressemitteilung Nr. 072/21 vom 18. Februar 2021). In den beiden vorangegangenen Quartalen hatte es ähnlich starke Rückgänge gegeben (-1,4 % im 2. Quartal und -1,6 % im 3. Quartal). Davor war die Zahl der Erwerbstätigen zuletzt im 1. Quartal 2010 infolge der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise rückläufig. Dabei ist zu beachten, dass die Kurzarbeit sich nicht auf die Erwerbstätigenzahlen auswirkt, weil Kurzarbeitende weiter als Erwerbstätige zählen.

Einen deutlichen Effekt hat die Inanspruchnahme von Kurzarbeit aber auf die Zahl der durchschnittlich geleisteten Arbeitsstunden je Erwerbstätigen: Diese verringerte sich im 4. Quartal 2020 nach ersten vorläufigen Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit deutlich um 2,7 % gegenüber dem Vorjahresquartal. Das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen - also die Gesamtzahl der geleisteten Arbeitsstunden aller Erwerbstätigen - ging entsprechend im selben Zeitraum noch stärker um 4,3 % zurück.

Die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität - gemessen als preisbereinigtes BIP je Erwerbstätigenstunde - nahm nach vorläufigen Berechnungen gegenüber dem Vorjahresquartal um 1,7 % zu. Je Erwerbstätigen war sie jedoch um 1,1 % niedriger als im 4. Quartal 2019.

Stabile Einkommen und Konsumzurückhaltung führen zu Anstieg der Sparquote

In jeweiligen Preisen gerechnet waren das BIP und das Bruttonationaleinkommen im 4. Quartal 2020 um 1,9 % niedriger als ein Jahr zuvor. Das Volkseinkommen ging mit -1,3 % nicht ganz so stark zurück: Während das Arbeitnehmerentgelt gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert war (-0,1 %), fielen die Unternehmens- und Vermögenseinkommen nach ersten vorläufigen Berechnungen deutlich um 4,9 %. Die Bruttolöhne und -gehälter sanken im Durchschnitt je Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer um 0,5 %, netto stiegen sie leicht um 0,2 %. Das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte war im 4. Quartal 2020 mit 0,3 % etwas höher als vor einem Jahr. Dagegen gingen die privaten Konsumausgaben in jeweiligen Preisen um 6,3 % zurück. Das relativ stabile Einkommen einerseits und die Konsumzurückhaltung andererseits führten wie schon in den beiden vorangegangenen Quartalen zu einem erheblichen Anstieg des Sparens der privaten Haushalte. Nach vorläufigen Berechnungen ergibt sich daraus für das 4. Quartal 2020 eine Sparquote von 15,7 %.

Internationaler und europäischer Vergleich

Innerhalb Europas zeigt sich ein zweigeteiltes Bild: Während das preis-, saison- und kalenderbereinigte BIP unter anderem in Frankreich (-1,3 %) und Italien (-2,0 %) im 4. Quartal 2020 gegenüber dem 3. Quartal zurückging, verzeichneten andere Mitgliedstaaten ähnlich wie Deutschland ein leichtes Plus, so auch Spanien mit +0,4 %. Für die Europäische Union (EU) insgesamt meldete das europäische Statistikamt Eurostat nach vorläufigen Berechnungen einen BIP-Rückgang von 0,4 % gegenüber dem Vorquartal. Die Vereinigten Staaten verzeichneten mit umgerechnet +1,0 % einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts gegenüber dem 3. Quartal 2020.

Im Vorjahresvergleich zeigt sich, dass das Bruttoinlandsprodukt der meisten EU-Mitgliedstaaten im 4. Quartal 2020 noch deutlich unter dem Vorkrisenniveau lag. Unter den Mitgliedstaaten, für die bereits Daten für das 4. Quartal 2020 vorliegen, hatte Spanien mit -9,1 % den stärksten Rückgang im Vergleich zum Vorjahresquartal zu verzeichnen. Auch in Frankreich (-5,0 %) und Italien (-6,6 %) schrumpfte die Wirtschaft gegenüber dem 4. Quartal 2019 deutlich. Für die EU insgesamt gab Eurostat ein vorläufiges Ergebnis von -4,8 % bekannt. Die Vereinigten Staaten verzeichneten mit umgerechnet -2,5 % gegenüber dem 4. Quartal 2019 einen ähnlich starken Rückgang des Bruttoinlandsprodukts wie Deutschland (-2,7 %). Einen detaillierten Vergleich der Wachstumsraten der EU-Mitgliedstaaten finden Sie in unserem Webangebot "Europa in Zahlen".

Revision der bisherigen Ergebnisse und methodische Hinweise

Seit dem 2. Quartal 2020 veröffentlicht das Statistische Bundesamt erste amtliche Angaben für das BIP bereits 30 Tage nach Quartalsende, und damit rund zwei Wochen früher als zuvor. Die höhere Aktualität der Ergebnisse erfordert dabei mehr Zuschätzungen. Auch die größeren Unsicherheiten aufgrund der Corona-Pandemie können zu stärkeren Revisionen als sonst üblich führen. Mit der Berechnung der ausführlichen Ergebnisse hat das Statistische Bundesamt auch alle vier Quartale und das Jahr 2020 überarbeitet. Mit den seit der Schnellmeldung am 29. Januar 2021 neu verfügbaren statistischen Informationen ergaben sich dabei für das Bruttoinlandsprodukt Revisionen um bis zu 0,2 Prozentpunkte nach oben (siehe Tabelle Alt-Neu-Vergleich).

Quelle: Statistisches Bundesamt (ots)

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